Elektroautos verursachen nach Unfällen im Durchschnitt höhere Reparaturkosten als vergleichbare Verbrenner. Schnell wird die vergleichsweise teure Antriebsbatterie dafür als Ursache genannt. Doch eine aktuelle Einordnung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) zeigt: Für einen großen Teil des Kostenunterschieds sind weder Akku noch Elektromotor verantwortlich. Entscheidender sind das Alter der Fahrzeuge, die Wahl der Werkstatt und teilweise noch immer unnötig aufwendige Abläufe nach einem Unfall.
Carsten Reinkemeyer, Leiter Fahrzeugtechnik und Sicherheitsforschung beim AZT, verweist gegenüber dem Portal Firmenauto vor allem auf die unterschiedliche Altersstruktur. Elektroautos auf Deutschlands Straßen sind im Durchschnitt deutlich jünger als Verbrenner. Jüngere Fahrzeuge werden bei einem Kaskoschaden häufiger repariert, haben höhere Wiederbeschaffungswerte und landen wesentlich öfter in Vertragswerkstätten.
Gerade der letzte Punkt kann erheblich ins Geld gehen. Nach Untersuchungen des AZT verlangen Markenwerkstätten knapp 50 Prozent höhere Stundensätze als freie Betriebe. Während ältere Verbrenner häufig in markenungebundenen Werkstätten repariert werden, trifft das auf die noch junge Elektroauto-Flotte wesentlich seltener zu. Beim inzwischen älteren VW e-Golf habe sich dieser Unterschied dagegen weitgehend aufgelöst.
Ersatzteile nicht grundsätzlich teurer
Auch die oftmals vermuteten höheren Ersatzteilpreise lassen sich laut AZT nicht pauschal bestätigen. Vergleicht man Fahrzeuge desselben Herstellers und Segments, kostet etwa ein Stoßfänger beim Elektroauto grundsätzlich nicht mehr als beim entsprechenden Verbrenner. Auch zusätzliche Arbeiten am Hochvoltsystem spielen offenbar nur eine begrenzte Rolle. Kosten für das Freischalten der Hochvoltanlage fallen nur bei einem kleinen Teil der Reparaturen überhaupt an.
Eine frühere AZT-Auswertung zeigte dennoch im Durchschnitt etwa 18 Prozent höhere Vollkasko-Kollisionsschäden bei Elektroautos. Allerdings waren auch dort die verglichenen Elektroautos deutlich jünger. Zudem verfügten sie häufiger über Radar- und Kamerasensoren – Technik, die moderne Fahrzeuge unabhängig vom Antrieb bei einem Unfall teurer machen kann.
Dass die Batterie durchaus zum Kostentreiber werden kann, bestreitet das AZT allerdings nicht. Besonders kritisch sind Unterbodenschäden. Je nach Konstruktion und Reparaturkonzept des Herstellers können Schäden am Akku weniger als 1000 Euro oder bis zu 29.000 Euro kosten. Entscheidend ist unter anderem, ob lediglich eine Schutzplatte oder einzelne Komponenten ersetzt werden können – oder der Hersteller den Austausch des kompletten Batteriepakets vorsieht.
Wie selten solche Fälle bislang sind, zeigt eine AZT-Stichprobe von 400 Elektroauto-Kollisionsschäden: Nur bei zwei Prozent der Fälle war die Batterie überhaupt betroffen. Wegen der hohen Kosten entfielen auf sie allerdings rund sieben Prozent der gesamten Schadensumme.
Angst vor dem Akku kann Reparaturen verteuern
Hinzu kommen Kosten, die weniger durch einen tatsächlichen Batterieschaden als durch den Umgang mit dem vermeintlichen Risiko entstehen. Verunfallte Elektroautos werden teilweise länger als notwendig auf gesicherten Stellplätzen abgestellt oder besonders aufwendig abgeschleppt. Laut Reinkemeyer werden Quarantänezeiten teils „maßlos überzogen“. Volkswagen und BMW hätten ihre Vorgaben inzwischen beispielsweise auf zunächst 24 Stunden bei Überwachung der Batterietemperatur reduziert.
Ende 2025 hatten deshalb mehr als 20 Organisationen, darunter GDV, VDA und ADAC, gemeinsame Empfehlungen für das Bergen und Abschleppen von Elektroautos veröffentlicht. Grundsätzlich sollen verunfallte E-Autos demnach nicht anders behandelt werden als Verbrenner. Eine besondere Gefährdung soll erst angenommen werden, wenn Hinweise auf eine entsprechend starke Beschädigung der Batterie vorliegen.
Unterm Strich lässt sich der Mehrpreis bei Unfallreparaturen somit nur bedingt dem Elektroantrieb selbst zuschreiben. Die Batterie kann im seltenen Ernstfall zwar einen sehr hohen Schaden verursachen. Häufiger treiben aber das geringe Durchschnittsalter der Elektroautos, teurere Vertragswerkstätten, moderne Fahrzeugtechnik sowie noch nicht optimal eingespielte Abläufe die Rechnungen nach oben. Mit einer alternden Elektroauto-Flotte, mehr qualifizierten freien Werkstätten sowie reparaturfreundlicher konstruierten Batterien dürfte sich zumindest ein Teil dieses Unterschieds künftig verringern.
Quelle: firmenauto – Warum Batterieschäden bis zu 29.000 Euro kosten









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