VW Konzern: Ein Schritt vor, ein Schritt zurück beim Artemis-Projekt

VW Konzern: Ein Schritt vor, ein Schritt zurück beim Artemis-Projekt
Copyright:

Audi

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der VW Konzern scheint die eigenen Ziele für die E-Mobilitätsoffensive nach zu schärfen. So soll der Anteil an reinen E-Autos und Plug-In-Hybriden bis 2030 deutlich höher ausfallen als bisher geplant. Um dies zu erreichen werden Schwerpunkte anders gesetzt. Eine statt vier Modellarchitekturen sollen zum Einsatz kommen. Für das Artemis-Projekt würde dies wohl das Aus bedeuten.

Dabei hieß es erst im Dezember 2020: “Goodbye VW Autonomy, hello ARTEMIS GmbH!” mit diesen Worten verkündet Alexander Hitzinger, CEO und Gründer der Artemis GmbH, den Übergang vom VW-Konzern zu einem neuen Unternehmen. Keinem unbekannten Unternehmen wohlgemerkt. Denn Artemis ist ursprünglich als VW internes Projekt gestartet, um Fahrt in puncto E-Mobilität aufzunehmen. Man wolle nicht weniger als Tesla-Jäger werden, der mit entsprechenden Alternativen aufwarten kann. Nun könnte dies schon wieder Geschichte sein. Das erste Modell von Artemis – der Landjet – solle künftig wieder von der Entwicklungsorganisation betreut werden. Geschäftsführer Alex Hitzinger verliere die Verantwortung, er solle stattdessen das mögliche Digitalgeschäft rund um das Modell betreuen.

Ausschlaggebend hierfür seien, wie eingangs erwähnt, die verschärften E-Absatzziele, welche auf VW-Chefstrategen Michael Jost zurückgehen. Bis 2030 plane das Unternehmen, dass 70% aller verkauften Konzern-Pkw über einen reinen E-Antrieb verfügen. Bisher stand eine reine Elektrifizierungsrate von 50% im Raum. Bei einem Absatz von zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr spricht man somit von rund zwei Millionen Stromer mehr, welche bis Ende des Jahrzehnts pro Jahr verkauft werden.

Um dies zu erreichen setze VW künftig wohl auf eine andere Art der Plattform-Strategie. Statt bisher vier Modellarchitekturen soll künftig eine zentrale Basisstruktur „für so gut wie alle Autos“ eingesetzt werden, wie entsprechende Medienberichte erwähnen. Geführt als „Scalable System Platform“ oder kurz SSP soll vor allem die Elektronik-, Software- und Rechnersysteme für die Autos umfassen. Dies als Basis genommen soll dann mit entsprechenden Antriebs- und Batteriesysteme kombiniert werden können. Bisher habe man sich vonseiten VW hierzu nicht geäußert. Müsste aber davon ausgehen, wenn die Aussagen denn zutreffen, dass auch die MEB-Plattform eine Wandlung erfährt.

„Artemis wurde als Inkubator und Beschleuniger gegründet und agiert als eigenständige GmbH in einem geschützten Raum. Entwicklungszyklen werden durch die zur Anwendung kommenden innovativen Entwicklungsmethoden, -prozesse und -tools deutlich verkürzt. Das hat wegweisende Funktion für den gesamten Konzern. Das erste Modell mit wertvollen Ideen aus dieser Tech Company werde 2024 an den Start gehen. Kundenfokus ist die wesentliche und maßgebliche Richtschnur.“ – Sprecher von Audi

Den zuvor aufgeführten Kommentar konnte Branchendienst Electrive.net Audi entlocken. Ob allerdings das gesamte Projekt wieder bei Audi eingegliedert wird hat man unbeantwortet gelassen. Für eine solche Integration, tiefer in die Marke, spricht die Tatsache, dass man sich weniger auf ein bestimmtes Modell konzentrieren wolle, sondern vielmehr auf eine Basis, welche für eine Vielzahl von Stromern zu Vorteilen verhelfen kann. Es bleibt wohl spannend.

Quelle: Electrive.net – VW strafft E-Ziele – Artemis vor dem Aus?

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Audi Elektroautos

Audi und Porsche vertiefen Zusammenarbeit, um einzusparen

Audi und Porsche vertiefen Zusammenarbeit, um einzusparen

Laura Horst  —  

Audi und Porsche vertiefen ihre Zusammenarbeit und teilen sich bei künftigen Modellen Plattformen, was vor allem Kosten, aber auch Zeit sparen soll.

Audi plant Luxus-Geländewagen gegen Land Rover Defender

Audi plant Luxus-Geländewagen gegen Land Rover Defender

Sebastian Henßler  —  

Konzernchef Döllner deutet einen neuen Audi-Offroader an. Das Modell könnte in den USA gebaut werden, abhängig von Zöllen und Regulierung.

Audi: Weltwirtschaft belastet Jahreszahlen 2025

Audi: Weltwirtschaft belastet Jahreszahlen 2025

Maria Glaser  —  

Audi gibt seine Gesamtjahresergebnisse bekannt, die von US-Zöllen, geopolitischen Umständen und globalem Wettbewerb geprägt sind.

Audi A2 e-tron: Made in Germany, schon ab Herbst

Audi A2 e-tron: Made in Germany, schon ab Herbst

Sebastian Henßler  —  

Audi erweitert sein E-Auto-Portfolio um einen Kompaktwagen. Der A2 e-tron soll im Herbst vorgestellt werden und kommt aus deutscher Fertigung.

Fahrbericht Audi RS 5 Avant: Power-PHEV im Check

Fahrbericht Audi RS 5 Avant: Power-PHEV im Check

Wolfgang Gomoll  —  

Ein Plug-in-Hybrid vereint mit Performance-Kombi: Der Audi RS 5 Avant liefert 639 PS, Driftmodus und bis zu 84 Kilometer elektrisch.

Volkswagen Group meldet 4 Millionen verkaufte E-Autos

Volkswagen Group meldet 4 Millionen verkaufte E-Autos

Tobias Stahl  —  

Die Volkswagen Group hat die Marke von vier Millionen ausgelieferten vollelektrischen Fahrzeugen geknackt. Die wichtigsten Zahlen im Überblick.

SAIC-AUDI senkt Preis für E5 Sportback in China

SAIC-AUDI senkt Preis für E5 Sportback in China

Sebastian Henßler  —  

Der Preisdruck in China erreicht den AUDI E5 Sportback. SAIC Audi senkt den Einstiegspreis deutlich, um die schwachen Verkaufszahlen zu verbessern.