Genesis Electrified G80 im Test: Unterwegs im Chauffeur-Modus

Genesis Electrified G80 im Test: Unterwegs im Chauffeur-Modus
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Daniel Krenzer

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  —  Lesedauer 6 min

Genesis, die Nobelmarke des südkoreanischen Automobilherstellers Hyundai, hat seine Oberklasse-Limousine Genesis Electrified G80 aufgefrischt. Im ersten Halbjahr war vom Vorgänger zuletzt in ganz Deutschland nur eine niedrige zweistellige Anzahl zugelassen worden. Das für Chauffeurtätigkeiten taugliche gut 5,13 Meter lange Schiff hat für zwei Wochen bei uns für einen Text vorbeigeschaut.

Angetrieben wird der Electrified G80 von Elektromotoren an beiden Achsen, die insgesamt eine Systemleistung von 272 kW (370 PS) liefern. Das macht aus dem leer 2,9 Tonnen schweren Elektroauto noch keinen Rennwagen, sorgt aber dafür, dass er sich angenehm flott mit bis zu 225 Stundenkilometern bewegen lässt und in etwas mehr als fünf Sekunden den Sprint auf 100 km/h schafft. Der neue Akku fasst 94,5 kWh.

Daniel Krenzer

Diese Dinge sind uns während des Testzeitraums am Elektroauto besonders aufgefallen:

Die Pluspunkte des Genesis Electrified G80

Der Komfort vorne: Auf den beiden Vordersitzen fläzt es sich äußerst bequem und vornehm, wozu neben den gut geformten Sitzen, die bei entsprechendem Fahrverhalten automatisch enger und weiter werden, auch die umfangreiche und kräftige Massagefunktion ihren Beitrag leistet. Zudem ist der Innenraum hochwertig verarbeitet und haptisch wie optisch eine Freude. Das Head-Up-Display ist scharf und gut auf die persönlichen Bedürfnisse einstellbar, die Ambientebeleuchtung lässt sich ebenfalls individuell anpassen. Praktischerweise lässt sich der Beifahrersitz auch vom Fahrersitz aus verstellen, was den Zustieg zum besten Platz im Wagen erleichtert…

Der Komfort hinten: Denn wie es sich für eine solche Limousine gehört, sitzt es sich hinten rechts besonders komfortabel. Der Beifahrersitz lässt sich weit nach vorne fahren und zudem neigen, sodass absolut nichts hinten die Beinfreiheit stört. Auch hier ist der Sitzkomfort herausragend, zudem lässt sich die Mittellehne umklappen, womit eine optional konfigurierbare Steuerungseinheit für wichtige Einstellungen wie Radio, automatisches Schließen der Soft-Close-Türen und Sitzheizung und -lüftung zugänglich wird. Eine Massagefunktion gibt es hinten nicht, es sitzt sich dort aber so entspannt, dass das auch gar nicht nötig ist.

Da die hinteren Sitze außen vollwertig sind, ist bei drei Mitfahrern in der zweiten Reihe mittig nicht mehr allzu viel Platz. Und ein Manko für große Menschen gibt es noch: ab 1,80 Meter Körperlänge kann es passieren, dass der Kopf der Decke doch sehr nahe kommt oder sogar anstößt. Bis 1,80 Meter Körpergröße kann man sich aber kaum angenehmer kutschieren lassen. Es gibt sogar einen eigenen Chauffeur-Fahrmodus, bei dem die Abstimmung des Genesis so angepasst wird, dass vor allem hinten das Fahrerlebnis so angenehm wie möglich wird.

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Das Fahrverhalten: Der koreanische Straßenkreuzer liegt satt auf der Straße und federt Unebenheiten wunderbar weg, ohne sich dabei zu weichgepolstert anzufühlen. Je nach Fahrmodi ist das Ansprechverhalten sportlich-dynamisch oder entspannt. Wer das möchte (so wie wir), kann die Rekuperation bis zu einem echten One Pedal Driving erhöhen. Das Lenkrad ist nicht zu leichtgängig, sondern gibt dem Fahrer eine dem großen Fahrzeug angemessene Rückmeldung. Dank der Kamerasysteme ist auch die Navigation im Stadtverkehr angenehm möglich – inklusive Einparken, sofern die Lücke groß genug ist. Und dank der sehr guten Scheinwerfer und blendfreiem Fernlicht ist auch nächtliches Fahren für alle Beteiligten angenehm zu meistern.

Die Assistenzsysteme: An Unterstützungen ist im Electrified G80 alles vorhanden, was man sich von einem modernen Elektroauto wünscht. Die Systeme arbeiten ordentlich und machen selten Fehler, selbst die Verkehrszeichenerkennung hatte im Testzeitraum eine hohe Trefferquote. Spurwechsel lassen sich mit dem Blinker automatisch einleiten, auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Die Navigation funktioniert gut, die Ladeplanung hat zwar noch etwas Luft nach oben, ist aber in der ganzen Hyundai-Gruppe inzwischen deutlich besser als noch vor wenigen Jahren. Der 27 Zoll messende ultrabreite Bildschirm erstreckt sich von hinter dem Lenkrad bis weit in den Beifahrerbereich und lässt sich individuell anordnen – wenn gewünscht, dann auch als Navi-Ansicht im Ultra-ultra-Breitformat.

