Stanford-Forscher Prinz: „Emissionsfreie Mobilität ist unerlässlich“

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Der Österreicher Friedrich Prinz ist Professor für Ingenieurswissenschaften an der amerikanischen Elite-Universität Stanford in Kalifornien. Der gebürtige Wiener befasst sich seit Langem mit verschiedenen Aspekten der E-Mobilität. Sein Fokus liegt auf der Mikro- und Nano-Forschung im Energiebereich, wo er an neuen Materialien und Methoden zur effizienten Umwandlung und Speicherung von Energie forscht. Über die Wende zur E-Mobilität hat er eine klare Meinung. In einem von Volkswagen veröffentlichten Interview gibt er diese Preis.

Herr Professor Prinz, Volkswagen spricht sich für einen gesellschaftlichen Fokus auf Elektromobilität in Deutschland und Europa aus. Davon sind nicht alle überzeugt, beschwören die so genannte „Technologieoffenheit“. Wie sehen Sie das?

Ich denke, dass es dringend nötig ist, alle Kräfte zu bündeln. Und hier ist die Elektromobilität alternativlos, sie ist schlichtweg der beste Weg für den Massenmarkt der Mobilität. Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff arbeiten, sind auch sinnvoll – aber vor allem für das Segment von großen, schweren Nutzfahrzeugen mit großer Reichweite. Damit die Mobilitätswende gelingen kann, müssen alle Hand in Hand arbeiten. Eine breite Diskussion ist wichtig und richtig. Es ist gut, dass sie jetzt angestoßen wurde.

Mit Blick aus Kalifornien: Wie weit ist Deutschland bei der Wende zur E-Mobilität?

Politisch betrachtet wurde in Deutschland der strategische Fehler gemacht, die Forschung und Entwicklung von Batterien zu vernachlässigen. Da wurde vielleicht gedacht, dass man sie wahrscheinlich nur für Smartphones und andere mobile Geräte braucht – und man hat sich getäuscht. Aber Deutschland ist im Aufholen begriffen – mit dem Standort-Vorteil, dass es dort Unternehmen gibt, die sehr viel Erfahrung und Expertise in der Fahrzeugherstellung haben. Wenn sie diese gebündelt einsetzen, werden sie wahrscheinlich gleichziehen und langfristig vielleicht sogar auch vorbeiziehen. Bei Autos ist eine hohe und gleichbleibende Qualität elementar – und die bieten aktuell nur wenige andere Hersteller außerhalb Europas.

Was kann Volkswagen tun, um die Wende zur E-Mobilität zu fördern?

Sie tun schon sehr viel. Es ist richtig, jetzt auf das Thema E-Mobilität zu setzen. Ein Mobilitätskonzern von der Größe der Volkswagen AG mit all ihren Marken und den weltweit rund 640.000 Mitarbeitern kann viel bewegen – und tut es. Durch Skalierungseffekte in der Produktion kann der Konzern helfen, E-Mobilität massentauglich zu machen. Außerdem hat die Volkswagen Gruppe die gesellschaftliche Debatte über das Wie, Was und Wann der E-Mobilitäts-Wende in Schwung gebracht. Das war wirklich an der Zeit. Trotzdem: Damit das gelingen kann, und zwar in absehbarer Zeit, sollten alle an einem Strang ziehen.

Welche Bereiche sehen Sie hier in der Pflicht?

Die Industrie, aber natürlich auch die Politik. Es geht ja darum, die richtige Infrastruktur aufzubauen und die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Massenmarkt Elektromobilität attraktiver wird. Es muss Ladestationen geben, es muss Wallboxen geben, und natürlich muss es genug grüne Energie geben. Denn was nutzt ein E-Auto, das weder beim Fahren noch in der Herstellung CO2 und andere Emissionen ausstößt, aber Strom tankt, der aus dem Verbrennen von Kohle stammt? Es muss also die gesamte Gesellschaft anpacken.

Die Mobilitäts-Wende ist zudem eng verknüpft mit der Energiewende. Zum Beispiel müsste das Thema in der Forschungspolitik, der Ausbildungspolitik und der Hochschulpolitik eine stärkere Rolle spielen. Da ist noch viel zu tun! Da wird Forschung, Forschung, Forschung benötigt – all jene Forscher und Ingenieure, die bislang mit Verbrennungsmotoren zu tun hatten, sollten an alternativen Energien und Antrieben arbeiten.

Sie selbst sind am kalifornischen Start-up QuantumScape beteiligt, in das Volkswagen groß investiert hat. Warum ist das wichtig?

QuantumScape erforscht und entwickelt Feststoffbatterien – und wird sie auch auf den Markt bringen. Das ist die Zukunft. Damit Elektromobilität funktioniert, müssen E-Fahrzeuge eine Reichweite haben, die mit der von Verbrennern vergleichbar ist. Aktuell geht das noch nicht. Hier in Kalifornien haben viele Familien ein Elektroauto für kürzere Strecken im Alltag – und einen Verbrenner für längere Ausflüge: Zum Beispiel zum Skifahren in die Berge oder für die Strecke von San Francisco nach Los Angeles. Die aktuellen Batterien leisten das noch nicht. Feststoffbatterien von QuantumScape werden das können. Ich rechne mit drei bis fünf Jahren, bis sie so weit sind.

Wie sinnvoll ist es, Batterien in Deutschland herzustellen, statt sie beispielsweise aus Asien einzukaufen, wie das aktuell geschieht?

Das halte ich für sehr vernünftig. Rund ein Drittel der Wertschöpfung eines Elektroautos geschieht durch die Batterie. Sie wird eines der wichtigsten Produkte der nächsten Jahrzehnte sein, nicht nur im Bereich Mobilität. Das sollte man nicht einkaufen und sich abhängig machen. Da muss man an der Produktion beteiligt sein. Aber wir sprechen hier zu oft nur von Deutschland, das ist im Grunde ja ein Thema für Europa. Die Energiewende kann Deutschland nicht alleine schaffen.

Wie meinen Sie das?

Deutschland hat eine einzigartige Vorreiterposition auf der Welt, was alternative Energien angeht. Viele Länder blicken darauf, was Deutschland macht. Da muss man ein gewisses Risiko eingehen und den ersten Schritt wagen. Wenn das konsequent passiert, wird der Rest von Europa mitgehen – und dann kann man auch die verschiedenen Arten, regenerative Energien zu produzieren, sinnvoll verteilen. Windenergie beispielsweise auf dem Meer, Wasserenergie in den Bergen, Solarenergie im sonnigen Süden. So reduziert man dann auch die geopolitische Abhängigkeit von Öl und Gas. Hier muss ein Umdenken stattfinden, um möglichst rasch nachhaltige Energie nach vorne zu bringen. Generell muss das Thema international angegangen werden, um die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Für wie realistisch halten Sie das?

Ich halte das für durchaus realistisch. Angesichts der globalen Herausforderung durch den Klimawandel ist es unerlässlich, für emissionsfreie Mobilität zu sorgen: im Verkehr, in der Herstellung, in der Energiegewinnung. Natürlich muss dann noch das Verteilungsproblem gelöst werden, mit Zuleitungen und Transport. Aber da bin ich zuversichtlich.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 17.05.2019

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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