Bidirektionales Laden: TÜV-Verband drängt auf mehr Tempo bei V2G und V2H

Bidirektionales Laden: TÜV-Verband drängt auf mehr Tempo bei V2G und V2H
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Michael Neißendorfer
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Elektroautos fahren nicht nur lokal emissionsfrei, sondern können auch als universeller Stromspeicher dienen. Denn beim bidirektionalen Laden geben die Batterien der E-Autos überschüssigen Strom wieder ins Netz oder ins eigene Haus zurück. Mit diesem Konzept können Erzeugungsspitzen erneuerbarer Energien aufgenommen und Lastspitzen im Netz abgefedert werden. Das senkt die Stromkosten für alle, stabilisiert die Stromnetze und verbessert die CO2-Bilanz des Stromsektors.

„Bidirektionales Laden ist ein wichtiger Baustein für eine sichere, bezahlbare und resiliente Energieversorgung“, sagt Robin Zalwert, Referent für Nachhaltige Mobilität beim TÜV-Verband. „Damit diese Technologie in Deutschland zügig in den Markt kommt, brauchen wir verbindliche technische Vorgaben, eine gute Koordination und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur.“ Der TÜV-Verband fordert daher in einem aktuellen Positionspapier (hier als PDF verlinkt) verbindliche technische Regeln, eine gute Koordination dieses Querschnittsthemas innerhalb der Bundesregierung sowie den schnellen Ausbau digitaler Infrastruktur.

Mit bidirektionalem Laden werden Elektroautos zu mobilen Energiespeichern. Sie können Verbrauchsspitzen abfedern und Strom speichern. Studien wie vom Fraunhofer ISI und Fraunhofer ISE zeigen: Durch die Nutzung von Fahrzeugbatterien als Zwischenspeicher könnten in Deutschland bis 2040 bis zu 8,4 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden. Auch private Haushalte und Unternehmen könnten profitieren, indem sie Strom flexibler nutzen und zurückspeisen.

Im Masterplan Ladeinfrastruktur 2030 des Bundesverkehrsministeriums (BMV) wird das Thema bereits konkretisiert. Jedoch fehlen verbindliche Regelungen und klare Zuständigkeiten. „Europa – insbesondere Deutschland – zählt beim bidirektionalen Laden derzeit zu den führenden Technologiestandorten“, sagt Zalwert. „Dieser Vorsprung ist jedoch nicht gesichert und könnte ohne entschlossenes Handeln schnell verloren gehen. Denn bidirektionales Laden betrifft Energie-, Verkehrs- und Digitalpolitik. Nur wenn Ministerien, Netzbetreiber und Energieversorger eng zusammenarbeiten, kann die Technologie schnell in den Markt kommen.“

Kernforderungen für den Markthochlauf

Für den erfolgreichen Start des bidirektionalen Ladens schlägt der TÜV-Verband vier zentrale Schritte vor.

  • Technische Regeln festlegen: Dafür braucht es einheitliche Sicherheits- und Prüfstandards, klare technische Vorgaben und ein transparentes Zertifizierungssystem für Fahrzeuge, Ladepunkte und Software.
  • Koordiniert vorgehen: Das setzt eine enge Abstimmung zwischen Verkehrs- und Wirtschaftsministerium voraus sowie Förderprogramme, die verlässlich ausgestattet sind und nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen.
  • Digitale Infrastruktur beschleunigen: Dazu zählen der rasche Ausbau intelligenter Stromzähler, deutlich beschleunigte Genehmigungsverfahren für Ladeinfrastruktur von Depots und Flotten und klare Rahmenbedingungen für flexible Stromtarife.
  • Qualität und Sicherheit prüfen: Organisationen wie der TÜV bringen ihre Prüferfahrung ein und testen sowie zertifizieren Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur und IT-Systeme. So wird sichergestellt, dass bidirektionale Ladelösungen sicher, nutzerfreundlich und verlässlich funktionieren.

Die Technologie ist bereit. Jetzt müssen die politischen Weichen gestellt werden, so der Prüfverband abschließend. Das Ziel müsse sein, Pilotversuche nun in einen bundesweiten Markt zu überführen und Verbraucher:innen sichere, verständliche und wirtschaftliche Lösungen anzubieten.

Quelle: TÜV Verband – Pressemitteilung vom 06.11.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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