Argumente statt Klischees: 10 Hilfen für Diskussionen mit E-Gegnern

fotolia.com © romankosolapov

„Reichweite zu gering“. „Batterieherstellung umweltschädlich“. „ÖPNV die bessere Alternative“. Die typischen Argumente von Elektromobilitätsgegnern sind vielfältig und doch immer gleich. Durch ihre Masse tragen sie leider ihr Scherflein dazu bei, dass die breite Akzeptanz der Technologie langsamer voranschreitet. Da hilft es auch nicht, dass E-Auto-Befürworter oftmals mit ähnlich klischeehaften Antworten zurückfeuern. Doch Dispute gewinnt der mit den schärferen Waffen – und auch bei der Diskussion um Elektrofahrzeuge sind das belegbare und nüchterne Argumente. Der folgende Artikel möchte Hilfestellung geben und listet dazu typische Einwände und die passenden Gegenargumente.

Grundvoraussetzung: Ruhe bewahren

Ganz gleich ob es nun um Gen-Food, Geschlechterrollen oder Grundeinkommen geht. Bei jedem argumentativen Schlagabtausch gilt die Regel „wer schreit, hat Unrecht“. Aus diesem Grund sei auch Verfechtern der Elektromobilität ans Herz gelegt, selbst in hochemotionalen Debatten einen kühlen Kopf zu bewahren und sachlich zu argumentieren – und wenn es gar nicht anders geht, die Diskussion zu beenden. Manchen Charakteren beziehungsweise ihren „Argumenten“ kann man nicht mit Vernunft beikommen.

fotolia.com © Ralf Geithe

Wer etwa ernsthaft den Sound eines Verbrennungsmotors für einen Grund hält, Elektromobilität gänzlich abzulehnen, wird sich auch durch noch so sachliche Argumente nicht umstimmen lassen. Aber in allen anderen Situationen sollte ruhig gegengehalten werden – denn wer den Bremsern, den Miesmachern das Feld kampflos überlässt, trägt dazu bei, dass das E-Auto noch länger braucht, bis es sich durchsetzt.

1. ÖPNV ist die bessere Lösung

Es gibt Menschen, für die sind Busse und Bahnen logischer Gipfel aller Mobilität. Allerdings kann man dieser Ansicht gleich mehrere Argumente entgegenwerfen:

  • Selbst im bestausgebauten ÖPNV-Netz wird es immer Lücken geben, die es nötig machen, sein Ziel anderweitig zu erreichen. Nicht vor jedem Arbeitsplatz oder Geschäft steht eine Bushaltestelle.
  • ÖPNV funktioniert nur so lange, wie man keine großen oder sperrigen Dinge transportieren muss. Davon können Mütter mit Kinderwagen ein Lied singen – und jeder, der schwere Einkaufstüten in der Straßenbahn heimbringen möchte. Zudem greift hier erneut Argument #1.
  • Es liegt in der Natur der Sache, dass ÖPNV einen zu Wartezeiten und Umwegen zwingt, weil der Rhythmus nicht unbedingt dem seiner Mitfahrer entspricht
  • ÖPNV funktioniert nur auf wirtschaftlicher Basis – auf dem Land finden sich aber meist nicht genügend Fahrgäste, um einen Fahrt-Rhythmus in sinnvollen Abständen von wenigen Minuten zu rechtfertigen. Und Projekte wie der kostenlose ÖPNV sind Utopien, die vielleicht in einzelnen Gemeinden funktionieren, aber nicht großmaßstäblich.
fotolia.com © noxmox

Damit ist der ÖPNV tatsächlich nur in Großstädten eine Alternative – und auch nur dann, wenn man garantiert niemals spontan einen Schrank oder Ähnliches kaufen und transportieren möchte.

2. Die Reichweite / Ladezeiten

Das „ewige Argument“ verschwindet einfach nicht – auch nicht im Angesicht von Fahrzeugen wie dem Lucid Air und seinen Markkonkurrenten, die bereits jetzt Verbrenner-Reichweiten erzielen. Aber das beste Gegenargument ist folgendes: Jede Entwicklung benötigt Geld, weil wir nicht in einem postkapitalistischen Utopia leben. Dieses Geld wird nur erwirtschaftet, indem genügend Menschen kaufen.

