Ich habe für diese Ausgabe unseres Podcasts mit Stefan Häfner gesprochen, Head of Sales bei Citywatt. Ein Unternehmen, das sich seit fast zwei Jahrzehnten mit E-Mobilität und Energiekonzepten beschäftigt – lange bevor Elektromobilität zum politischen und wirtschaftlichen Mainstream-Thema wurde. Stefan bringt dabei nicht nur den Vertriebshintergrund mit, sondern vor allem den Blick aus der Praxis: Wie Unternehmen heute Energie denken müssen, wenn Flotten elektrifiziert werden sollen.
Im Kern drehte sich unser Gespräch um Flottenladen als strategisches Thema. Nicht isoliert betrachtet, sondern immer eingebettet in das gesamte Energiesystem eines Unternehmens. Citywatt kommt ursprünglich aus der E-Mobilität, hat aber früh erkannt, dass Ladeinfrastruktur allein nicht ausreicht. Heute gehören PV-Anlagen, Speicher, Transformatoren, Lastmanagement und Wirtschaftlichkeitsberechnungen genauso dazu. Energie wird damit vom reinen Kostenfaktor zum echten Wettbewerbsvorteil. Gerade für Speditionen und größere Flotten, bei denen Stromkosten künftig einen deutlich größeren Hebel haben als früher Dieselpreise. „Wenn wir über Strom reden, dann reden wir locker über 20, 30 oder 50 Prozent Unterschied – je nachdem, wie er erzeugt wird“, so Stefan.
Ein zentrales Thema waren Lastspitzen und Netzanschlüsse. Viele Unternehmen kommen erst dann mit diesen Fragen in Berührung, wenn Schnelllader oder Elektro-Lkw geplant sind. Dann wird es schnell teuer, etwa durch die Baukosten oder zusätzliche Leistungskosten am Netzanschluss. Citywatt setzt deshalb früh an: messen, analysieren, mit Netzbetreibern sprechen, Versicherungen einbinden und erst dann konkrete Konzepte entwickeln. Wichtig dabei: Am Ende muss sich alles rechnen. „Ein Konzept funktioniert nur, wenn es wirtschaftlich betrieben werden kann“, bringt es Stefan auf den Punkt.
Besonders greifbar wurde das an einem konkreten Projekt aus Mittelfranken. Ein Unternehmer mit großer PV-Anlage hatte regelmäßig Überschüsse, die im Sommer sogar abgeregelt wurden. Gemeinsam mit Citywatt entstand daraus ein öffentlich zugänglicher Ladepark für E-Lkw – inklusive Speicher, ohne Netzausbau. Zwei Ladepunkte, Reservierungssystem, Kooperationen mit Logistikpartnern. Ergebnis: Bereits bei zwei ladenden Lkw pro Tag amortisiert sich die Anlage in nur etwa 3,2 Jahren. Danach erwirtschaftet sie Erträge – modular erweiterbar für die Zukunft. „Die Anlage geht ja nach drei Jahren nicht kaputt, sondern läuft zehn Jahre und länger“, so Stefan.
Auch das Geschäftsmodell dahinter wurde offen diskutiert. Citywatt arbeitet herstelleroffen, empfiehlt aber Hardware auf Basis von Serviceerfahrung, Zuverlässigkeit und Datenintegration. Die Planung wird bewusst vergütet, um Klarheit und Verbindlichkeit zu schaffen. In der Umsetzung übernimmt Citywatt dann Projektleitung bis zur schlüsselfertigen Übergabe – inklusive Backend-Lösungen für Abrechnung, Monitoring und Flottenmanagement. Besonders relevant für Unternehmen mit Mitarbeitenden, die zu Hause laden. Abrechnung, Transparenz und Trennung von privaten und geschäftlichen Ladevorgängen werden so sauber gelöst.
Natürlich haben wir auch über den politischen Rahmen gesprochen. Verbrenner-Aus, Netzentgelte, Unsicherheit im Markt. Stefans Eindruck: Trotz lauter Debatten zweifeln nur noch wenige Unternehmen grundsätzlich an der Elektromobilität. Die Frage ist eher das Tempo und die konkrete Umsetzung. „Energie ist ein Zukunftssektor – und E-Mobility gehört einfach dazu“, sagt er. Gerade bei Außendienstflotten rechnet sich der Umstieg in vielen Fällen bereits heute klar.
Zum Abschluss ging der Blick weiter nach vorn. Bidirektionales Laden, fahrende Speicher, Elektro-Lkw als Teil der lokalen Energieversorgung. Stefan schilderte eine Vision, in der Speditionen mit ihren Fahrzeugen am Wochenende ganze Dörfer mit Strom versorgen könnten. Überschlagsrechnungen zeigen: Das ist technisch alles andere als utopisch. Speicher – ob stationär oder auf Rädern – werden aus seiner Sicht der Schlüssel für stabile Netze sein. Aber nur im Zusammenspiel von Industrie, Netzbetreibern und Politik. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








Wird geladen...