E-Auto-Prämie: Opel rechnet mit neuem Privatkunden-Schub

E-Auto-Prämie: Opel rechnet mit neuem Privatkunden-Schub
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Im Interview mit dem Fachblatt Edison spricht Florian Huettl, CEO von Opel, über die aktuelle Marktlage, die Wirkung der neuen staatlichen Verkaufsprämie für Elektroautos und die Rolle, die die Rüsselsheimer dabei einnehmen wollen. Dabei wird schnell deutlich, dass Huettl die Förderung nicht als kurzfristigen Impuls versteht, sondern als möglichen Wendepunkt für den deutschen Privatkundenmarkt.

Diese Erwartung spiegelt sich auch in seinen Eindrücken aus dem Werk Eisenach wider, das er am Morgen des Gesprächs besucht hatte. Dort habe er die Belegschaft auf steigende Produktionszahlen vorbereitet – verbunden mit der klaren Botschaft, die Kosten weiter konsequent zu senken. Anlass für den vorsichtigen Optimismus ist vor allem der Grandland. Seitdem alle Antriebsvarianten verfügbar sind und das Modell im Markt „eine gewisse Flughöhe erreicht hat“, liege es im zweiten Halbjahr in Deutschland deutlich in den Top Ten. „Das war lange nicht mehr der Fall“, so der CEO der Marke.

Vor diesem Hintergrund rechnet Opel damit, dass die neue E-Auto-Prämie auch die Produktionsstandorte Eisenach und Rüsselsheim beleben wird. Entscheidend sei dabei die technische und organisatorische Flexibilität der Werke. Dank der Multi-Energy-Strategie könne der Antriebsmix kurzfristig angepasst werden. „Wenn die Nachfrage nach Elektroautos anzieht, ist das Werk in der Lage, den Mix entsprechend zu verändern“, erklärt er und verweist damit auf einen zentralen strategischen Hebel des Unternehmens.

Fokus auf Privatkunden statt reiner Flottennachfrage

Diese Flexibilität gewinnt insbesondere mit Blick auf die Kundenstruktur an Bedeutung. Bislang wird der deutsche Markt für Elektroautos vor allem von Firmenkunden getragen. Genau hier sieht Huettl das größte Potenzial der neuen Förderung. Als Referenz nennt er Frankreich, wo das Social-Leasing-Programm innerhalb von zwei Monaten rund 40.000 neue Kund:innen in den Markt gebracht habe. Der Effekt sei deutlich messbar gewesen: ein Wachstum von 10 bis 15 Prozent im Privatkundensegment. „Deshalb war ich auch immer ein Fürsprecher einer derartigen Förderung in Deutschland“, so Huettl.

Er geht davon aus, dass sich eine ähnliche Dynamik auch hierzulande entfalten kann. In den vergangenen Jahren hätten viele Verbraucher ihre Autos länger genutzt, etwa durch Vertragsverlängerungen am Ende von Finanzierungen. Gleichzeitig altere der Fahrzeugbestand insgesamt. Die Prämie könne nun eine bislang aufgeschobene Nachfrage aktivieren. Zusätzlich erwartet der Opel-CEO sogenannte Sekundäreffekte: Wenn Elektroautos im Alltag sichtbarer werden, steige auch die Bereitschaft anderer, sich mit einem Kauf zu beschäftigen.

Entsprechend weist er die Sorge zurück, es könne sich lediglich um ein kurzfristiges Strohfeuer handeln. Die Erfahrungen aus Frankreich zeigten, dass der Elektroanteil auch nach dem Auslaufen der Förderung auf einem hohen Niveau geblieben sei. Für Opel gehe es daher nicht um einige zusätzliche Monate mit höheren Verkaufszahlen, sondern um einen nachhaltigen Wachstumspfad für den deutschen Markt.