Jeden Tag werden neue Schritte bei der Entwicklung von kürzeren Ladezeiten bzw. größeren Reichweiten gemacht – das geht nur durch das Geld, das mit den jetzigen E-Autos erwirtschaftet wird. Erst das ermöglicht Erfindungen wie den Aluminium-Akku, der ähnlich schnell voll wird, wie der Tank eines großen Verbrenners.

fotolia.com © Ludwig

Außerdem pendelt die Hälfte aller Arbeitnehmer weniger als zehn Kilometer weit. Weitere 27% sind nach maximal 25 Kilometern am Ziel – das schafft jedes am Markt verfügbare Elektroauto, selbst wenn es nur zuhause über Nacht geladen wird.

3. Der Anschaffungspreis

Wird mit den hohen Kaufpreisen von E-Autos argumentiert, lautet die simple Antwort „die Masse macht’s“ – denn auch hier gilt das kapitalistische Prinzip von Angebot und Nachfrage. Opels neuer Ampera-e etwa wird in Norwegen ab 33.500 Euro erhältlich sein – damit liegt er auf einem ähnlichen Niveau wie gleichgroße Verbrenner. Kurz gesagt, je mehr Menschen Elektroautos kaufen, desto billiger werden sie.

4. Der Staat braucht Steuern

Reine Elektrofahrzeuge sind von der Steuer befreit – eine Neid-Debatte sondergleichen. Vor allem weil Kritiker hier gleich mehreres außer Acht lassen:

  • Die E-Auto-Steuerbefreiung gilt nur für fünf Jahre. Danach funktioniert die Berechnung der Kfz-Steuer über das zulässige Gesamtgewicht.
  • Für Hybriden gibt es gar keine Steuererleichterung.

Zudem sollte eines klar sein. Wenn Vater Staat merkt, dass ihm durch E-Autos die saftigen Steuereinnahmen – 2015 waren das 39,5 Milliarden Euro – von Mineralöl-Kraftstoffen geschmälert werden, wird er sich rasch eine neue Steuer ausdenken, die auch Elektrofahrzeuge belastet.

5. Die Herstellung der Batterien ist umweltschädlich

Das ewige Lied der seltenen Erden und umweltschädigender Batterieherstellung – wer so argumentiert, macht eine Milchmädchenrechnung auf. Denn auch Verbrenner werden nicht nur aus umweltfreundlich geförderten Materialien hergestellt. Und außerdem sorgen Diesel- und Benziner über ihre gesamte Lebenszeit für Umweltschäden – denn das Fördern und Raffinieren von Erdöl samt dem nötigen Transport ist höchst schädlich.

fotolia.com © reimax16

Beim Elektroauto ist, sofern der Strom regenerativ erzeugt wurde, nach dem Bau Schluss mit der Umweltbelastung. Außerdem können Batterien nicht nur recycelt werden, sondern eignen sich auch nach ihrem Leben als Auto-Energielieferant noch als Speicher.

6. Für den Strom müssen Kraftwerke länger laufen

Eine interessante Argumentation findet sich in den benötigten Strommengen, die mit der größeren Verbreitung von Elektrofahrzeugen benötigt werden. Denn die Verkettung „mehr E-Autos = mehr benötigte Kraftwerke“ ist sogar korrekt. Aber mit einem kleinen Denkfehler versehen. Denn in der Tat ist es jetzt so, dass Strom für die vermehrte Elektromobilität auch durch Kohle- und andere umweltschädigende Kraftwerke bereitgestellt werden muss.

Doch je mehr E-Autos auf den Straßen unterwegs sind, desto unrentabler wird diese Vorgehensweise. Anders ausgedrückt wird die Energiewende umso stärker befeuert, je mehr Strom benötigt wird. Zudem sind gerade Elektrofahrzeuge mit ihren voluminösen Stromspeichern der ideale Puffer für die vielkritisierte Überproduktion in sonnigen und/oder windigen Zeiten – wenn nämlich an solchen Tagen Elektroautos an den Steckdosen vor Firmenparkplätzen etc. hängen, kann die Stromschwemme effektiv genutzt werden – statt den kostbaren Ökostrom für Dumpingpreise zu verhökern.

Damit könnte das E-Auto sogar für den Durchbruch bei der Energiewende sorgen, nach dem Umweltschützer seit Jahrzehnten suchen.

7. Auch das Elektroauto ist nicht CO2-frei

Klimaschützer werfen oftmals warnend ein, dass auch das Elektroauto nicht ohne Ausstoß von Kohlendioxid gebaut und betrieben werden kann. Doch hier gilt als Antwort die gleiche Logik wie schon unter #5. Denn beim Elektroauto wird im Betrieb kein CO2 oder Feinstaub freigesetzt – selbst wenn der Strom dafür aktuell noch aus einem Kohlekraftwerk oder Ähnlichem gewonnen werden muss, hat das sofortige regionale Auswirkungen – wo E-Autos in Masse rollen, verbessert sich die Luftqualität merklich.

fotolia.com © eyetronic

Gerade in den Innenstädten, als Zentren von Smog- und Feinstaubbelastung kann das deutlich messbare Erleichterungen für Anwohner bringen – und über den Kohlendioxid-Ausstoß beim Bau kann man nur sagen, dass keine Form der Mobilität, ja sogar kein Leben, ohne irgendeine Form von CO2-Belastung funktioniert. Das fängt beim Atmen an und macht auch vor dem so hochgelobten ÖPNV nicht Halt.

