Das „Herz“ schlägt schon: BMWs deutsche Batteriefabrik erwacht zum Leben

Das „Herz“ schlägt schon: BMWs deutsche Batteriefabrik erwacht zum Leben
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Der Bau des BMW Group Montagewerks für Hochvoltbatterien in den Gemeinden Irlbach und Straßkirchen in Niederbayern geht weiter mit hoher Geschwindigkeit voran. In dem Werk werden künftig zugelieferte Batteriezellen zu größeren Batteriemodulen für den Einsatz in Elektroautos zusammengebaut. „Mit der Fertigstellung der Energiezentrale und der Feuerwehr haben wir den nächsten Meilenstein auf dem Weg zur Serienproduktion der neuen Hochvoltbatterien der 6. Generation geschafft“, freut sich Sabrina Kugler, Projektleiterin Werkaufbau Irlbach-Straßkirchen, in einer aktuellen Mitteilung von BMW. „Die Energiezentrale versorgt den neuen Standort mit allen betriebsnotwendigen Ressourcen. Außerdem findet die Feuerwehr auf rund 3000 Quadratmetern optimale Bedingungen für ihre Aufgaben vor.“

Im Juni nahm die Mannschaft der Betriebsfeuerwehr ihren Rund-um-die-Uhr-Dienstbetrieb auf dem Gelände des neuen Werks Irlbach-Straßkirchen auf. Mit fünf Dienstfahrzeugen und 26 Mitarbeitenden im Schichtbetrieb sorgt die Feuerwehr künftig für die Sicherheit der Mitarbeitenden am Standort. Derzeit läuft das Anerkennungsverfahren zur Werkfeuerwehr.

Die Mannschaft setzt sich zusammen aus erfahrenen Kollegen der anderen bayerischen BMW Group Standorte sowie neu ausgebildeten Werkfeuerwehrlern, die auch aus der Region rekrutiert wurden. Zwei der neuen Mitarbeitenden sind zusätzlich bei den Freiwilligen Feuerwehren in Irlbach und Straßkirchen aktiv. Auch bei Fortbildungsveranstaltungen und Übungen wird mit den umliegenden Gemeinde-Feuerwehren eng zusammengearbeitet.

Zentrale Steuerungseinheit für alle notwendigen Ressourcen

Für Silvia Meyer, Leiterin Immobilienmanagement am Standort Irlbach-Straßkirchen, ist die Energiezentrale das „Herz“ des neuen Standorts. „Hier werden die künftige Produktion und die Nebengebäude mit allen notwendigen Medien versorgt: Strom, Kälte, Wärme, Kühlwasser und Druckluft.“

Die Steuerung der Medien erfolgt im sogenannten Operations Center, mit intelligenter Energieleittechnik werden Heizung, Lüftung, Klimatisierung und Beleuchtung der Gebäude automatisiert und ressourceneffizient geregelt. Mithilfe von Sensoren werden alle wichtigen Produktionsanlagen und Räume kontinuierlich überwacht und in Echtzeit auf den Bildschirmen des Leitstands visualisiert.

Abwärme der Produktion wird zum Heizen genutzt

Die Abwärme aus den Produktionsprozessen wird sinnvoll genutzt, um die Betriebsgastronomie, Lager und Nebengebäude bei kalten Temperaturen zu heizen. Dafür wandeln Wärmepumpen in der Energiezentrale das von den Produktionsanlagen auf rund 23 Grad erwärmte Kühlwasser in Heizenergie mit einer Temperatur von ca. 60 Grad um. Vier Wärmepumpen mit je 1,8 Megawatt (MW) garantieren eine ausfallsichere Heizleistung.

Das gesamte Rohrleitungssystem der Energiezentrale erstreckt sich über 3,8 Kilometer und wird einmalig mit 500.000 Litern Wasser befüllt, so viel, wie in ein 25 Meter langes Schwimmbadbecken passt. Der Produktions- und Montageprozess der Hochvoltbatterien benötigt kein Wasser. Trinkwasser wird am Standort lediglich für Küchen und Waschbecken genutzt. Für die Toiletten findet Regenwasser Verwendung, das auf den Dächern gesammelt wird.

Hochautomatisierter Produktionsprozess erfordert Druckluft

Die hochautomatisierte Fördertechnik im Produktionsprozess der Hochvoltbatterien benötigt kontinuierlich Druckluft. Aus der Energiezentrale wird den Anlagen im Produktionsgebäude Druckluft mit sechs Bar bereitgestellt. Für eine ausfallsichere Druckluftversorgung sorgen zwei redundante Kompressoren für die Grundlast- und ein variabler Kompressor für die Spitzenlastabdeckung. Die Abwärme der Kompressoren wird ebenfalls dem Kühlwasserkreislauf zugeführt und steht über die Wärmepumpen wieder zum Heizen des Werkes zur Verfügung.

