Toyotas scheidender Konzernchef Koji Sato hat auf dem jährlichen Zulieferertreffen in Tokio einen ungewöhnlich drastischen Ton angeschlagen. Vor rund 700 Führungskräften aus knapp 500 Unternehmen forderte er die Lieferanten des weltgrößten Automobilherstellers auf, ihre Produktivität deutlich zu steigern. „Wenn sich nichts ändert, werden wir nicht überleben“, so Sato auf der Toyota Supply Partners Convention Ende März. „Ich möchte, dass jeder dieses Krisenbewusstsein anerkennt.“
Die Ansprache war gleichermaßen Appell und Warnung. Sato würdigte die Rolle der Zulieferer bei Toyotas Rekordgewinnen und Rekordabsätzen der vergangenen Jahre, kritisierte zugleich aber Produktionsstillstände durch Rückrufe und Ausfälle. „Wir lassen nach wie vor viele Kunden warten. Viele dieser Stillstände resultierten aus Ausrüstungs- oder Qualitätsproblemen bei Toyota und unseren Zulieferern“, so der Konzernchef. Qualität müsse in jeden Prozessschritt integriert werden, um die Fertigung zu stabilisieren.
Toyota stellte auf der Veranstaltung mehr als ein Dutzend Initiativen vor, die die Wettbewerbsfähigkeit schärfen sollen. Ein zentraler Ansatz ist die Konsolidierung von Software- und Antriebsvarianten über die gesamte Modellpalette. Gleichzeitig führt der Konzern eine neue Richtlinie ein, die als übermäßig streng eingestufte Bauteilspezifikationen abschafft. Das Ziel: Zulieferer von unnötigem Aufwand entlasten, damit sie frei werdende Ressourcen in Zukunftstechnologien investieren können.
Weniger Ausschuss durch gelockerte Qualitätsstandards
Ein konkretes Beispiel dafür ist die sogenannte Smart-Standard-Activity. Bislang mussten Zulieferer Bauteile aussortieren, die zwar funktionsfähig waren, aber kosmetische Mängel aufwiesen – etwa Dachhimmel mit vereinzelten dunklen Punkten oder Lenkräder mit kaum sichtbaren Unebenheiten im Kunststoff. Bei Kabelbäumen führte die bisherige Spezifikation dazu, dass monatlich 10.000 Stück allein wegen verfärbtem Kunststoff verworfen wurden. „Der durchschnittliche Kunde sieht diese Teile nicht einmal“, erklärte Shoji Nishihara, Einkaufsmanager in Toyotas Fahrzeugentwicklung. Die gelockerten Vorgaben senken den Prüfaufwand und die Kosten für die Zulieferer. Toyota hat die Initiative bereits über den japanischen Automobilherstellerverband auf die gesamte Branche ausgeweitet.
Auch bei Ersatzteilen setzt Toyota an. Bislang mussten Zulieferer Werkzeuge und Formen für eine Vielzahl leicht unterschiedlicher Varianten vorhalten – etwa verschiedene Türgriffe in zahlreichen Farben oder Sonnenblenden mit und ohne Spiegel. Künftig werden solche Teile auf wenige gängige Ausführungen konsolidiert, um den Overhead zu senken.
Ein personeller Umbruch begleitet die strategische Neuausrichtung. Satos Ansprache fiel in die letzten Tage seiner Amtszeit als CEO. Am 1. April übernahm der bisherige Finanzvorstand Kenta Kon die Konzernführung. Kon warnte die Zulieferer davor, sich von Toyotas aktuellem Absatzvolumen von rund zehn Millionen Autos pro Jahr in falscher Sicherheit wiegen zu lassen. „Einige mögen angesichts unserer Geschäftszahlen das Gefühl haben, Toyota stehe komfortabel da“, sagte Kon. „Aber das ist ganz sicher nicht der Fall.“ Als eine seiner Prioritäten nannte er die Senkung der Gewinnschwelle. Darüber hinaus will Toyota verstärkt auf Digitalisierung, Fachkräfteentwicklung, effizientere Logistik und eine neue Fahrzeugplattform setzen.
Quelle: Autonews – Toyota CEO Koji Sato warns 484 top suppliers they must boost productivity to survive industry upheaval








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