Tesla führt neues Vergütungssystem für Mitarbeiter ein

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Sebastian Henßler
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Tesla stellt offenbar für seine Beschäftigten weltweit auf ein neues Vergütungsmodell um. Aus internen Dokumenten, die dem Handelsblatt vorliegen, gehe hervor, dass der US-Elektroautobauer künftig stärker auf Geldprämien, Aktienoptionen und Restricted Stock Units (RSU) setze, statt Grundgehälter breit anzuheben. RSU sind Zusagen für Aktien, die Beschäftigten erst nach einer festgelegten Frist tatsächlich übertragen werden.

Wie stark sich das auf die Belegschaft auswirkt, zeigt sich am deutschen Standort Grünheide besonders deutlich. Für den ersten Durchlauf im Frühjahr sei Tesla den Unterlagen zufolge davon ausgegangen, dass mehr als 80 Prozent der dortigen Beschäftigten mindestens eine Zuteilung aus dem neuen Programm erhalten würden. Nach dem zuvor genutzten Verfahren waren es demnach lediglich rund 25 Prozent.

Deutlich schmaler fällt dagegen ein zweites, parallel laufendes Programm zur Anpassung der klassischen Grundgehälter aus. Davon sollen den Dokumenten zufolge nur rund fünf Prozent der Beschäftigten auf Professional- und Management-Ebene profitieren. Zu einer Anpassung bei den sogenannten S-Leveln, zu denen etwa Produktionsmitarbeitende zählen, findet sich in den Unterlagen kein Hinweis.

Tesla bezeichnet die neue Initiative intern als „Equity Refresh“. Sie solle die aktienbasierte Vergütung an neu festgelegte Sollwerte angleichen und sicherstellen, dass „Mitarbeiter in derselben oder ähnlichen Rolle ähnlich bezahlt werden“, heißt es in den Dokumenten. Anfragen dazu ließ der Autobauer unbeantwortet.

Komplexe Rechnung hinter dem neuen Programm

Ursprünglich hatte Tesla das Verfahren in den Dokumenten zum ersten Durchlauf noch als „einmaligen globalen Refresh“ beschrieben. Neuere Unterlagen sehen inzwischen zwei Runden pro Jahr vor, jeweils im ersten und im dritten Quartal.

Grundlage für die Berechnung sind neue Zielwerte für aktienbasierte Vergütung, die Tesla für die jeweiligen Positionen und Karrierestufen festgelegt hat. Diesen Zielwerten stellt das Unternehmen den Wert der Aktienpakete und Optionen gegenüber, die ein Mitarbeitender aus bereits bestehenden Zusagen in den kommenden vier Quartalen erhalten soll. Liegt der ermittelte Wert unter dem internen Ziel, kann Tesla die Differenz mit einer weiteren Zuteilung auffüllen.

Bei Beschäftigten auf den S-Leveln zählt für diese Berechnung der ursprüngliche Wert der Zuteilung. Bei Mitarbeitenden auf Professional- und Management-Stufen berücksichtigt Tesla zusätzlich den aktuellen Marktwert. Durch diese individuelle Lückenrechnung können zwei Beschäftigte in vergleichbaren Positionen laut den Dokumenten zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Vollständig verfügbar wird die zusätzliche Vergütung zudem erst nach vier Jahren. Geldprämien und RSU zahlt Tesla den Dokumenten zufolge in 16 vierteljährlichen Tranchen aus, Aktienoptionen in 48 monatlichen Tranchen. Wer das Unternehmen vorher verlässt, muss auf einen Teil der zugesagten Vergütung verzichten.

Der Autobauer hatte in der Vergangenheit mit hoher Fluktuation zu kämpfen. Im jüngsten Geschäftsbericht bezeichnet Tesla aktienbasierte Vergütung als wirksames Instrument, um Beschäftigte langfristig zu binden. Die Aussicht auf steigende Kurse gleiche die Interessen der Belegschaft an jene der Aktionär:innen an.

Wer beim Aktienprogramm außen vor bleibt

Teslas eigene Beschreibung des Programms und dessen Teilnahmebedingungen passen dabei nur bedingt zusammen. Intern führt der Konzern den Equity Refresh als „nicht leistungsorientierten Prozess“. Gleichzeitig entscheidet die Leistungsbewertung darüber, wer überhaupt teilnehmen darf.

Ausgeschlossen ist demnach, wer im jüngsten Beurteilungszyklus weniger als drei Punkte erreicht hat. Ebenfalls nicht teilnahmeberechtigt sind Praktikant:innen, Werkstudent:innen, Leih- und Zeitarbeitskräfte, bestimmte befristet Beschäftigte sowie Mitarbeitende, deren Ausscheiden bereits feststeht.

Für die Festlegung der neuen Ziel- und Gehaltswerte hat Tesla nach eigenen Angaben eine Gruppe von Unternehmen herangezogen, „mit denen wir um Talente konkurrieren“. Diese Vergleichsgruppe sei vom Board of Directors genehmigt worden und umfasse Firmen aus der Automobil-, Ingenieur- und Hightech-Branche. Ähnliche gestaffelte Aktienzusagen, sogenannte Refresher, vergeben demnach bereits seit längerem auch Unternehmen wie Meta und Microsoft.

Neben dem Equity Refresh plant Tesla den Unterlagen zufolge ein gesondertes Programm für besonders leistungsstarke Mitarbeitende. Für diese „Top Talent“-Auszeichnung kommen ausschließlich Beschäftigte auf Professional- und Management-Ebene infrage, Voraussetzung ist eine durchschnittliche Leistungsbewertung von mindestens 3,5 Punkten. Vergeben werden dabei ausschließlich RSU und Aktienoptionen, einmal jährlich im dritten Quartal. Tesla kündigte zudem an, künftig einmal jährlich zu prüfen, ob Anpassungen bei Gehältern und Zielwerten für die aktienbasierte Vergütung notwendig sind.

Skepsis und Unmut in der Belegschaft

Innerhalb der Belegschaft sorgt das neue System für gemischte Reaktionen. Ein Beschäftigter beschreibt die Situation gegenüber dem Handelsblatt zwiespältig: „Einerseits ist Geld bekommen eine gute Sache“, andererseits erscheine ihm die Bemessung angesichts der teils großen Unterschiede willkürlich. Intern sei das Programm „mega der Aufreger“.

Ein weiterer Beschäftigter bewertet das System als „gute Idee mit komplizierter Ausführung“. Die Mitteilungen dazu seien für viele Mitarbeitende schwer verständlich, das Programm und die zugrunde liegenden Berechnungen „nicht transparent“. Er sei gespannt, „wann der Erste klagt“.

Quelle: Handelsblatt – Interne Dokumente sollen zeigen, wie Tesla die Vergütung ändert

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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