Formel E will mehr Rennen in China austragen

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Michael Neißendorfer
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Die Formel E könnte ihre Präsenz in China deutlich ausbauen. Seriengründer und -vorsitzender Alejandro Agag brachte nun sogar bis zu vier Rennwochenenden im Reich der Mitte ins Spiel, aktuell ist es nur eines. Der Hintergrund dafür liegt auf der Hand: China ist nicht nur der größte Automarkt der Welt, sondern zugleich auch Vorreiter bei der Elektromobilität – und damit ein idealer Schauplatz für die rein elektrische Rennserie.

„China ist der Markt, der für uns das größte Potenzial bietet“, erklärte Agag gegenüber Reuters. Während in den USA unter der Regierung von Donald Trump zahlreiche Förderprogramme für E-Autos zurückgefahren worden seien, setze China weiterhin konsequent auf die Elektrifizierung. „Trump überlässt China das Feld – und China nimmt es dankend an“, so Agag. Bei einem Besuch des Shanghai ePrix habe er den Eindruck gehabt, dass nahezu jedes neue Auto auf den Straßen elektrisch unterwegs sei.

Der Spanier skizzierte eine Strategie, die sich an der erfolgreichen Expansion der Formel 1 in den USA orientieren soll. Dort gastiert die Königsklasse des Motorsports mittlerweile gleich dreimal pro Saison. Für die Formel E sieht Agag daher eine ähnliche Chance – allerdings mit Fokus auf China. „Ich denke, vier Rennen in China wären absolut nachhaltig. Das passt zu den Realitäten des dortigen Automarkts“, betonte er.

Die Formel E war in den vergangenen Jahren bereits in mehreren chinesischen Städten zu Gast: das Premierenrennen 2014 in Peking, dazu Hongkong, Sanya und zuletzt Shanghai. Auf der provisorischen Rennkalender-Liste für die kommende Saison 2025/26 stehen aktuell zwei Läufe in Shanghai (4. und 5. Juli). Zwei weitere Termine – Ende Mai und am 20. Juni – sind noch offen. Branchenkreise bringen Sanya ins Gespräch, auch Shenzhen gilt als mögliche Option.

„Wenn die Autos elektrisch sind, muss auch die Rennserie elektrisch sein“

Agag stellte klar, dass er von vier unterschiedlichen Austragungsorten spricht, nicht von mehrfachen Rennen am selben Standort. Dabei machte er deutlich, dass der Fokus auf China für die Formel E alternativlos sei: „In China wird es in Zukunft keine neuen Verbrenner-Autos mehr geben. Also was sollen dann noch Verbrenner-Rennen in China?“, fragte er rhetorisch. „Wenn die Autos elektrisch sind, muss auch die Rennserie dort elektrisch sein.“ Sein Fazit: Wie die Formel 1 den US-Markt erobert habe, könne die Formel E nun den chinesischen Markt für sich gewinnen.

Erst im vergangenen Monat hatten die Formel E und der Automobil-Weltverband FIA die bestehende Partnerschaft bis mindestens 2048 verlängert. Damit bleibt die Serie auf lange Sicht die einzige von der FIA anerkannte elektrische Monoposto-Meisterschaft.

Agag, der inzwischen auch als strategischer Berater des Motorsport-Netzwerks Motorsport Network tätig ist, kann sich zudem eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Formel 1 und Formel E vorstellen. Beide Serien haben mit dem US-Medienunternehmer John Malone über Liberty Media (F1) und Liberty Global (Formel E) einen gemeinsamen Großaktionär.

„Konvergenz bedeutet nicht, dass beide Serien gleich werden“, erklärte Agag. Vielmehr könne man sich in Bereichen wie Medien, Kalender oder Vermarktung annähern, ohne die jeweilige technologische Ausrichtung aufzugeben. „Die Formel E steht für elektrisch, die Formel 1 für Verbrennung. Jede Serie hat ihre Mission – und beide können voneinander profitieren.“ Während die Formel 1 aktuell über eine Rückkehr zu V10- oder V8-Motoren mit nachhaltigen Kraftstoffen nachdenkt, ist Agag überzeugt: Die Formel E werde schon bald in Sachen Geschwindigkeit und Performance gleichziehen – wenn nicht sogar vorbeiziehen.

Quelle: Reuters – China could host at least four Formula E rounds, says Agag

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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