Das Logistikunternehmen FedEx sucht schon seit Jahren nach zuverlässigen Elektrofahrzeugen, die in seiner Zustellflotte zum Einsatz kommen können. Nachdem mit dem Aus von GMs BrightDrop-Transportern ein wichtiger Baustein der Elektrifizierungsstrategie weggefallen ist, setzt man nun auf das US-Start-up Harbinger und hat 2000 elektrische Zustellfahrzeuge bestellt.
Konkret geht es um 2000 vollelektrische Koffer-Transporter der US-Klassen 5 und 6. Der Auftragswert beläuft sich auf insgesamt über 300 Millionen US-Dollar, die E-Fahrzeuge sollen bereits Ende 2027 in den USA und Kanada eingesetzt werden können. Dementsprechend kalkuliert Harbinger mit circa 18 Monaten für den Bau und die Auslieferung der Fahrzeuge.
Das EV-Start-up bezeichnete die Zusammenarbeit bereits als einen der größten verbindlichen Aufträge für elektrische Zustellfahrzeuge überhaupt. Um die Größenordnung für Harbinger besser einordnen zu können, lohnt es sich auch, zu wissen, dass das Unternehmen bis November 2025 insgesamt erst 400 Fahrzeuge gebaut hatte.
Dabei gibt es seitdem bereits enge Beziehungen zwischen FedEx und Harbinger. Das Logistikunternehmen hatte im November 2025 nämlich eine Finanzierungsrunde über 160 Millionen US-Dollar angeführt und damals erstmalig 53 Fahrzeuge bestellt. Überdies sitzt der FedEx-Manager Paul Melander auch im Verwaltungsrat von Harbinger. Den neuen Großauftrag sieht Harbinger-Chef John Harris nun bereits als Beleg dafür, dass sich Elektrofahrzeuge für den Flottenbetrieb rechnen.
800 Millionen Dollar weniger Dieselkosten
Harbinger schätzt, dass jeder E-Transporter die Kraftstoffkosten für FedEx um circa 20.000 US-Dollar pro Jahr senkt. Daraus ergibt sich bei 2000 Fahrzeugen eine jährliche Ersparnis von etwa 40 Millionen US-Dollar. Da die Zustellfahrzeuge auf eine Nutzungsdauer von 20 Jahren ausgelegt sind, kommt Harbinger in seiner Rechnung für FedEx auf eine Gesamtersparnis von rund 800 Millionen US-Dollar.
Im Verhältnis zum Auftragswert käme man so auf einen Überschuss von 166 Prozent. Allerdings sollte bedacht werden, dass es sich bei dieser Amortisierungsrechnung um Herstellerschätzungen handelt. Dabei wird nicht darauf eingegangen, in welchem Maße Strom-, Wartungs- und Ladeinfrastrukturkosten in die Rechnung einfließen. Abgesehen von der finanziellen Ersparnis sollen die Elektrotransporter über ihre gesamte Lebensdauer jedoch auch mehr als 1,7 Millionen Tonnen CO₂ einsparen.
FedEx‘ holpriger Weg zur elektrischen Flotte
Bis 2040 plant das Unternehmen, seine gesamte Pickup-and-Delivery-Flotte zu elektrifizieren. Wichtigste Voraussetzungen dafür sind laut Melander vor allem Leistung, Preis und Ausfallsicherheit der Fahrzeuge. Laut dem Jahresbericht aus dem Geschäftsjahr 2026 betreibt FedEx aktuell 9500 E-Fahrzeuge und mehr als 180.000 motorisierte Fahrzeuge.
Die Vorgeschichte zur Elektrifizierung der Flotte ist jedoch holprig: Schließlich war FedEx Erstkunde der BrightDrop-Transporter von GM, deren Produktion 2025 nach vier Jahren eingestellt werden musste. Harbinger setzt im Vergleich zu BrightDrop, Ford oder Rivian jedoch auf den Bau größerer Fahrzeuge und passt damit sehr gut zum Netzwerkumbau von FedEx, der eben diese größeren Fahrzeuge notwendig macht.
Quellen: Electrek – FedEx believes $300M electric truck spend will save them $800M in diesel / Harbinger – Harbinger Receives Order for 2,000 Electric Trucks from FedEx valued at over $300 Million / FedEx – 2026 Annual Report







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