Volkswagens Jahresrückblick Elektromobilität: Darum setzt VW auf E

Volkswagens Jahresrückblick Elektromobilität: Darum setzt VW auf E
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Volkswagen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 6 min

Der 9. September 2019 war ein wahrhaft historischer Tag für Volkswagen: Am Vorabend der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt präsentierte die Marke nicht allein ein neues Auto, sondern das Symbol einer neuen Ära. Beim ID.3 handelt es sich um das erste Modell einer komplett neuen Generation reiner Elektroautos bei VW – bilanziell CO2-neutral, effizient und voll vernetzt.

Wie alle künftigen ID. Modelle basiert der ID.3 auf dem neuen Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB), der speziell für den Elektroantrieb konzipiert wurde und die Möglichkeiten der E-Mobilität bestmöglich ausschöpfen soll. So verfügt der ID.3 über deutlich höhere Reichweiten, viel Platz im Innenraum und eine hohe Performance. Das skalierbare Batteriesystem bietet Reichweiten von 330 bis 550 Kilometern und zudem kurze Ladezeiten – und das bei einem Einstiegspreis von weniger als 30.000 Euro. Die Markteinführung ist europaweit für Sommer 2020 geplant.

Neben dem Flaggschiff ID.3 zählen auch der SUV ID. CROZZ, der als Bulli von morgen konzipierte ID. BUZZ, die Flaggschiff-Limousine ID. VIZZION, das multivariable Allround-Modell ID. ROOMZZ, der Beach-Cruiser ID. BUGGY und der ID. SPACE VIZZION als Variant von morgen zur neuen ID. Modellfamilie. Die Nachfrage nach dem ID.3 ist vielversprechend. Mitte Mai 2019 startete Volkswagen mit dem Pre-Booking der ID.3 1st Edition – einer exklusiven, auf 30.000 Fahrzeuge limitierten Sonderedition mit umfangreicher Ausstattung, für die bis Anfang Dezember bereits mehr als 36.000 Reservierungen eingingen.

Mit den ID-Fahrzeugen und dem ID.3 als Startpunkt beginnt nach Käfer und Golf das dritte große Kapitel von strategischer Bedeutung in der Geschichte der Marke Volkswagen. „Der ID.3 wird einen wichtigen Beitrag zum Durchbruch der E-Mobilität leisten. Er macht saubere, individuelle Mobilität für Millionen von Menschen erreichbar“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen Konzerns Herbert Diess beim Produktionsstart des ID.3 im Werk Zwickau.

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Volkswagen setzt konsequent wie kaum ein anderer traditioneller Autohersteller auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Das E-Auto für alle – das ist der Kern der E-Offensive. Bis 2029 will Volkswagen konzernweit bis zu 75 reine E-Modelle auf den Markt bringen und zusätzlich etwa 60 Hybridfahrzeuge. In Summe will der Konzern bis dahin rund 26 Millionen Elektrofahrzeuge verkaufen und der E-Mobilität so weltweit zum Durchbruch verhelfen. Rund 33 Milliarden Euro wird Volkswagen bis 2023 konzernweit in die Elektromobilität investieren. Die Gemeinschaftsunternehmen in China nehmen dafür über die kommenden Jahre noch einmal 15 Milliarden Euro in die Hand.

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Auch in Sachen Nachhaltigkeit setzt der ID.3 neue Maßstäbe: Er wird bilanziell CO2-neutral produziert und damit ohne sogenannten „CO2-Rucksack“ an die Kunden übergeben. Die energieintensive Batterie-Zellfertigung des ID.3 erfolgt zum Beispiel zu 100 Prozent mit Ökostrom. Derzeit noch unvermeidbare Emissionen im gesamten Produktionsprozess des ID.3 werden unter anderem durch Unterstützung des Klimaschutzprojektes „Katingan Mataya Forest Protection“ auf der indonesischen Insel Borneo ausgeglichen.

