Kein Auspuff, keine Emissionen vor Ort? Ganz so einfach ist es auch beim Elektroauto nicht. Reifen, Bremsen und Fahrbahn erzeugen während der Fahrt Feinstaub – und genau diesen will ein studentisches Team der Technischen Universität Eindhoven künftig möglichst gleich wieder einsammeln. Mit dem Konzeptfahrzeug Ventra haben die Studierenden von TU/ecomotive ein Elektroauto entwickelt, das einen Teil der entstehenden Partikel während der Fahrt auffangen soll.
„Keine Abgasemissionen bedeutet nicht zwangsläufig keine Emissionen“, erklärt Teammanager Tim Spencer in einer Mitteilung der TU Eindhoven laut Pressemitteilung. Gerade das höhere Gewicht vieler Elektroautos sowie hohe Beschleunigungskräfte könnten den Reifenverschleiß beeinflussen. Ventra soll deshalb nicht nur bereits entstandene Partikel auffangen, sondern von vornherein möglichst wenig davon produzieren.
Das auffälligste Element ist dabei das System zur Feinstaubabscheidung rund um die Räder. Statt die belastete Luft durch einen klassischen Filter zu leiten, werden die Partikel elektrisch geladen. Anschließend sollen sie von einer geerdeten Sammelfläche angezogen werden und dort haften bleiben. Die Vorrichtung kann später mit einem Staubsauger oder Wasser gereinigt werden. Das aufgefangene Material soll sich anschließend sogar wiederverwenden lassen – beim Demonstrationsfahrzeug nutzt das Team einen Teil davon im Innenraum.
Geringeres Gewicht, geringerer Emissionen
Wie viel Feinstaub damit tatsächlich aus der Umgebung der Räder verschwinden könnte, wurde bislang allerdings vor allem simuliert. Bei Geschwindigkeiten zwischen 50 und 80 km/h sollen demnach rund 24 Prozent der Partikel in den Sammelbehälter geleitet werden können. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten steigt der theoretische Anteil auf bis zu 42 Prozent. Ob sich diese Werte auch unter wechselnden Bedingungen im realen Straßenverkehr erreichen lassen, muss das Konzept erst noch zeigen.
Noch besser als Feinstaub einzusammeln wäre es allerdings, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. Deshalb haben die Studierenden auch beim Fahrzeuggewicht angesetzt. Das Chassis besteht zu großen Teilen aus leichten, kohlenstofffaserverstärkten thermoplastischen Platten. Dadurch soll Ventra fast 100 Kilogramm leichter sein. Weniger Fahrzeuggewicht bedeutet eine geringere Belastung der Reifen und kann damit auch deren Abrieb reduzieren.
Hinweise zu emissionsärmerem Fahren
Zusätzlich versucht das sogenannte Clean-Drive-System, den Menschen hinter dem Steuer einzubeziehen. Es analysiert die Fahrweise und gibt auf einem Bildschirm Hinweise für möglichst gleichmäßiges und materialschonendes Fahren. Weniger starkes Beschleunigen, sanfteres Bremsen und unnötige Lenkbewegungen sollen Reifen und Bremsen schonen – und damit ebenfalls die Partikelbildung verringern.
Das Thema dürfte für die Automobilindustrie ohnehin wichtiger werden. Mit Euro 7 geraten erstmals auch Emissionen durch Bremsen und Reifen stärker in den regulatorischen Fokus. Die besonders kleinen Partikel sind gesundheitlich problematisch, weil sie tief in die Lunge gelangen und abhängig von Größe und Zusammensetzung teilweise sogar in den Blutkreislauf eindringen können.
Ventra ist damit noch keine fertige technische Lösung für das Feinstaubproblem des Straßenverkehrs. Das Projekt zeigt aber, dass sich die Diskussion um lokale Emissionen bei Elektroautos nicht am fehlenden Auspuff beenden lässt. Genau das wollen die Studierenden erreichen. „Mit Ventra wollen wir zeigen, welche Lösungen möglich sind und die Automobilindustrie dazu ermutigen, bei Emissionen über den Auspuff hinauszuschauen“, sagt Spencer.
Quelle: TU Eindhoven – Pressemitteilung vom 29. September 2026









Wird geladen...