Florian Huettl hat sich deutlich zum Opel-Werk in Eisenach positioniert und damit ein Signal für den Standort gesetzt. In dem thüringischen Werk, in dem der Grandland vom Band läuft, hat das Unternehmen nach eigenen Angaben zuletzt 130 Millionen Euro investiert. Ein zentraler Baustein dieser Investitionen ist ein sogenannter Battery Shop, in dem Batteriekomponenten montiert werden. Produktionsflächen, die früher für Logistik oder Vormontage genutzt wurden, seien dafür grundlegend umgebaut worden. „Dort, wo früher Logistikflächen oder Vormontageeinheiten waren, steht heute ein Batterieshop“, so Huettl gegenüber der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung. Die Umstellung beschrieb er als „äußerst umfassend“.
Die Frage nach der langfristigen Perspektive beantwortete der Opel-Chef ohne Einschränkung. Ob in Eisenach in zwanzig Jahren noch Autos gebaut würden, kommentierte er mit „Absolut“. Zugleich verband er diese Zusage mit einem Appell: „Wir schaffen das. Aber wir werden es gemeinsam tun müssen. Als Gesellschaft, als Land.“ Das Qualitätsversprechen „Made in Germany“ sei weiterhin ein starkes Argument im internationalen Wettbewerb.
Opel-CEO über persönliche Überzeugung und angepasste Elektrostrategie
Huettl betonte im Gespräch auch seine persönliche Haltung zur Elektromobilität. Auf die Frage nach seinem eigenen Auto antwortete er knapp: „Seit Jahren nur elektrisch.“ Seine Begründung fällt wirtschaftlich aus: „Den Preis pro Kilometer, den Sie bei einem Elektroauto haben, erreichen Sie an der Zapfsäule nicht.“ Damit verweist er auf die laufenden Kosten, die aus seiner Sicht für batterieelektrische Modelle sprechen.
Strategisch hat Opel seine Planungen zuletzt angepasst. Ursprünglich war angekündigt worden, ab 2028 ausschließlich Elektroautos zu produzieren. Diese Zielmarke wurde inzwischen relativiert. Huettl verteidigte die Korrektur als pragmatischen Schritt. „Es war wichtig, hier zu korrigieren und anzupassen. Es war aber eine überschaubare Anpassung, die unseren grundsätzlichen Weg nicht verändert.“ Die Ausrichtung bleibe klar, da man Elektromobilität „für die nachhaltigere und bessere Form der Mobilität“ halte.
Zur Rolle synthetischer Kraftstoffe äußerte sich der Manager zurückhaltend. Zwar seien die Modelle des Herstellers technisch so ausgelegt, dass sie mit E-Fuels betrieben werden könnten. „Aktuell sehe ich aber wenig Möglichkeiten für E-Fuels im Neuwagengeschäft. Dafür fehlen noch Infrastruktur, Kapazitäten und verbindliche Normen.“ Der Entwicklungspfad führe aus seiner Sicht „ganz klar in Richtung Elektromobilität“.
Vier zentrale Bedingungen für breiten Marktdurchbruch
Damit sich diese Antriebsform in Deutschland breiter durchsetze, nennt Huettl vier Voraussetzungen. Notwendig seien attraktive und bezahlbare Angebote, wettbewerbsfähige Strompreise, ein flächendeckendes Netz an Ladepunkten sowie ein klares politisches Bekenntnis. Als Beispiel führte er den Corsa Electric an, der zu einem Preis von rund 25.000 Euro angeboten werden solle und auf einer speziell für Elektroautos ausgelegten Plattform stehe.
Im Zusammenhang mit der Ladeinfrastruktur kritisierte er vor allem bürokratische Hürden. Es brauche „gesetzliche Regelungen, damit man beispielsweise in der Tiefgarage eines Mehrfamilienhauses ohne großen bürokratischen Aufwand eine Ladesäule installieren kann – ohne zwei Jahre Wartezeit und zahlreiche Eigentümerversammlungen“. Länder, in denen solche Prozesse einfacher organisiert seien, etwa in Skandinavien, erlebten nach seiner Darstellung mehr Dynamik beim Umstieg auf elektrische Antriebe.
Den Eindruck, Verbraucher würden zum Abschied vom Verbrenner gedrängt, wies Huettl zurück. „Das hört sich nach Zwang an – und wir zwingen niemanden.“ Vielmehr setze das Unternehmen auf Unterstützung beim Wechsel, etwa durch Angebote und Servicepakete. Erfahrungen zeigten, dass viele Kund:innen nach dem Umstieg bei dieser Antriebsart blieben.
Technologischer Rückstand gegenüber China bleibt Thema
Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb räumte der Opel-Chef ein, dass europäische Hersteller bei Batterietechnik, Antrieben und elektronischen Architekturen hinter chinesischen Unternehmen zurückliegen. In China habe man früher und umfassender begonnen, häufig mit neuen Strukturen und ohne bestehende Verbrennerproduktionen umbauen zu müssen. Gleichwohl zeigte sich Huettl überzeugt: „Dieser Rückstand ist aufholbar.“
Abschließend verwies er auf die industriellen Stärken Deutschlands. „Wir haben sehr gute Ingenieure, hoch qualifizierte Fachkräfte und ein Ausbildungssystem, das über Jahrzehnte gewachsen ist.“ Das duale System und die Mitbestimmung trügen zu stabilen wirtschaftlichen Strukturen bei und stärkten die Widerstandsfähigkeit. Eisenach stehe dabei in einer langen Tradition und sei ebenso eine „stolze Automobilstadt“ wie Rüsselsheim. Unterschiede zwischen den Standorten sehe er nicht. Entscheidend sei der gemeinsame Anspruch, Autos in hoher Qualität zu bauen.
Quelle: Berliner Zeitung – Elektro-Strategie trotz Kurskorrektur: Warum Opel weiter voll auf E-Autos setzt








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