Eon: Berechnung zeigt Speicher-Potenzial des bidirektionalen E-Auto-Bestands

Eon: Berechnung zeigt Speicher-Potenzial des bidirektionalen E-Auto-Bestands
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BMW

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der Bestand an bidirektional-fähigen E-Autos, die Strom nicht nur aufnehmen, sondern auch wieder ins Netz zurückspeisen können, wächst stetig. Gleichzeitig sind nun auch bidirektional-fähige Wallboxen auf dem Weg in den Endkundenmarkt. „Mehr als 166.000 E-Autos in Deutschland sind bereits ‚bidi-ready‘, also vorbereitet für das bidirektionale Laden. Ein flächendeckender, umfassender Einsatz der Technologie ist aktuell in der Erprobung“, sagt Filip Thon, CEO von Eon Deutschland, in einer aktuellen Mitteilung des Energieversorgers.

Eine aktuelle Potenzial-Analyse von Eon ergibt demnach, „dass eine solche Schwarmbatterie aus den aktuell schon zugelassenen Fahrzeugen rechnerisch bereits genug Strom speichern könnte, um 1,75 Millionen Haushalte zwölf Stunden lang mit Energie zu versorgen“, erklärt Thon. „Das zeigt, wie sinnvoll es ist, den ohnehin vorhandenen E-Auto-Akku nicht nur für das Fahren, sondern als integrierten Teil unseres Energiesystems zu nutzen.

Für die Berechnung hat Eon den aktuellen Fahrzeugbestand in Deutschland mit Blick auf Bidirektionalität untersucht, die durchschnittliche Batteriegröße dieser E-Autos von 61 Kilowattstunden zugrunde gelegt und angenommen, dass 60 Prozent der Akkukapazitäten nachts flexibel zur Verfügung stehen. Daraus ergebe sich ein Speicherpotenzial für das bidirektionale Laden von knapp 5500 Megawattstunden (MWh).

Selbst wenn nur ein Viertel der Akkukapazität für die bidirektionale Nutzung freigegeben wären, könnten rund 2300 MWh genutzt werden – genug um 730.000 Haushalte eine Nacht lang zu versorgen. Nicht nur in der Masse, auch in der Einzelbetrachtung beeindruckt das rechnerische Potenzial: Der Stromverbrauch eines einzelnen deutschen Haushalts liegt von 17.30 Uhr bis 5.30 Uhr bei durchschnittlich 3,12 Kilowattstunden. Ein einziges bidirektional-fähiges Auto, das über eine bidirektionale Wallbox verbunden ist und 60 Prozent seiner Akkukapazität freigibt, könnte in diesem Zeitraum fast elf solcher Haushalte mit Strom versorgen.

Bidirektionales Laden könnte mehrere Gaskraftwerke ersetzen

Durch eine künftige flächendeckende Nutzung dieser Technologie könnte das Hochfahren von flexiblen Kraftwerken zur schnellen Deckung der Stromnachfrage deutlich reduziert werden. Wenn der aktuelle bidirektional ladefähige Fahrzeugbestand 60 Prozent der Batteriekapazität freigibt, reicht diese Energie, um kurzfristig fünf Stunden lang 2,9 Millionen Haushalte mit Energie zu versorgen. Das entspricht fast der Leistung von vier großen Gaskraftwerken, die dafür stillstehen könnten. Fast eine Million Kubikmeter Erdgas und somit 2000 Tonnen CO2 pro solch einem Einsatz könnten so gespart werden.

Eine Umfrage von Eon, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut Civey zeigt, dass 79 Prozent der E-Autofahrer mit eigenem Haus offen für das bidirektionale Laden seien. Bei denjenigen, die eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben, seien es sogar 83 Prozent.

Etwas an der Realität vorbei

Unsere Meinung zu diesem Thema: So vielversprechend die Berechnungen von Eon auch klingen mögen, mit der Realität haben sie leider nicht viel gemein. Zum einen dürfte kaum ein E-Auto-Fahrer 60 Prozent seiner Akkukapazität freiwillig freigeben wollen, schließlich würde sie fehlen, wenn man am Morgen ins Auto steigt. Außerdem stehen die Garantiebestimmungen der Autohersteller einer so intensiven Nutzung meist entgegen. VW etwa erlaubt für seine V2G-fähigen Fahrzeuge nur eine Nutzung von insgesamt 10.000 kWh. Entsprechend dem Rechenbeispiel von Eon würde das gerade einmal für etwa neun Monate reichen.

Zum anderen ist der Sinn von bidirektionalem Laden eben nicht, dass das E-Auto stundenlang im Dauerbetrieb und Nacht für Nacht mehr als die Hälfte seiner Akkukapazität hergibt. V2G soll vielmehr die Energiewende unterstützen, indem der Strom aus den Autoakkus dafür genutzt wird, die schwankende Erzeugung von Wind- und Solarenergie flexibel und gezielt auszugleichen und Lastspitzen abzufedern. Stundenlange Stromabgabe kann dafür nicht allein die Lösung sein. Und 60 Prozent der Akkukapazität freizugeben auch nicht.

Quelle: Eon – Pressemitteilung vom 07.10.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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