Gleichzeitig macht er deutlich, dass die aktuelle Ausgestaltung der Prämie aus seiner Sicht nicht perfekt ist. Dass junge Gebrauchtwagen bislang nicht einbezogen werden, hält er für problematisch. Eine reine Neuwagenförderung setze die Restwerte unter Druck. „Ich befürworte durchaus, die Prämie auf junge Gebrauchte auszuweiten“, sagt er und zeigt sich zuversichtlich, dass es hier noch zu Anpassungen kommen wird.

Neben dem Förderumfang ist für Huettl auch die praktische Umsetzung entscheidend. Die Beantragung dürfe keine zusätzliche Hürde darstellen, etwa durch komplexe Einkommensnachweise. Ziel müsse es sein, den Prozess so einfach wie möglich zu gestalten. Opel arbeite deshalb eng mit dem Händlernetz zusammen, um Kund:innen umfassend zu unterstützen und ihnen „so viel Arbeit wie möglich abzunehmen“.

„Elektromobilität für alle – made in Germany“

Dass die Förderung bereits jetzt Wirkung zeigt, sieht Huettl in den ersten Marktsignalen. Opel habe die Prämie frühzeitig in seine Angebote integriert, was zu deutlich mehr Website-Traffic und spürbarer Nachfrage im Handel geführt habe. Aktionen wie das „Opel-Angrillen“ seien sehr gut besucht gewesen. Konkret nennt er Leasingraten von 220 Euro für den Astra aus Rüsselsheim und 249 Euro für den Grandland – jeweils unter Einrechnung der Prämie. Für ihn ist das ein entscheidender Punkt: „Das ist dann schon Elektromobilität für alle – made in Germany.“

Parallel dazu ordnet er die Entwicklung der Opel-Flotte im Hinblick auf die europäischen CO₂-Ziele ein. Zwar werden die Emissionswerte konzernweit bei Stellantis ausgewiesen, dennoch verweist Huettl auf die Dynamik bei Opel selbst. Der Elektroanteil lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei 14 Prozent, stieg im vierten Quartal auf 17 Prozent und erreichte im Dezember 19 Prozent. Bei den Bestellungen liege der Anteil bereits deutlich über 20 Prozent.

Einen wichtigen Beitrag dazu hätten gezielte Maßnahmen im Vertrieb geleistet, insbesondere sogenannte Buyback-Modelle. Damit habe der Hersteller dem Handel das Restwertrisiko bei Elektroautos abgenommen – ein entscheidender Faktor, vor allem für kleinere Händler. „Das hat viel in Bewegung gesetzt“, sagt Huettl. Bei neuen Modellen wie Frontera und Grandland liege der Elektromix inzwischen bei über 30 Prozent.

Abschließend geht Huettl auf die Frage ein, ob die Prämie ohne Local-Content-Regel vor allem Importmarken begünstige, insbesondere aus China. Nachhaltiger Markterfolg im Privatkundengeschäft setze aus seiner Sicht eine belastbare Infrastruktur voraus – vom Händlernetz über Service und Teileverfügbarkeit bis hin zu Finanzierungspartnern. Diese Voraussetzungen sieht er bei Konzernmutter Stellantis gegeben. Denkbar seien künftig ergänzende Instrumente wie Super-Credits für in Europa gebaute Fahrzeuge, während eine direkte Kopplung der Prämie an lokale Wertschöpfung sehr komplex gewesen wäre.

Auch die chinesische Marke Leapmotor, die Stellantis in Europa vertreibt, ordnet Huettl in diesen Kontext ein. Die Fahrzeuge sprächen eine eigene Kundengruppe an, für die das Händlernetz passende Angebote machen könne. Leapmotor wachse aktuell stark bei alternativen Antrieben, während Opel 2025 den größten Zuwachs unter den deutschen Marken verzeichnet habe. Insgesamt sieht Huettl den Markt klar in Bewegung – und Opel gut positioniert, um von diesem Momentum zu profitieren.

Quelle: Edison – E-Prämie: „Bei den Händlern klingeln die Telefone heiß“

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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