Energiewende: Regierung legt Nationale Wasserstoffstrategie vor

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Die Bundesregierung hat das Potenzial von Wasserstoff als Energieträger erkannt und will ein Programm zur Förderung der Brennstoffzellentechnologie auf den Weg bringen. Das Programm Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) hätte schon im vergangenen Jahr vorgestellt werden sollen, nun berichten mehrere Medien von einem Entwurf, der sich aktuell in der Ressortabstimmung befinde. Die NWS soll den Rahmen der Bundesregierung umreissen für private Investitionen in die wirtschaftliche und nachhaltige Erzeugung, Transport und Nutzung von CO2-freiem Wasserstoff, heißt es.

Bei der Nationalen Wasserstoffstrategie müssen wir grün, global und groß denken“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) dem Handelsblatt. Man sei in den Beratungen „auf einem guten Weg“, ergänzte sie. „Die Strategie muss nun bald zum Abschluss kommen“, drängt die Ministerin, denn „die Nachfrage nach grünem Wasserstoff wird viel größer sein als vielfach angenommen“.

Das Ziel sei, Wasserstoff problemlos verfügbar und für jeden bezahlbar zu machen, damit er sich als Energieträger etablieren kann. Für geeignet hält die Bundesregierung die Bereiche Industrie und Verkehr, dort wo rein Batterie-elektrische Antriebe nicht eingesetzt werden können. „Insbesondere in der Luftfahrt, im Schwerlastverkehr und in der Seefahrt sind viele Routen und Anwendungen nicht direktelektrisch darstellbar“, heißt es in dem Entwurf.

Für die Bundesregierung komme dabei ausschließlich der Einsatz von CO2-freiem Wasserstoffs infrage, der auf Basis von erneuerbaren Energien hergestellt wird. Da dies nicht unmittelbar umgesetzt werden kann, hat die Regierung ein Zwischenziel formuliert: Bis 2030 sollen 20 Prozent des in Deutschland verbrauchten Wasserstoffes aus nachhaltigen Quellen wie Wind- und Solarkraft stammen.

Um Anwendungen im Bereich Wasserstoff zu fördern, sollen bis 2026 insgesamt 1,4 Milliarden Euro an Fördergeldern zur Verfügung stehen. Für Reallabore der Energiewende, die den Technologie- und Innovationstransfer von der Forschung in die Anwendung beschleunigen, sollen interessierte Unternehmen und Initiativen bis zu 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2025 erhalten. Bereits von 2006 bis 2016 waren gut 700 Millionen Euro in Entwicklungen in den Bereichen Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie geflossen.

Dem Entwurf sei zu entnehmen, dass die Bundesregierung auch den Kauf von Wasserstoffautos und -fahrzeugen massiv fördern will: 2,1 Milliarden Euro sollen für den Erwerb von Wasserstoffautos, 0,9 Milliarden Euro für den Kauf entsprechender Nutzfahrzeuge und 0,6 Milliarden Euro für Busse mit alternativen Antrieben bereitgestellt werden.

Die Bundesregierung sei sich darüber im Klaren, dass die für die Energiewende benötigte Menge an CO2-freiem Wasserstoff nicht allein in Deutschland produziert werden kann. Deshalb definieren die Autoren des Papiers Handlungsbedarf auch auf europäischer und internationaler Ebene.

Gemäß dem Motto „Shipping the sunshine“ könnte Wasserstoff in Regionen mit viel Wind, Sonne und Wasser produziert und von dort aus exportiert werden, um den Energiebedarf der Welt zu decken, beispielsweise in Nordafrika. Der Plan sieht vor, neue strategische Wasserstoff-Partnerschaften in Europa und der Welt aufzubauen. Mit einem „Potenzialatlas Grüner Wasserstoff“ etwa will das Forschungsministerium gemeinsam mit afrikanischen Partnern die Chancen von grünem Wasserstoff für eine nachhaltige Entwicklung des afrikanischen Kontinents analysieren. Damit sollen auch neue Exportchancen und Absatzmärkte für innovative Technologieunternehmen aus Deutschland geschaffen werden.

Quelle: Handelsblatt — „Nationale Wasserstoffstrategie“: 31 Maßnahmen, die Deutschland zum Vorreiter machen sollen // Spiegel — Altmaier will „globale Vorreiterrolle“ bei CO2-freiem Wasserstoff // BMBF — Nationale Wasserstoffstrategie

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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