Bidirektionales Laden gilt in der Energiebranche als ein zentrales Element der Energiewende. Die Technologie, bei der E-Autos gespeicherten Strom nicht nur verbrauchen, sondern auch zurück ins Hausnetz oder ins öffentliche Netz einspeisen können, steht bei Netzbetreibern, Automobilherstellern und der Politik weit oben auf der Agenda. Eine neue Studie des Marktforschungsunternehmens Uscale (hier findet man mehr Infos zur Studie) zeigt nun, wie groß die Lücke zwischen diesem Interesse und der tatsächlichen Bereitschaft der Verbraucher:innen ist.
Für die Bidirectional Charging Study 2026 befragte Uscale im vergangenen Februar insgesamt rund 11.200 Personen in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Schweden. Darunter waren knapp 4500 E-Auto-Fahrer:innen sowie rund 6700 Verbrennerfahrer:innen als Referenzgruppe. Die Erhebung deckt Bekanntheit, Einstellung, technische Bereitschaft, Zahlungsbereitschaft und Erlöserwartungen ab.
Zunächst fällt auf, dass die Technologie unter E-Auto-Fahrer:innen mit eigenem Stellplatz bereits vergleichsweise bekannt ist: 38 Prozent geben an zu wissen, was bidirektionales Laden bedeutet, weitere 34 Prozent kennen zumindest den Begriff. Auch unter Verbrennerfahrer:innen mit privatem Stellplatz ist die Bekanntheit mit 20 Prozent höher als vielfach erwartet. Nicht jede:r kommt dabei als potenzielle:r Nutzer:in infrage: Wer keinen eigenen Stellplatz hat, scheidet von vornherein als Teilnehmer:in aus.
Wenn Interesse auf Kosten-Nutzen-Rechnung trifft
Das anfängliche Interesse ist durchaus vorhanden. Wenn Befragte die Grundidee des bidirektionalen Ladens erklärt bekommen, können sich 53 Prozent der E-Auto-Fahrer:innen vorstellen, die Technologie zu nutzen. Unter den Verbrennerfahrer:innen mit Stellplatz sind es immerhin 22 Prozent. Doch sobald die konkreten Vor- und Nachteile ins Bild kommen, verändert sich das Bild erheblich.
Die realistisch erreichbare Zielgruppe unter den E-Auto-Fahrer:innen, also jene, die unter der Annahme ausreichender Erlöse und akzeptabler Investitionen tatsächlich einen relevanten Mehrwert sehen und eine Investition ernsthaft in Betracht ziehen würden, schrumpft auf 17 Prozent. Bei den Verbrennerfahrer:innen sind es sogar nur 6 Prozent. Sind die Angebotsbedingungen aus Nutzersicht nicht attraktiv, fällt dieser Wert noch weiter ab.
Zu den meistgenannten Nutzungstreibern gehören erwartete Kosteneinsparungen, die Freude an technologischer Innovation sowie ökologische Motivation. Bei der Nutzungsform Vehicle-to-Home kommen das Gefühl von Energieunabhängigkeit und die Möglichkeit hinzu, selbst erzeugten Photovoltaikstrom effizienter zu nutzen.
Hohe Anfangsinvestition als größtes Hindernis beim Bidirektionalen Laden
Die Kehrseite ist deutlich: Als größtes Hemmnis nennen Befragte quer durch alle fünf Märkte die nötige Vorabinvestition in die passende Ladeinfrastruktur zu Hause. Hinzu kommen Bedenken wegen möglicher Batteriealterung, Unsicherheiten gegenüber einer noch nicht vollständig ausgereiften Technologie sowie der als aufwendig empfundene Alltagsbetrieb.
Kombinierte Angebote, die Fahrzeug, Ladeinfrastruktur und Garantien in einem Paket bündeln, könnten einen Teil dieser Vorbehalte adressieren. Bis sich breites Vertrauen in die Technologie etabliert hat, bleibt Aufklärung nach Einschätzung der Studienautor:innen eine Kernaufgabe aller Marktakteure.
Dr. Axel Sprenger, Gründer und Geschäftsführer von Uscale, bringt das zentrale Ergebnis auf den Punkt: „Die Technologie ist bereit, aber bidirektionales Laden löst vor allem ein Problem der Energieversorger mit dem stockenden Netzausbau. Ohne die Nutzer geht die Rechnung nicht auf. Die Studie zeigt, dass die Nutzer noch überzeugt werden müssen.“
Quelle: Uscale – Bidirectional Charging Study 2026: Technik bereit, Markt noch nicht









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