Stellenabbau in der deutschen Autoindustrie höher als erwartet

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Michael Neißendorfer
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  —  Lesedauer 2 min

Der seit 2019 anhaltende Beschäftigungsrückgang in der deutschen Automobilindustrie war absehbar, schon allein aufgrund der seitdem um rund ein Viertel zurückgegangenen Gesamtproduktion. Er fällt aber inzwischen deutlich stärker aus, als es auch die Transformation zur Elektromobilität erklären würde. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Center of Automotive Management (CAM).

Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts belegen demnach: Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 waren in der Branche nur noch rund 691.500 Menschen beschäftigt – der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Gegenüber dem Beschäftigungshöchststand von 834.000 im Jahr 2018 sind das rund 142.500 Arbeitsplätze bzw. ein Rückgang von 17 Prozent.

„Dass der Wandel zur Elektromobilität Beschäftigung kosten würde, haben wir bereits 2017 in unserer CAM-Studie zu den „Beschäftigungstrends der Elektromobilität in Deutschland“ belegt – dieser Effekt war erwartet worden und ist eingetreten“, so Studienleiter Stefan Bratzel. Die damalige Untersuchung bezifferte den Beschäftigungseffekt bei einem Marktanteil von 50 Prozent batterie- und plug-in-elektrischer Fahrzeuge auf minus 135.000 Stellen bzw. -17 Prozent gegenüber 2016.

Genau diese Größenordnung ist inzwischen erreicht – obwohl der tatsächliche Anteil rein batterieelektrischer Neuzulassungen in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 erst bei rund 25 Prozent und der von Plug-in-Hybriden (PHEV) bei 11 Prozent lag und damit deutlich unter der 2017 unterstellten Marke von 50 Prozent.

„Der Stellenabbau, den wir heute sehen, geht damit klar über das hinaus, was der reine Antriebswechsel erklären würde“, so Stefan Bratzel weiter. „Wir beobachten bereits jetzt einen Beschäftigungsrückgang, den unsere damalige Studie erst bei einem sehr viel höheren Elektrifizierungsgrad erwartet hatte. Das zeigt: Ein erheblicher Teil des Rückgangs ist nicht der Transformation selbst, sondern der sich verschlechternden Wettbewerbsposition des Standorts Deutschland zuzuschreiben – hohe Energie- und Arbeitskosten, regulatorische Lasten und zunehmender Konkurrenzdruck durch chinesische Hersteller, auch auf traditionellen Exportmärkten.“

Besonders betroffen sind dem CAM zufolge die Zulieferer: Ihre Beschäftigung sank zum Ende des ersten Halbjahres 2026 um 7,6 Prozent, bei den Fahrzeugherstellern lag der Rückgang bei 6,1 Prozent – beides deutlich über dem Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes insgesamt (-2,7 Prozent).

„Die Transformation an sich hätte diesen Aderlass so früh und in diesem Tempo nicht erfordert“, so Bratzel. „Umso wichtiger ist es, jetzt an den Standortbedingungen anzusetzen, statt den Stellenabbau pauschal der E-Mobilität zuzuschreiben. Gleichzeitig gilt es für die Automobilindustrie Abhängigkeiten in den Transformationsfeldern der Elektromobilität und Software / KI zu reduzieren und kritische bzw. differenzierende Teile beschäftigungsrelevanter Wertschöpfung nach Deutschland zu holen. Gleichzeitig müssen mittel- und langfristig neue Wachstumsfelder, wie etwa automatisiertes Fahren und Robotik, mutig erschlossen werden.“

Quelle: CAM – Pressemitteilung vom 13. August 2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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