8. Ein Diesel mit Partikelfilter ist besser und flexibler

Jahrzehntelang wurde vor allem in Deutschland der Dieselmotor als die umweltschonendere Alternative zum Benziner verklärt und gelobt. Spätestens seit der VW-Affäre ist dieser Ruf jedoch angekratzt und lässt sich mit gleich mehreren Punkten vollends auskugeln:

  • Durch den technischen Aufbau des Diesels eignet er sich schlicht nicht für dauerhaften Kurzstreckenbetrieb, etwa in Städten – durch seinen höheren Wirkungsgrad wird der Motor langsamer warm (als ein Benziner) und Kaltbetrieb ist für jeden Motor Gift – beim Elektroauto gibt es schlicht keine Warmlaufphase.
  • Dieselpartikelfilter benötigen ebenfalls einen warmgefahrenen Motor – andernfalls können sie sich nicht regenerieren, verstopfen mit Ruß und müssen ausgebrannt werden.
  • Schon jetzt können durch die blaue Umweltplakette gar-nicht-so alte Diesel aus Innenstädten verbannt werden – sollte bei der 2017er Bundestagswahl eine Rot-Rot-Grüne Regierung ans Ruder kommen, könnten diese Fahrverbote auch noch massiv ausgeweitet werden.

Wenn man täglich über 1000 Kilometer durch die Republik fahren muss, hat der Diesel sicher einige Vorteile gegenüber dem E-Auto – bei der großen Masse von Autofahrern gelten diese jedoch nicht mehr.

9. Die elektrische Lautlosigkeit ist eine Gefahr für Fußgänger

Wir alle lernten als Kinder, vor dem Überqueren von Straßen erst nach links, dann nach rechts zu blicken. Warum also sollte sich dieses Verhalten in einer Elektroauto-Welt verändern? Zudem muss man die Lautlosigkeit von E-Autos auch mal aus einem anderen Licht betrachten. Denn für Anwohner verkehrsstarker Strecken wäre die neue Lautlosigkeit ein echter Segen – denn (Fahrzeug-) Lärm macht krank. Und erst ab 50km/h, also deutlich über typischem Innenstadt-Fließverkehr, überwiegt das Rollgeräusch eines PKW, das auch beim Elektroauto vorhanden ist, das seines Antriebs.

Zudem gibt es natürlich auch die Möglichkeit, künstliche Motorengeräusche beim E-Auto zu erzeugen – oder Vogelgezwitscher oder etwas anderes, das weniger stört, als ein aufheulender Motor.

10. Reparaturen sind teurer

Wenn das E-Auto mal kaputt ist, wird es teuer – so zumindest die Argumentation. In Wahrheit schaut es jedoch so aus, dass:

  • ein Elektroantrieb über viel weniger Bauteile verfügt, als ein Verbrenner – je weniger Teile, desto weniger kann kaputtgehen
  • weder eine Kupplung, noch Motor- noch Getriebeöl und auch keine anderen Verschleißteile wie Zahn- und Keilriemen, Zündkerzen oder Frostschutzmittel benötigt werden – die Unterhaltskosten sinken
  • dieser Mangel an Verschleißteilen dafür sorgt, dass Wartungs- und Inspektionsarbeiten nicht nur seltener, sondern auch schneller und somit billiger durchgeführt werden können.
fotolia.com © loraks

Und wenn etwas kaputtgeht, dann ist nicht nur die Fehlersuche schneller, sondern das Teil dank Blockbauweise auch noch schneller getauscht.

Fazit – Diskussionen mit E-Gegnern

Wer richtig argumentiert, kann praktisch alle Klischees über Elektrofahrzeuge aushebeln. Wichtig ist jedoch, dass man dafür tatsächlich den Mut aufbringt – und sich niemals auf eine emotionale Ebene herabziehen lässt. E-Autos sind eine Vernunftlösung und keine für die „Gas-Sound-Geil“-Fraktion – wobei selbst die durch den Anblick von E-Dragstern und elektrischen PS-Monstern befriedigt werden kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.