Verkehrsforscher: „Es gibt keine Alternative zum Elektroauto“

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 3 min

Mit einem Festhalten am Verbrenner würde Deutschland ökonomisch ins Aus steuern, warnt der Verkehrsforscher Helmut Holzapfel, Leiter des Zentrums für Mobilitäts­kultur in Kassel. In einem Interview mit dem Portal Klimareporter sagt er mit Blick auf den in den kommenden Jahren stetig steigenden CO2-Preis, dass dieser „bei vielen Haushalten bald Schocks auslösen dürfte“.

Ähnliches gelte für jene, die sich heute noch eine Gastherme in den Keller stellen, und künftig immer höhere Abgaben für den fossilen Brennstoff zahlen müssen. „Das wird auch beim Auto bald nach hinten losgehen“, mahnt Holzapfel. Hinzu komme, dass Städte nun damit anfangen, Verbrenner auszusperren: Stockholm habe „als erste Kommune von der EU die Erlaubnis erwirkt, in Teilen der Stadt Verbrenner ganz zu verbieten“, sagt der Verkehrsforscher und verweist auf Pläne zahlreicher weiterer Städte in Europa, die dies ebenfalls einführen wollen: „Entsprechende Verbote sind jetzt schon in Vorbereitung“.

Der Verbrenner „hat keine Zukunft“, sagt Holzapfel, was bei vielen Verbraucher:innen aber noch nicht angekommen sei. Warum? „Es fehlt an Aufklärung dazu. Sonst würde sich die Nachfrage schon jetzt stärker ändern“. Hinzu komme, dass „diverse Lobbygruppen, die dem Verbrenner weiter anhängen“, wie etwa die Ölindustrie, die einen „gewaltigen Einfluss auf die Politik“ habe, „eine völlig abseitige Propaganda gegen Elektroautos“ steuere: „Da werden dumme Gerüchte gestreut, etwa, im Winter funktioniere ein E‑Auto nicht“.

Holzapfel kritisiert auch tendenziöse CO2-Vergleiche, „die beim E‑Auto die Vorketten aller Bauteile beinhalten, beim Verbrenner den Beitrag von Ölförderung, -verarbeitung und -transport aber nicht“, wie er sagt. „Die Bilanz wäre sonst für Benziner und Diesel verheerend“. Auch die deutsche Autoindustrie trage eine Mitschuld, da sie „zu langsam bei der Entwicklung von E‑Autos“ gewesen sei. Nun sei es so, dass im Massenmarkt für bezahlbare Elektroautos chinesische und europäische Hersteller vor den deutschen lägen. „Das ist schade – und gefährlich für letztere, weil Kunden abzuspringen drohen“, warnt er.

Deutschland drohen Strafzahlungen an die EU

Der Verkehrsforscher verweist auch darauf, dass die Diskussion um eine Aufweichung des Verbrenner-Endes ab 2035 in Europa eine sehr deutsche Debatte sei. Was große Gefahren mit sich bringe, da andere Länder, etwa Frankreich und Italien „wohl daran festhalten wollen. Sie könnten den Termin schaffen und Deutschland dann als Nachzügler brandmarken, der in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zudem Strafzahlungen an die EU leisten müsste“.

Holzapfel fordert im Klimareporter-Interview abschließend ein klareres Bekenntnis zum Elektroauto: „Die Politik muss, statt Illusionen über E‑Fuels zu erzeugen, klar das betonen, was auch die Wissenschaft sagt: Es gibt keine Alternative zum Elektroauto“. Aber nicht nur die Politik müsse handeln, um den Markt in Schwung zu bringen: „Jedes Unternehmen muss umgehend Ladesäulen für die Beschäftigten aufstellen, Supermärkte oder Hotels ohne Ladesäulen darf es nicht mehr geben“, fordert er.

Quelle: Klimareporter – „Eine Förderung von Autos ist generell fragwürdig“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Martin H.:

An sich ist der Beitrag stimmig, Probleme habe ich mit Aussagen wie „Gerüchte werden verbreitet, ein Elektroauto funktioniere im Winter nicht“. Liebe Elektroauto Fahrer, Hand aufs Herz, die Reichweite sinkt massiv. Ich fahre selbst schon lang genug Elektroauto und wohne in den Bergen mit Schneefall und niedrigen Temperaturen. Wenn die Karre zugefroren ist und nur noch 100km Reichweite anzeigt fahre ich lieber mit einer Maschine auf die man sich verlassen kann. Dem Elektroauto gehört die Zukunft, das steht außer Frage. Um einen Verbrenner vollends ersetzten zu können fehlt eine Entwicklungsstufe. Ich vergleiche es gerne mit Mobiltelefonen. Ein heutiges Elektroauto ist das Nokia3210. Bis zum iPhone ist es noch ein weiter weg…

Sascha:

Würde kein CNG-Auto empfehlen. Wir besitzen seit 4 Jahren eins und merken, dass immer mehr Tankstellen vom Netz schwinden. Hatte in meiner Gegend mehr Möglichkeiten Strom zu laden als CNG und hatte eine lange Zeit lang von 3 CNG Tankstellen in meinem Wohn und Arbeitskreis (35 Km einfache Strecke) nur noch eine Zur Verfügung gehabt. Neuerdings waren es wieder 3 aber die eine hat dafür aufgegeben. Spiegelt sich aber auch in vielen Berichten das CNG sehr rückläufig ist.