Die Minuspunkte des Genesis Electrified G80

Das Raumangebot: In der Elektro-Limousine ist (abgesehen von der Höhe) überbordend viel Platz für mitfahrende Menschen vorhanden. Geht es um Gepäck, sieht die Sache aber etwas anders aus. Das beginnt vorne, wo der Platz im riesigen Mitteltunnel kaum für Staufächer genutzt wird. Knifflig ist der Kofferraum, wenn man mal etwas Sperrigeres wie einen Kinderwagen transportieren möchte. Zum einen ist die Luke nicht sonderlich hoch, zum anderen ist der Kofferraum zwar tief, beinhaltet aber im hinteren Teil eine Wölbung, die das Verladen von Gepäck mitunter sehr unpraktisch macht. Unter den doppelten Boden passt zumindest noch das Ladekabel, einen Frunk gibt es ebenfalls nicht. Da dürfte negativ hineinspielen, dass das Auto nach wie vor auf einer Verbrennerplattform steht.

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Die Ladeperformance: Im Electrified G80 lassen sich auch Langstrecken sehr angenehm meistern. Angesichts des großen Akkus und der 800-Volt-Technik aus der Hyundai-Gruppe fällt die Ladeleistung mit maximal 187 kW aber geringer aus als bei einigen Geschwistern in der Hyundai-Gruppe. Das ist zwar Jammern auf hohem Niveau, eigentlich würden wir von solch einem Auto aber Ladeleistungen von 250 kW oder mehr erwarten. Dank des großen Akkus sind bei einem von uns ermittelten durchschnittlichen Verbrauch von 22 kWh pro 100 Kilometer aber immerhin mehr als 400 Autobahnkilometer am Stück drin, ehe nachgeladen werden muss. An manchen Ladesäulen nachteilig ist die Ladebuchse an der Fahrzeugfront, auch in Tiefgaragen mit der Wallbox an der Wand führt das in herkömmlichen Garagen dazu, dass das lange Schiff bis weit in die Durchfahrt ragt, weil vorne etwas Platz gelassen werden muss.

Das SOS-Problem: Unfreiwillig kamen wir bei unseren Ausfahrten zu einem Test des Genesis-Kundenservice. Während der Fahrt erprobte die Mitfahrerin hinten, was sich hinter all den Knöpfen und Hebeln an komfortablen Funktionen verbirgt. Aus der Sitzposition heraus lässt sich dabei die in der Türablage befindliche und prominent platzierte Notfall-Türentriegelung nicht als solche erkennen. So zog sie daran, woraufhin im Tachodisplay Alarm geschlagen wurde und eine rote Kontrollleuchte „SOS“ auftauchte. Da diese auch nach Öffnen und Schließen der Türen sowie Ab- und Aufschließen des Fahrzeugs nicht erlosch, riefen wir zunächst sicherheitshalber die Leitstelle an, falls dort fälschlicherweise ein vom Fahrzeug versendeter Notruf eingegangen sein sollte (war er nicht). Dann wandten wir uns an die Service-Hotline von Genesis, erhielten einige Minuten später einen Rückruf und eine Anleitung, wie das System zu resetten sei. Eigentlich hätte das „SOS“ von alleine wieder verschwinden sollen. Kleiner Tipp an Genesis: Den Hebel könnten auch Kinder recht einfach erreichen, was die Kindersicherung bei zweimaligem Ziehen aushebelt und die Türe öffnet. Vielleicht könnte man ihn etwas besser verstecken.

Fazit

Der Genesis Electrified G80 ist ein toller Dienstwagen, vor allem, wenn man auf einen Fahrer zurückgreifen kann und maximal 1,80 Meter groß ist. Doch auch auf dem Fahrersitz (und dann auch größer) lässt es sich wunderbar aushalten. Die Ladeperformance ist zwar für ein Elektroauto aus der Hyundai-Gruppe nicht optimal, aber muss sich vor europäischen Mitbewerbern in dieser Klasse nicht verstecken. Für das, was das Elektroauto bietet, sind die Preise zudem recht fair kalkuliert.

Los geht es bei etwas mehr als 77.000 Euro, „volle Hütte“ mit Premium-Ausstattung, optionaler Hinterachslenkung und Metalliclackierung etc. sind es dann etwas mehr als 88.000 Euro. Wer aber nicht nur in seinem Dienstwagen leben, sondern auch mal etwas transportieren möchte, der sollte sich das Raumangebot vorher genau anschauen, ob es zu den eigenen Bedürfnissen passt. Und auch effizientere Modelle gibt es in dieser Fahrzeugklasse.

Transparenz-Hinweis: Genesis hat uns das Testfahrzeug für zwei Wochen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies beeinflusst die hier dargelegte ehrliche Meinung jedoch nicht.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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