Bei der Transformation des weltweiten Produktionsnetzwerks von Volkswagen übernimmt der Standort Zwickau eine Vorreiterrolle. Den Standort rüstet Volkswagen mit Investitionen von 1,2 Milliarden Euro komplett auf die Elektromobilität um – und macht Zwickau zugleich zum größten und leistungsfähigsten E-Auto-Werk Europas. Bereits im kommenden Jahr sollen rund 100.000 E-Modelle in Zwickau produziert werden. Ab 2021 sollen dort bis zu 330.000 Elektroautos pro Jahr vom Band laufen.

Auch die Standorte Emden, Hannover und Dresden sollen künftig Elektrofahrzeuge fertigen. Gemeinsam mit Zwickau sollen sie den größten Produktionsverbund für Elektroautos in Europa bilden. Zudem ist Mlada Boleslav als europäischer Elektro-Standort vorgesehen. In China entstehen in Anting/Shanghai und Foshan zwei weitere MEB-Werke, die 2020 die Produktion aufnehmen werden. Dazu investiert der Volkswagen Konzern zur Erweiterung seiner Produktionskapazitäten 690 Millionen Euro in den Standort Chattanooga in den USA. Insgesamt wird Volkswagen damit bis 2022 über acht Werke für die Produktion von MEB- Fahrzeugen verfügen.

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Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, Elektromobilität massentauglich zu machen, treibt Volkswagen zugleich die Ladeinfrastruktur energisch voran: zu Hause, bei der Arbeit, im öffentlichen Raum und an den Autobahnen. Europaweit baut der Konzern mit Partnern bis 2025 insgesamt 36.000 Ladepunkte auf, davon allein 11.000 durch die Marke Volkswagen. Sie befinden sich an den deutschen Volkswagen Standorten, wie zum Beispiel Emden, Kassel oder Zwickau und bei den rund 3000 Volkswagen Händlern. Allein in die Ladestationen an seinen Standorten investiert der Volkswagen Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag. Gleichzeitig schafft der Konzern passende Infrastruktur-Lösungen – zum Beispiel durch die Entwicklung einer mobilen Schnellladesäule oder als Stromanbieter, durch den Kunden CO2-neutralen Volkswagen Naturstrom beziehen können.

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Klar ist aber auch: All das reicht noch nicht aus, um die Elektromobilität aus der Nische zu holen. Denn mit dem erwarteten Durchbruch der E-Mobilität und dem Zuwachs von Elektroautos auf den Straßen muss die Ladeinfrastruktur noch weiter ausgebaut werden. Allein in Deutschland sollen bis 2030 rund eine Million öffentliche Ladepunkte aufgebaut werden. Volkswagen legt daher einen weiteren Fokus auf das Laden an der heimischen Wallbox. Mit dem ID.Charger bringt Volkswagen zeitgleich mit dem ID.3 die passende Wallbox auf den Markt. Bei einer Ladeleistung von 11kW lässt sich der ID.3 so in rund sechs Stunden vollständig aufladen.

Volkswagen setzt auch deshalb so konsequent auf Elektromobilität, weil diese Antriebstechnologie der beste Weg zu einer schnellen und effiziente CO2-Reduzierung ist. Laut Experten verfügt zwar auch die Wasserstoff-betriebene Brennstoffzelle über Stärken (Reichweite, schnelles Betanken, keine schwere Batterie an Bord), hat aber einen entscheidenden Nachteil: Sie ist vergleichsweise ineffizient – und zwar hinsichtlich ihres Wirkungsgrades und ihrer Kosten. Und: Wasserstoff ist momentan nicht reif für den Volumenmarkt, es fehlt zur Nutzung unter anderem an einer entsprechenden Infrastruktur. Aller Voraussicht nach wird sie auf absehbare Zeit lediglich bei Lkw und Bussen, sowie über lange Strecken, zum Einsatz kommen.

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Volkswagen hingegen will schon in naher Zukunft mehr als eine Million Elektro-Fahrzeuge jährlich verkaufen. Die Prognose des Berliner Wasserstoff-Experten Prof. Volker Quaschning gibt der konsequenten E-Strategie von Volkswagen Recht: „Das normale Auto für durchschnittliche Anwendungen wird künftig mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Batterieauto sein. Umweltnachteile gibt es dadurch nicht.“

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 12.12.2019

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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