79 Cent pro kWh: Ionitys neues Preismodell stößt auf Unverständnis

79 Cent pro kWh: Ionitys neues Preismodell stößt auf Unverständnis
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IONITY

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Ein Interview mit Ionity-Chef Michael Hajesch hat in der vergangenen Woche hohe Welle geschlagen. Denn in dem Gespräch mit Edison kündigte Hajesch an, dass das Laden an den Ultraschnellladern des Unternehmens ab Februar 79 Cent pro Kilowattstunde für jene E-Auto-Fahrer kostet, deren Hersteller nicht zum Ionity-Joint-Venture (BMW, Mercedes-Benz, Ford, VW, Audi, Porsche und Hyundai) gehört. Ein Tesla Model S mit großem Akku vollladen? Macht bei Ionity gut 70 Euro für eine Komplettladung, während es an den Tesla-eigenen Superchargern weniger als die Hälfte kostet.

Was in der E-Auto-Szene auf Unverständnis stößt ist die Tatsache, dass Ionity, trotz der Rückendeckung von Milliardenschweren Autoherstellern, beim Aufbau der Ladeinfrastruktur großzügig von Fördergeldern profitiert, und dennoch deutlich teurer ist als Tesla, das sein Schnellladenetz aus eigener Tasche bezahlt hat. Ionity selbst nennt sein Preismodell „fair und transparent“, so Hajesch in dem Interview. Bislang kostete das Laden pauschal acht Euro „Session Fee“, was der Ionity-Chef als „Willkommensphase“ bezeichnet. Mit 203 Stationen live und 53 im Bau sei es nun aber an der Zeit, „auch beim Pricing den nächsten Schritt zu gehen.

Die Befürchtung, dass Ionity nun Kunden verliert, hat Hajesch nicht. Schließlich gebe es „attraktive Endkundenangebote“ für alle BMW, Mercedes-Benz, Ford, VW, Audi, Porsche und Hyundai-Fahrer, die je nach Vertrag um die 30 bis 35 Cent pro Kilowattstunde bezahlen. Zudem beinhalte das Leistungsversprechen des Anbieters „eine hohe Verfügbarkeit, europaweites HPC Ladenetzwerk, Top Standorte direkt an der Autobahn sowie verantwortungsbewusstem Betrieb der Ladestationen mit Grünstrom.“

Auch die kurze Ladezeit (die Stationen leisten bis zu 350 kW) und „eine Hotline, die rund um die Uhr in sieben Sprachen kontaktiert werden kann“, rechtfertigen das Preismodell, findet Hajesch. Der Ionity-Chef ist „davon überzeugt, dass wir einen wesentlichen Beitrag für die Marktakzeptanz der Elektromobilität liefern.“ Hajesch merkt auch an, mit dem Angebot noch keine Gewinne zu erzielen, was auch mit dem neuen Preismodell „nicht unmittelbar“ zu realisieren sei, da die Standorte europaweit noch ausgebaut werden.

Die 350 kW Ladeleistung kann momentan noch kein E-Auto-Modell vollends ausschöpfen. Als erstes Elektroauto soll der Porsche Taycan dank seiner 800-Volt-Technik in der Lage sein, das Potenzial der High-Power-Charging-Säulen (HPC) von Ionity auch nutzen zu können.

Allerdings bleibt ein kleines Trostpflaster: Der Durchschnittsnutzer eines E-Autos lädt zu gut 90 Prozent daheim oder am Arbeitsplatz. Schnellladen an der Autobahn ist für viele die Ausnahme. Und mit Unternehmen wie Fastned, Allego, EnBW, Innogy und wie bereits erwähnt Tesla gibt es eine gute Handvoll Anbieter von Schnelllademöglichkeiten, die teils deutlich günstiger sind: Bei EnBW kosten 60 kWh (bei Ionity im schlechtesten Fall für 47,40 Euro zu haben) momentan zwischen 23 bis 30 Euro, bei Allego sind es 35 Euro. Bei Innogy kostet ein Ladevorgang 7,95 Euro, Fastned verlangt 59 Cent respektive 35 Cent bei 11,99 Euro Monatsgebühr.

Quelle: Edison — „Es war Zeit, den nächsten Preis-Schritt zu gehen.“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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