Stellantis verschiebt Milliarden-Investition in Illinois

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Sebastian Henßler
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Stellantis, das Unternehmen hinter Marken wie Fiat, Jeep und Chrysler, hat seine geplanten Investitionen in Belvidere, Illinois, auf unbestimmte Zeit verschoben, wie Reuters berichtet. Trotz dieser Entscheidung betone Stellantis, dass das Vorhaben weiterhin Bestand habe und der Tarifvertrag mit der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) nicht verletzt worden sei. Die Gewerkschaft sehe dies jedoch anders und drohe mit landesweiten Streiks, sollten die versprochenen Produktionszusagen nicht erfüllt werden.

Am Montag vergangene Woche machte die UAW demnach deutlich, dass sie Stellantis vorwirft, seine Verpflichtungen zu vernachlässigen. Einige Gewerkschaftsgruppen, die Zehntausende von Arbeitern vertreten, bereiten bereits formelle Beschwerden vor. Sie befürchten, dass Stellantis die Investitionen verzögert, um letztlich durch eine Berufung auf geänderte Marktbedingungen die Verpflichtungen zu umgehen.

Stellantis erklärte vergangene Woche, dass die UAW über die Verzögerung informiert worden sei, und betonte, dass das Unternehmen an seinen Zusagen festhalte. Der überarbeitete Zeitplan sei notwendig, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Der bestehende Tarifvertrag enthält Bestimmungen, die Produktinvestitionen von der Leistung der Werke sowie von Marktveränderungen und der Verbrauchernachfrage abhängig machen.

Im November 2023 hatte Stellantis zugestimmt, in eine neue Batteriefabrik in den USA zu investieren, deren Kosten bei umgerechnet etwa 2,85 Milliarden Euro liegen. Zudem wurde eine Investition von rund 1,33 Milliarden Euro in Belvidere geplant, um dort bis 2027 neue mittelgroße Lastwagen zu produzieren. Für 2024 ist zusätzlich ein Teilevertriebszentrum mit einem Investitionsvolumen von etwa 89 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt hat Stellantis angekündigt, fast 17 Milliarden Euro in neue Projekte zu investieren und bis 2028 etwa 5000 neue Arbeitsplätze in den USA zu schaffen.

Shawn Fain, der Präsident der UAW, betonte am Dienstag, dass die Investitionspläne für Belvidere im Tarifvertrag verbindlich festgelegt seien und die Gewerkschaft beabsichtige, diese vollständig durchzusetzen. Fain äußerte die Befürchtung, dass Stellantis die Wiedereröffnung des Werks in Belvidere so lange verzögern könnte, bis der aktuelle Tarifvertrag ausläuft, um dann Marktbedingungen als Vorwand zu nutzen, das Werk nicht wieder zu öffnen. Er kündigte an, dass die UAW bereit sei, gegen jedes Unternehmen, einschließlich Stellantis, entschlossen vorzugehen, um die Interessen der Arbeitnehmer:innen zu schützen und die Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen.

Letzten Monat hatte das US-Energieministerium angekündigt, Stellantis etwa 298 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um das stillgelegte Werk in Belvidere zu einer Produktionsstätte für Elektroautos umzubauen. Zudem sollen rund 222 Millionen Euro in die Umrüstung des Getriebewerks in Kokomo, Indiana, zur Produktion von Komponenten für E-Autos investiert werden. Das Ministerium wies jedoch darauf hin, dass die Verhandlungen mit den Empfängern der Fördergelder bisher nicht abgeschlossen seien und die Zuweisung der Gelder jederzeit zurückgezogen werden könne.

Quelle: Reuters – Stellantis delays investment plans for Illinois

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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