Werk läuft ausschließlich mit regenerativ erzeugtem Strom

Obwohl durch das Gelände eine Erdgasleitung läuft, wird für die Energieversorgung des BMW Group Werk Irlbach-Straßkirchen im Regelbetrieb vollständig auf den Einsatz von fossilen Energieträgern verzichtet. Das Werk ist daher auch nicht an die Erdgasleitung angeschlossen.

Am neuen Standort wird Strom aus Sonnenenergie erzeugt, der einen Teil des Gesamtstrombedarfs des Werks Irlbach-Straßkirchen abdeckt. Dafür wird auf einer Dachfläche von rund 62.000 Quadratmetern noch eine Photovoltaik-Anlage installiert. Das Ausmaß entspricht mehr als einem Drittel der Dachfläche des künftigen Produktionsgebäudes bzw. der Größe von circa neun Fußballfeldern. Die PV-Anlage wird vom Energieunternehmen „Verbund“ installiert und betrieben. Der Aufbau der Anlage startet im Frühjahr 2026. Sie kann damit rechtzeitig zum Beginn der Serienproduktion in Betrieb gehen. Knapp 14.000 Photovoltaik-Module können dann mehr als sechs Megawatt Peak (MWp) leisten und so mehr als 6000 Megawattstunden pro Jahr (MWh/a) erzeugen. Den darüberhinausgehenden Fremdstrombedarf bezieht das neue Werk vollständig aus erneuerbaren Energiequellen.

BMW / Im kommenden Jahr wird ein Drittel der Dachfläche mit PV-Modulen bestückt

Die elektrische Versorgung des Montagewerks erfolgt durch den Anschluss unterirdisch verlegter 110 Kilovolt (kV) Kabel an ein Umspannwerk von Bayernwerk Netz in Irlbach, das sich derzeit im Bau befindet. Bis zur Fertigstellung des Umspannwerks im Jahr 2028 ist eine stabile Stromversorgung der derzeitigen Baustelle sowie des künftigen Produktionsbetriebs mit einem provisorischen 34 Megawatt Anschluss an die bestehenden 110 Kilovolt-Hochspannungsleitungen gewährleistet.

Außerdem wurden zwei eigene Transformatoren mit einer maximalen Bezugsleistung von 68 Megawatt auf dem Werksgelände bei der Energiezentrale errichtet. Sie wandeln die bezogene 110 kV Spannung zunächst auf 20 kV zur Verteilung auf dem Werksgelände um. Transformatoren, die verbrauchsnah aufgestellt sind, stellen die 230 bzw. 400 Volt Versorgung bereit.

Funkmast sichert Mobilfunkversorgung

Auch für die Mobilfunkversorgung des Werks leistet die Energiezentrale einen entscheidenden Beitrag: Auf ihrem Dach wurde ein Funkmast installiert, der die Mobilfunkversorgung im Außenbereich des Werksgeländes sicherstellt. Für den Innenbereich wurden bereits rund 220 Antennen in den verschiedenen Gebäuden installiert und mehr als 9,5 Kilometer Hochfrequenzkabel und 3,5 Kilometer Glasfaserkabel verlegt, um das gesamte Gelände mit Empfang abzudecken.

Digitales Planungstool BIM beschleunigt Baufortschritt

Das rund 10.400 Quadratmeter große Gebäude für Energiezentrale und Feuerwehr wurde in nur knapp 14 Monaten fertiggestellt. Einen entscheidenden Beitrag zu dieser kurzen Bauzeit leistete das Building Information Modeling (BIM), eine digitale Planungsmethode. Die BMW Group wendet das Verfahren konsequent in allen Planungs- und Realisierungsprozessen beim Bau des neuen Werks an. Das System vernetzt die Daten und Arbeitsabläufe aller Projektbeteiligten von der Planung über den Bau bis hin zum Betrieb.

Die Anwendung der BIM-Methode stellt sicher, dass alle Projektbeteiligten Zugriff auf den aktuellen Stand der Planung haben. Die Methode hilft, frühzeitig Schnittstellen zwischen den Gewerken zu identifizieren und zu optimieren. Mithilfe einer autonomen Drohne erfolgt ein stetiger Abgleich zwischen dem aktuellen Baufortschritt (as-built) und dem digitalen Gebäudemodell (as-planned). Soll-Ist-Abweichungen werden schnell identifiziert, so dass entsprechende Maßnahmen ergriffen werden können. BIM ist somit ein wesentlicher Baustein für eine reibungslose Inbetriebnahme, Abnahme und Übergabe der Gebäude und Anlagen (IAÜ-Prozess).

Quelle: BMW – Pressemitteilung vom 02.10.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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