Sixt: EU-Quote wäre „vorgezogenes Verbrennerverbot“

Sixt: EU-Quote wäre „vorgezogenes Verbrennerverbot“
Copyright:

Tupungato / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Sixt-Vorstand Nico Gabriel warnt im Gespräch mit der Automobilwoche vor möglichen Folgen einer von der EU geplanten Elektroauto-Quote für gewerbliche Flotten. Nach seinen Worten käme eine Quote von 50 Prozent bis 2027 und 90 Prozent bis 2030 „de facto einem vorgezogenen Verbrennerverbot“ gleich. Eine solche Regelung hält er bei den aktuellen Rahmenbedingungen für „den vollkommen falschen Ansatz“.

Gabriel betont, dass Sixt grundsätzlich hinter der Elektrifizierung stehe und auch selbst ambitionierte Ziele verfolge: „Wir sind nicht gegen eine Elektrifizierung und wollen unseren Beitrag leisten.“ Die Nachfrage der Kunden sei jedoch ausschlaggebend. „Gegen die können wir nicht arbeiten“, sagt er. Die Flotte werde alle sechs bis neun Monate erneuert, sodass steigende Nachfrage schnell bedient werden könne – derzeit sei diese aber nicht vorhanden. Trotz Werbeoffensiven, Rabatten und der Option, E-Autos mit 80 Prozent Akkustand zurückzugeben, habe sich „die Nachfrage bisher nicht angesprungen“.

Ein zentrales Problem sieht Gabriel in der unzureichenden Ladeinfrastruktur – vor allem bei Schnellladern. „Wer große Strecken fährt, kann nicht lange Zwangspausen zum Laden einplanen“, so der Sixt-Vorstand. Laut EU-Kommission konzentrieren sich 60 Prozent der europäischen Ladepunkte auf nur drei Länder: Deutschland, Frankreich und die Niederlande. „Ein entspannter Urlaub in Italien oder Spanien ist mit dem Elektroauto derzeit nicht möglich“, findet Gabriel.

Auch im Kerngeschäft von Sixt, der Kurzzeitmiete, seien die Hürden groß. „Wenn ich für drei Tage auf Geschäftsreise oder in den Urlaub fahre, möchte ich mich nicht lange damit auseinandersetzen, wo ich wann laden kann.“ An Flughäfen und Bahnhöfen, wo Autos innerhalb von 45 Minuten gewaschen, gereinigt und betankt werden, um sie schnell weitervermieten zu können, fehle zudem schlicht die Ladeinfrastruktur. Am Beispiel München verdeutlicht Gabriel den Aufwand: „Wenn die Vermieter am Münchner Flughafen ihre gesamte Flotte auf Elektroautos umstellen würden, wären das 16.000 Fahrzeuge. Dafür bräuchte es rund 2000 Ladestationen – und die Energie von 14 Windrädern oder acht Hektar Photovoltaikfläche.“

Die möglichen Folgen einer verpflichtenden E-Quote wären gravierend. „Wir müssten die Preise massiv anheben, weil die Kosten durch die Decke gehen“, erklärt Gabriel. Elektroautos seien in der Anschaffung teurer, hätten schlechtere Restwerte und verursachten höhere Betriebskosten. Sollte die EU an ihren Plänen festhalten, erwägt Sixt laut Gabriel, Autos künftig deutlich länger in der Flotte zu halten: „Wir sprechen hier nicht von Monaten, sondern von Jahren.“ Das würde weder den europäischen Herstellern noch dem Klima helfen.

Quelle: Automobilwoche – Sixt-Vorstand Nico Gabriel: „Wäre de facto ein vorgezogenes Verbrennerverbot“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

FastBat: Maßgeschneiderte Batterien für Europas Zukunft

FastBat: Maßgeschneiderte Batterien für Europas Zukunft

Sebastian Henßler  —  

Prof. Kampker forscht nicht an Problemen, die keiner hat – sondern baut ein komplettes Batterieökosystem für Nischen, Drohnen und kritische Infrastruktur.

Renault 4 JP4x4 Concept: Strandbuggy mit Allradantrieb

Renault 4 JP4x4 Concept: Strandbuggy mit Allradantrieb

Sebastian Henßler  —  

Renault enthüllt bei den French Open 2026 den JP4x4 Concept – ein elektrisches Showcar, das Strandbuggy und Pick-up vereint und Allradantrieb demonstriert.

„Jede Ölpreiskrise ist ein Turbo für die Elektromobilität“

„Jede Ölpreiskrise ist ein Turbo für die Elektromobilität“

Michael Neißendorfer  —  

Und das „nicht aus Ideologie, sondern aus rein wirtschaftlichem Denken“, so Guillaume Dejean, Branchenexperte bei Allianz Trade.

Sachsens Wirtschaftsminister will Chinesen ins VW-Werk holen

Sachsens Wirtschaftsminister will Chinesen ins VW-Werk holen

Sebastian Henßler  —  

Das VW-Werk Zwickau steht vor einer ungewissen Zukunft – Sachsens Wirtschaftsminister sieht chinesische Partner als möglichen Ausweg für 8000 Beschäftigte.

Diese zwei EU-Länder schaffen bald 100 Prozent Ökostrom

Diese zwei EU-Länder schaffen bald 100 Prozent Ökostrom

Daniel Krenzer  —  

Eine Studie zeigt, welche zwei europäische Länder kurz davor stehen, 100 Prozent und mehr des Strombedarfs mit Erneuerbaren abzudecken. Und Deutschland?

E-Transporter: Chinesische Konkurrenz in Europa nimmt zu

E-Transporter: Chinesische Konkurrenz in Europa nimmt zu

Laura Horst  —  

Chinesische Hersteller von Elektrotransportern haben den europäischen Markt im Visier und machen etablierten Herstellern zunehmend Konkurrenz.

Togg und CATL-Tochter CAIT entwickeln B-Segment-Plattform

Togg und CATL-Tochter CAIT entwickeln B-Segment-Plattform

Sebastian Henßler  —  

CATL-Tochter CAIT und Togg entwickeln gemeinsam eine Fahrgestellplattform für drei B-Segment-Modelle – das erste davon soll 2027 in Serienproduktion gehen.