Millionen Haushalte betroffen: T&E warnt vor Lade-Lücke in Mehrfamilienhäusern

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Michael Neißendorfer
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Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag von T&E Deutschland zeigt: Mit gezielten Förderinstrumenten könnte der Ausbau von Ladeinfrastruktur bei Mehrfamilienhäusern im Bestand massiv beschleunigt werden – sozial gerecht und mit überschaubaren Kosten für den Staat. Ohne diese Förderungen drohen auch nach 2030 rund 5,6 Millionen Stellplätze in Mehrfamilienhäusern ohne Vorbereitung für Ladeinfrastruktur zu verbleiben, so T&E in einer aktuellen Mitteilung.

Die Bundesregierung muss derzeit die EU-Gebäuderichtlinie EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) in deutsches Recht umsetzen. Nach aktuellen Indikationen plant sie, die Richtlinie bei Wohngebäuden eins zu eins zu übernehmen. Damit beschränkt sie sich auf das europäische Minimum, das in Deutschland zu einer Lade-Lücke bei Mehrfamilienhäusern im Bestand führen würde, warnt T&E.

Für Bestandswohngebäude sieht die EPBD nämlich keine verbindlichen Vorgaben vor, außer es findet eine größere Renovierung statt. Da die Sanierungsrate bei Wohngebäuden bei lediglich rund einem Prozent pro Jahr liegt, werde der überwiegende Teil der Stellplätze im Bestand weder vor 2030 noch danach mit Ladeinfrastruktur ausgestattet. Auch langfristig gebe es für diese Gebäude keine rechtliche Verpflichtung, Ladeinfrastruktur vorzubereiten.

„Damit zementiert die Bundesregierung eine strukturelle Schieflage der Elektromobilität. Wer im Einfamilienhaus wohnt, kann bequem und günstig laden. Millionen Mieterinnen und Mieter in Mehrfamilienhäusern werden dagegen allein gelassen – und das dauerhaft“, sagt Susanne Goetz, Referentin für E-Mobilität bei T&E Deutschland. „Wenn die Bundesregierung der E-Mobilität wirklich zum Hochlauf verhelfen und so der deutschen Autoindustrie unter die Arme greifen möchte, dann darf die EU-Gebäuderichtlinie nicht die Messlatte sein, weil sie einen Richtwert für den europäischen Durchschnitt setzt. Deutschland muss ambitionierter sein und seinem Anspruch, Spitzenreiter zu sein, gerecht werden.“

Die Fraunhofer-Studie analysiert Förderungen, anhand derer die Lade-Lücke verkleinert werden könnte. Sie zeigt, dass mit einem Förderbudget von 500 Millionen Euro – je nach Ausgestaltung – zwischen rund 300.000 und bis zu drei Millionen Stellplätze für das spätere Laden von E-Autos vorbereitet werden könnten.

Besonders wirkungsvoll seien dabei zinsgünstige oder zinsfreie Förderkredite mit Tilgungszuschuss. Diese Instrumente ermöglichen demnach große Hebelwirkungen: Ein vergleichsweise geringer staatlicher Mitteleinsatz mobilisiere mehrere Milliarden Euro an privaten Investitionen. Direkte Investitionszuschüsse hingegen wären zwar einfach umzusetzen und besonders für Wohnungseigentümergemeinschaften attraktiv, würden jedoch deutlich weniger Stellplätze erreichen und wären pro Ladepunkt teurer für den Staat.

Zudem können laut der Studie Förderprogramme für Mehrfamilienhäuser einen wichtigen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit leisten. Gleichzeitig warnen die Autor:innen vor Mitnahmeeffekten bei pauschalen Förderungen und empfehlen, Förderinstrumente gezielt auszugestalten und gegebenenfalls soziale Kriterien zu berücksichtigen.

„Wer keine Lademöglichkeit zu Hause hat, ist beim Umstieg auf das E-Auto benachteiligt“

„Wer keine Lademöglichkeit zu Hause hat, ist beim Umstieg auf das E-Auto benachteiligt. Das betrifft vor allem Menschen in Mehrfamilienhäusern – also häufig Haushalte mit mittleren und niedrigeren Einkommen“, sagt Susanne Goetz. „Ein sozial gerechter Hochlauf der Elektromobilität gelingt nur, wenn Mieterinnen und Mieter endlich gleichberechtigten Zugang zu Ladeinfrastruktur bekommen.“

T&E fordert von der Bundesregierung, neben einem Förderprogramm für Mehrfamilienhäuser verbindliche Ausbauziele für das Laden in Bestandswohngebäuden im GEIG zu verankern. Bis 2030 sollten 30 Prozent der Stellplätze für Ladeinfrastruktur vorbereitet werden. Das umfasst die Grundinstallation wie Netzanschlüsse und Verteilerschränke sowie die Vorverkabelung der Stellplätze. So ist das Nachrüsten mit einer Wallbox für E-Autofahrende später einfacher. Bis 2035 sollten Ausbauziele analog zu den Flottengrenzwerten gelten.

Die EPBD-Novelle muss bis spätestens Mai in nationales Recht umgesetzt werden. Zahlen des Kfw-Energiewendebarometers verdeutlichen, dass das Laden an Mehrfamilienhäusern schneller ausgebaut werden muss: 2020 wurden E-Autos bereits doppelt so häufig von Menschen in Ein- oder Zweifamilienhäusern genutzt wie in Mehrfamilienhäusern. Dieser Trend stieg zuletzt auf zweieinhalb mal so oft. Er verlangsamt nicht nur den Hochlauf der E-Mobilität, sondern macht es auch den deutschen Herstellern sehr schwer, dieses Kundensegment zu erschließen.

Quelle: T&E – Pressemitteilung vom 26.01.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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