Jeff:

Ok, dann wollen wir mal…

Zu 1.) Stimmt nur bedingt. Betrachtet man die TCO, schneiden sehr viele E-Modelle nach einigen Jahren besser ab als ihre Verbrenner-Pendants.
Zu 2.) Wer täglich mehrere Hundert Kilometer zurücklegt vielleicht ja. Beim Durchschnittspendler ein vorgeschobener Grund.
Zu 3.) Man hat per Gesetz ein Anrecht auf eine Lademöglichkeit am Wohnort.
Zu 4.) Einfach machen statt alles schlecht reden
Zu 5.) Nein, ist es nicht. Elf Jahre sind eine lange Zeit.
Zu 6.) Nein, das Klima wird’s entscheiden. Die Frage ist nur, wie viele Waldbrände, Überschwemmungen, Dürre es noch braucht, bis der letzte das kapiert hat.

Josef Beck:

Es fehlt an Aufklärung dazu. Bitte klären Sie mich auf, hätte auch gerne ein E-Auto.
1. ZuTeuer in der Anschaffung
2. Reichweite zu kurz.
3. Wo lade ich. Wohnhausanlage mit 1500 Wohneinheiten und ca 500 Garagenplätze Ladestattionen unmöglich
Am Zweitwohnsitz ebenso.
4. Wie soll das in 11 Jahren alles durchgeführt werden?
5. 2035 ist eine Illusion man muß einen Weg finden wobei der Umstieg in den nächsten 25 Jahren fließend sein muß.
6. Es wir letztlich der Konsument entscheiden, was in Zukunft gefahren wird.

pionierska:

„… da andere Länder, etwa Frankreich und Italien „wohl daran festhalten wollen. Sie könnten den Termin schaffen und Deutschland dann als Nachzügler brandmarken, der in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zudem Strafzahlungen an die EU leisten müsste“.“

Mit Bick auf einige östliche EU_Länder vermute ich, dass Deutschland nicht alleiniger Nachzügler sein wird.
Schon bzw. noch heute geringerer Anteil der E-Mobilität gepaart mit geringerem pro Kopf Einkommen.

Vielleicht machbar mit günstigen chinesischen EVs aus ungarischer (und vielleicht polnischer) Produktion?

Jeff:

Das stimmt halt leider gar nicht, weil a) Strom ist bereits über ETS I bepreist, da ändert sich mit ETS II nicht mehr viel. Und b) in Relation zum emittierten CO2 Strom nicht im gleichen Maß teuerer wird als fossiler Treibstoff.

Robert Vaupel:

Was bei der Diskussion über steigende Benzinpreise ab 2027 aufgrund der zu erwartenden höheren CO2 Bepreisung geflissentlich vergessen wird ist, dass dies auch auf den Strompreis durchschlägt, wodurch dieser auch höher wird und damit der mögliche finanzielle Vorteil des e Autos zu nicht macht.

Spiritogre:

Erdgas ist nur minimal besser als Heizöl.
Deswegen ist der Betrieb von Erdgas zum Heizen ab 2045 auch verboten, solange haben die Haushalte Zeit sich eine neue Heizung zu kaufen.

M. Burger:

Kauf dir dann lieber ein CNG Fahrzeug, VW hat die ab Werk gebaut. Wenn du dann Bio CNG tankst, bis du ökologisch gut unterwegs und der Preis liegt bei uns im Moment bei 0,999 ct (bei Aral, die günstigste hier). Ausserdem bestimmt besserer Wiederverkaufswert in 4-5 Jahren, denn die werden nicht mehr gebaut seit 2019 und Nachfrage wird hoch sein. Wir fahren selber einen Seat Arona (ohne jedes technische Problem), aus den gleichen Grund wie du ;-)
https://www.meinauto.de/testberichte/seat-leon-tgi-im-test-2021-hat-der-erdgas-leon-zukunft
https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/autokatalog/marken-modelle/seat/seat-arona-tgi-erdgas/

Fritzel:

Ergasantrieb ist super und sauber
Fahre schon 400000 km

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