Die Auswahl an bezahlbaren Elektroautos wächst in Europa derzeit schneller als je zuvor. Laut einem aktuellen Bericht der Umwelt- und Verkehrsorganisation Transport & Environment (T&E) dürften sich die Verkäufe von E-Modellen mit einem Einstiegspreis von unter 25.000 Euro im laufenden Jahr gegenüber 2024 versiebenfachen. Das geht aus den Zahlen hervor, die T&E für seinen jüngsten „EV Progress Report“ zusammengestellt hat.
Zugleich warnt die Organisation, dass eine Abschwächung der Emissionsziele für 2030 und 2035 den Hochlauf erschwinglicher Elektrofahrzeuge ausbremsen könnte. Sie könnte zudem die Fähigkeit europäischer Hersteller negativ beeinflussen, sich im globalen E-Automarkt zu behaupten.
Wachsende Auswahl: T&E rechnet mit 60 neue E-Modellen bis Jahresende
Laut T&E kamen allein im ersten Halbjahr 2026 rund 40 neue Elektromodelle in Europa auf den Markt. Damit stehen auf dem Massenmarkt für E-Autos inzwischen mehr als 150 Modelle zur Auswahl. Bis Jahresende rechnet T&E mit insgesamt 60 Neuvorstellungen – das wären rund viermal so viele wie im Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025. In diesem Zeitraum kamen etwa 15 neue Modelle pro Jahr auf den Markt.
Dabei habe sich die Modellauswahl im Preissegment unter 25.000 Euro verdoppelt, heißt es in dem Bericht weiter. Die von T&E erwartete Versiebenfachung der Verkäufe in diesem Segment wird indes auch durch einen niedrigen Ausgangswert ermöglicht: 2024 gab es in dem Segment noch ein verschwindend kleines Angebot.

Beispiele für die hohe Nachfrage liefert der Volkswagen-Konzern: Der neue VW ID. Polo war schon vor seinem Marktstart auf Monate hinaus vergriffen, die Wartezeit lag zuletzt bei mindestens zehn Monaten. Die MEB-Geschwister Škoda Epiq und Cupra Raval, obgleich beide erst ab knapp über 25.000 Euro erhältlich, sind aktuell ebenfalls nur mit langer Wartezeit zu haben.
„Europäische Autofahrer sehen endlich mehr von den kleineren und erschwinglicheren Elektroautos, auf die sie gewartet haben“, so Lucien Mathieu, Direktor für Pkw bei T&E. Die Hersteller hätten lange über mangelnde Nachfrage geklagt. „Die europäischen Autohersteller haben sich lange über mangelnde Nachfrage beklagt. Jetzt wird deutlich: Das Problem lag nicht in der Nachfrage, sondern im Angebot.“
Ölkrise und CO2-Grenzwerte als Treiber der Entwicklung
T&E nennt die Ölkrise als weiteren Faktor für die steigende Nachfrage. Die steigenden Preise infolge des Irankriegs hätten Autofahrer in der EU bislang rund 53 Milliarden Euro gekostet, rechnet die Organisation vor. Eine 50-Liter-Tankfüllung Diesel sei Mitte September rund 30 Euro teurer gewesen als vor Ausbruch des Krieges. Wer zu Beginn der Krise auf ein E-Auto umstieg, konnte bis Mitte September rund 350 Euro an Betriebskosten einsparen, heißt es in der Mitteilung weiter.
T&E warnt davor, die CO2-Einsparungsziele der EU für 2030 und 2035 abzuschwächen. Eine Aufweichung der bestehenden Ziele könne den Hochlauf günstiger E-Modelle „um nahezu drei Viertel“ bremsen – konkrete Zahlen nennt T&E in der Mitteilung jedoch nicht. Die Organisation rechnet damit, dass alle europäischen Hersteller die CO2-Flottenziele für den Zeitraum 2025 bis 2027 einhalten. Laut T&E ist die aktuelle Entwicklung direkt auf die Effekte der Regulierung zurückzuführen: In der Phase gleichbleibender Flottenzielwerte zwischen 2021 und 2024 hätten die Hersteller kaum Anreize gehabt, bezahlbare Elektromodelle auf den Markt zu bringen.
Quelle: Transport & Environment – Pressemitteilung vom 05.10.2026








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