Förderung hat Markthochlauf von Elektrobussen ins Rollen gebracht

Förderung hat Markthochlauf von Elektrobussen ins Rollen gebracht
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Die Förderrichtlinie zur Anschaffung von Elektrobussen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hat den Markthochlauf von Elektrobussen in Deutschland erfolgreich angestoßen. Zu diesem Kernergebnis kommt die wissenschaftliche Begleituntersuchung, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC mit den Partnern Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, CP/Compartner Agentur für Kommunikation, Prognos sowie EEBC European Electrical Bus Company im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) erstellt hat.

Mit der E-Bus-Förderung im Umfang von 478 Millionen Euro unterstützte das BMWK insgesamt 65 Verkehrsunternehmen in 13 Bundesländern dabei, 1489 batterieelektrische Stadtbusse und die zugehörige Ladeinfrastruktur anzuschaffen. Ziel der bislang umfassendsten Untersuchung des Einsatzes von Elektrobussen in Deutschland war es, die Wirksamkeit der staatlichen Förderung fundiert zu evaluieren. Betrachtungszeitraum sind die Jahre 2018 bis 2023. Bis 2021 verantwortete das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) die Förderrichtlinie bzw. deren Umsetzung, danach das BMWK.

Während der Laufzeit des Förderprogramms stieg die Anzahl der E-Busse auf deutschen Straßen von etwa 200 auf 2640. Allein im Jahr 2023 wuchs der Bestand an Elektrobussen gegenüber dem Vorjahr um 782 Fahrzeuge – ein Plus von 33 Prozent. Bezogen auf die angeschafften Elektrobusse konnten deutsche Hersteller ihren Marktanteil von 2018 bis 2023 von 18,5 auf 63 Prozent erhöhen. Von den geförderten batterieelektrischen Bussen stammten Ende 2023 ganze 96 Prozent aus deutscher und europäischer Produktion.

Es ist ganz klar: Das Förderprogramm hat als Initialzündung für den E-Bus-Hochlauf in Deutschland gewirkt. Auch industriepolitisch war es ein großer Erfolg, denn die gestiegene Nachfrage hat die deutschen beziehungsweise europäischen Hersteller motiviert, in die Serienfertigung von E-Bussen einzusteigen“, sagt Maximilian Rohs, verantwortlicher Autor der Begleituntersuchung und Public Transport Leader bei PwC Deutschland.

E-Busse ersetzen Dieselbusse vollwertig

Auch hinsichtlich der Marktreife der Elektrobusse hat das Programm deutliche Fortschritte gebracht – dies zeigt die bislang umfassendste Betriebsdatenanalyse von im Einsatz stehenden E-Bussen: So erhöhte sich die Batteriekapazität, eine zentrale technische Spezifikation von E-Bussen, von 2020 bis 2023 um 35 Prozent von etwa 260 auf rund 350 Kilowattstunden. Die durchschnittliche Tagesfahrleistung der geförderten Batteriebusse stieg während der Begleituntersuchung zwischen 2021 und 2023 von 135 auf 172 Kilometer. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Tagesfahrleistung eines Dieselbusses liegt bei etwa 150 Kilometern.

Mit jedem elektrisch gefahrenen Kilometer werden Emissionen und Geld eingespart: So sind bereits heute die durchschnittlichen Kosten während des laufenden Betriebs von Batteriebussen niedriger als die von Dieselbussen; vor allem, weil die Energiekosten nur etwa halb so hoch sind.

Verkehrsunternehmen für weitere Erhöhung des E-Bus-Bestands

Bis zum Ende des untersuchten Zeitraums (Ende 2023) planten die deutschen Verkehrsunternehmen, ihren Bestand an E-Bussen weiter deutlich zu vergrößern: Bis Ende 2025 wollten sie rund 7400 und bis 2030 gut 11.000 Elektrobusse anschaffen. 85 Prozent der neu angeschafften Fahrzeuge sollten batterieelektrisch angetrieben sein.

Den Vorteilen bei den Betriebskosten stehen allerdings noch doppelt bis fast drei mal so hohe Anschaffungskosten gegenüber. Für einen 2023 zugelassenen Elektrobus entstehen über seinen Lebenszyklus hinweg daher immer noch Mehrkosten von ungefähr einem Viertel im Vergleich zu einem Dieselbus. Bis 2030 werden die Mehrkosten emissionsfrei betriebener Busse gegenüber Dieselbussen voraussichtlich deutlich sinken.

Kurzfristig besteht also ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf für den ÖPNV, damit der Umstieg auf E-Busse nicht zu Lasten des Angebots geht und sich die ambitionierten Anschaffungsplanungen verwirklichen lassen. Dazu seien Instrumente, wie eine Investitionsförderung mit degressivem Finanzierungspfad oder eine weitere Entlastung bei den Betriebskosten durch einen abgesenkten Traktionsstrompreis, überlegenswert, so PwC in seiner Mitteilung

Bisher hat es der Verkehrssektor insgesamt nicht ausreichend geschafft, seine Klimaemissionen zu reduzieren. Ein bundesweites, attraktives ÖPNV-Angebot mit klimafreundlichen Antrieben ist hierfür ein entscheidender Schlüssel. Mit der E-Bus-Förderung hat das Förderprogramm des BMWK in den vergangenen Jahren erfolgreich die Antriebswende im straßengebundenen ÖPNV eingeleitet. Das war wichtig, weil nur mit flächendeckend eingesetzten emissionsfreien E-Bussen ein klimaneutraler Nahverkehr möglich ist“, erklärt Rohs weiter.

Heute zugelassene Batteriebusse verursachen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg (Produktion, Betrieb und Batterierecycling) bereits 54 Prozent weniger CO2-Emissionen als Dieselbusse. „Und dabei profitiert nicht nur das Klima, sondern auch die Wirtschaft. Der Markt für E-Busse ist ein globaler Zukunftsmarkt“, verdeutlicht Rohs. „Der Markthochlauf von E-Bussen hierzulande hat auch dazu geführt, dass die europäische und deutsche Fahrzeugindustrie trotz starkem Wettbewerb weiter ihre Position im Wettbewerb behaupten konnte.“

Quelle: PwC – Pressemitteilung vom 12.12.2024 / PwC – Kurzfassung des Abschlussberichts zur Begleituntersuchung der Förderung von Elektrobussen im ÖPNV (PDF)

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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