Fahrbericht BMW iX M70: Okay, der hat Dampf

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Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 3 min

Kleider machen Leute – gerade ganz in schwarz. Kein gewöhnlicher Lack, sondern BMW nennt den Darth-Vader-Look vielversprechend „Frozen Deep Grey“. Sieht gut aus – wenn man den großen Auftritt mag, denn mit Zurückhaltung hat es der Elektro-Bayer nicht so. Grimmiger Blick mit stechenden LED-Stäben und Kühlereinlässen, die jeden Staubsauger-Entwickler vor Neid blass werden lassen. Was für eine Front, was für eine Maske – okay, der hat Dampf.

Man muss nicht lange hinter dem Steuer unterwegs sein, um zu spüren, dass der massige Auftritt keine leeren Ankündigungen nach sich zieht. Das neue Topmodell der iX-Modellreihe leistet 485 kW / 659 PS und wahnwitzige 1100 Nm maximales Drehmoment, deren Tatendrang sich glücklicherweise auf zwei Antriebsachsen verteilen. Vollgas – und die Gesichtszüge sind in der zweiten Reihe.

So viel Sportlichkeit, so viel Druck und so viel Exklusivität haben ihren Preis – na klar. Noch oberhalb des alles andere als leistungsschwachen BMW iX 60 mit seinen 400 kW / 544 PS positioniert, strahlt der mindestens 124.900 Euro teure M70 in einer eigenen, anderen Liga. Der größte Vorteil: BMW erspart sich den kleinen Makel aller anderen iX-Modelle, die bei 200 km/h abgeregelt werden. Die M70-Sportversion kann auf Wunsch bis zu 250 km/h rennen. Wie sinnvoll das auf der linken Autobahnspur für ein Elektroauto ist, muss jeder Pilot für sich selbst entscheiden.

Dafür, dass der über 2,6 Tonnen schwere Allrad-SUV nicht im Halbstundentakt an die Schnellladesäule muss, sorgt ein 109-kWh-Batteriepaket, das etwas überraschend im Vergleich zu den zahmeren Modellen vor der Überarbeitung nicht gewachsen ist. Nur mäßige Noten gibt es auch für das Tankverhalten, denn das 400-Volt-Bordnetz sorgt dafür, dass mehr als 195-kW-Ladungen am Hypercharger nicht machbar sind. Die Konkurrenz bietet 250 bis 320 kW oder mehr – da hinkt die alte BMW-Plattform hinterher. Immerhin kann an einer Wallbox oder Ladesäule nunmehr bis 22 kW nachgetankt werden. Der Normverbrauch ist gemäß den Leistungsreserven mächtig: 23,5 kWh auf 100 km. BMW verspricht eine Reichweite von 520 bis 600 Kilometern – ganz nach Gasfuß.

Die Abstimmung des 4,97 Meter langen BMW iX M70 hingegen ist feiner und gelungener als beim Wettbewerb. Die Lenkung ist zugegeben etwas anders, als man es von anderen Power-SUV aus dem Hause BMW kennt. Kraftprotze wie BMW X5 / X6 M oder der gewaltige XM sind gerade beim Anlenken präziser, bissiger, williger – aber nicht unbedingt besser.

BMW-iX-M70-Cockpit
BMW / Press-Inform

Hier macht die Elektroplattform des iX mit dem tiefen Schwerpunkt einen spürbaren Unterschied, der deutlich mehr interessiert als die sinnfreie Beschleunigung 0 auf Tempo 100 in 3,8 Sekunden. Ohne die intelligente Kraftverteilung zwischen beiden Achsen wäre diese Leistung kaum zu jonglieren – trotz massivem 22- oder 23-Zoll-Radsatz. Das Fahrwerk mit Doppelquerlenker-Vorderachse, Fünflenker-Hinterachse nebst adaptiver Luftfederung und elektronischen Stoßdämpfern ist dabei exzellent auf das gewaltige Gewicht abgestimmt und bemüht sich bei flotter Kurvenfahrt gekonnt, die Wankbewegungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Schade: Auch nach der Modellpflege des BMW iX nebst dem sportlich imposanten Topmodell bleibt die Fahrerassistenzstufe Level 3 der Luxuslimousine BMW 7er / i7 vorbehalten. Das dürfte in dieser Leistungs- und Preisklasse gerne anders sein. Das gilt auch für den Innenraum, denn hier hat sich fast nichts getan. Gerade das leicht zum Fahrer hin geneigte Display dürfte gerne ein paar Zoll größer sein – ebenso wie das Head-Up-Modul. Hier hat so mancher Konkurrent längst mehr zu bieten. Gewohnt luxuriös und geräumig: der Innenraum mit viel Platz vorn und hinten sowie einem 500 Liter großen Laderaum, der sich auf bis zu 1750 Liter vergrößern lässt.

BMW-iX-M70-Test
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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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