EU-Grenzwerte: Wie Autohersteller für bessere CO2-Bilanzen tricksen

EU-Grenzwerte: Wie Autohersteller für bessere CO2-Bilanzen tricksen
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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In einem an das gesamte Händlernetz von Kia Motors in Spanien gerichteten Schreiben forderte der Leiter für Planung und Logistik, Javier Casado, die Händler auf, die Rechnungsstellung für Elektroautos und Plug-in-Hybride ab 1. Oktober auszusetzen und die Zulassungen dieser Fahrzeuge ab 1. November zu verzögern. Das kommt de facto einem Verkaufsverbot gleich. Alle diese „Verpflichtungen“, wie Transport & Environment (T & E) aus dem Schreiben zitiert, seien „unvermeidlich“ und müssen „ausnahmslos“ eingehalten werden. Diese Verkaufsbeschränkungen „werden ab dem 1. Januar 2020 beseitigt“, heißt es weiter.

Diese neuen Beweise zeigen, was T & E schon seit Monaten sagt: Autohersteller verzögern den Verkauf emissionsfreier und -armer Autos, bis die neuen CO2-Grenzwerte 2020 in Kraft treten. Kia wartet also buchstäblich auf den letztmöglichen Termin, den letzten Tag des Jahres. Die Taktik der Autohersteller führt dazu, dass weniger Menschen in Europa Elektroautos kaufen können, um die Gewinne durch den Verkauf SUV zu maximieren, so die Dachorganisation europäischer NGOs aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich.

„Die Autohersteller haben stets lamentiert, dass die Nachfrage nach Elektroautos nicht da ist und die Kunden keine saubereren Autos kaufen möchten. Die Realität aber ist, dass Autohersteller den Verkauf von Elektrofahrzeugen zurückgehalten haben, um den letzten Tropfen aus Benzin- und Dieselautos zu pressen. Dieser Brief ist nur ein weiterer Beweis dafür.“ – Julia Poliscanova, Direktorin Clean Vehicles bei T & E

Im vergangenen Monat haben die Automobilhersteller auf der IAA Hunderte neuer Elektroautomodelle vorgestellt, um sich und ihre Kundschaft auf das Inkrafttreten strengerer CO2-Standards für Neuwagen und Lieferwagen vorzubereiten. Neue T & E-Analysen, die einen Tag vor der Messe veröffentlicht wurden, gehen davon aus, dass die Autohersteller im nächsten Jahr in der EU bis zu eine Million Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen könnten.

Die Studie prognostizierte, dass die Verkäufe für diese beiden Antriebsvarianten im Jahr 2020 bei etwa 5 Prozent (mit einer Spanne von 3 bis 7 Prozent) und im Jahr 2021 bei etwa 10 Prozent (mit einer Spanne von 5 bis 12 Prozent) liegen dürften, abhängig von den unterschiedlichen Strategien der Automobilhersteller zur Einhaltung ihrer CO2-Ziele für Neuwagen in der EU.

Neue Daten der Auto-Marktforscher von IHS Markit prognostizierten ebenfalls eine Verdreifachung der Elektrofahrzeug-Verkäufe bis 2021, wenn die Autohersteller ihre eigenen Pläne zur Steigerung der Produktion von E-Modellen umsetzen.

Der Verkehr ist Europas größtes Klimaproblem und macht mehr als ein Viertel (27 Prozent) der gesamten Treibhausgasemissionen aus. Autos stoßen 44 Prozent der Verkehrsemissionen aus – und dieser Anteil steigt aufgrund der Geschäftsentscheidungen der Automobilhersteller weiter an.

Die Modellierung von T & E zeigt, dass das letzte Benzin- oder Dieselfahrzeug Anfang der 2030er Jahre verkauft werden sollte, wenn die EU ihre Klimaschutzverpflichtungen aus dem Pariser Abkommen erfüllen und im Jahr 2050 emissionsfrei sein soll.

Quelle: Transport & Environment – New evidence: Carmaker holding back EV sales to maximise SUV-fueled profits

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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