So viel CO2 sparen Elektro-Lkw ein

So viel CO2 sparen Elektro-Lkw ein
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Designwerk

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Schwere Elektro-Lkw erreichen im Vergleich zu Dieselantrieben beeindruckende Verbrauchswerte: Mit leichtem Transportgut seien Werte von rund 90 kWh pro 100 Kilometer erreichbar – das entspricht etwa 9,2 Litern Diesel, so das Schweizer Unternehmen Designwerk Technologies, das jedes Jahr Fahrzeugdaten aus dem eigenen Flottenmonitoring von aktuell 239 Kundenfahrzeugen auswertet. Diese Daten liefern wertvolle Einblicke in die Praxis – und wie viel CO₂ ein Elektro-Lkw im Vergleich zu seinem Diesel-Pendant einspart.

Ob Diesel- oder Elektrofahrzeug – die wesentlichen Einflussfaktoren auf den Energieverbrauch bleiben gleich: Strecke, Gewicht, Topografie, Fahrweise, Straßen- und Wetterverhältnisse sowie das spezifische Einsatzgebiet. Die Kunden der Schweizer Elektro-Lkw Manufaktur sind mannigfaltig. Als Experte für Elektro-Lkw in Spezialanwendungen liefert Designwerk – vom Kanalreinigungsfahrzeug bis zum Langstreckentransporter – die verschiedensten Fahrzeugtypen.

Die detaillierte Datenauswertung zeigt, wie unterschiedlich der Verbrauch in verschiedenen Anwendungen ausfallen kann. Zwei ausgewählte Beispiele im Vergleich:

  • Anwendung Kanalreinigung: Ein vollelektrischer Kanalreiniger fährt jährlich rund 6000 Kilometer und verbraucht dabei durchschnittlich mehr als 360 kWh pro 100 Kilometer. Der Hauptanteil dieser Energie entfällt jedoch nicht auf die Fahrt, sondern auf den Betrieb der leistungsstarken Spül- und Saugaggregate.
  • Anwendung Verteil- und Fernverkehr: Eine Elektro-Sattelzugmaschine mit einer Batteriekapazität von bis zu 1000 kWh und einer Nutzlast von ca. 40 Tonnen verbraucht im Durchschnitt 130 kWh/100 km. Einige Kunden erreichen mit ihren Designwerk-Fahrzeugen beeindruckende Laufleistungen: Die drei Spitzenreiter legten im Jahr 2024 durchschnittlich mehr als 186.000 Kilometer zurück, einzelne Fahrzeuge überschritten bereits die Marke von 500.000 Kilometern Gesamtfahrleistung. Den tiefsten Wert verzeichnete eine internationale Handelsplattform in Deutschland mit nur 95 kWh/100 km beim Transport von großvolumigen, aber leichten Gütern im B2C-Versandhandel.

Der Vergleich zeigt: Nebenantriebe spielen eine entscheidende Rolle für den Gesamtverbrauch. Fahrzeuge mit energieintensiven Aggregaten wie Betontrommeln oder Hochdruckspülanlagen weisen trotz moderater Fahrleistung einen hohen Verbrauch auf. Ein weiteres Beispiel ist der vollelektrische Schneepflug, der Ende 2024 in Betrieb ging. Mit Frontschild, Seitenschild und Salzstreuer ausgestattet, verbraucht er im Räumdienst durchschnittlich ca. 380 kWh auf 100 km – eine erhebliche Energieeinsparung im Vergleich zur Dieselvariante.

Mehr Reichweite bei gleicher Energie

Die Fahrzeuge der Kundenflotte legten im Jahr 2024 mit ihren E-Lkw insgesamt 8,8 Millionen Kilometer zurück und verbrauchten dabei rund 13 Millionen kWh Strom. Mit der gleichen Energiemenge hätten Diesel-Lkw nur 2,2 Millionen Kilometer zurückgelegt – fast 75 Prozent weniger. Zudem wären die Kraftstoffkosten beim Diesel fast doppelt so hoch gewesen.

Der batterieelektrische Antrieb überzeuge nicht nur in der Effizienz, sondern auch in der CO₂-Bilanz. Die E-Lkw verbrauchten gesamtheitlich 147,5 kWh/100 km im Durchschnitt. Zum Vergleich: Eine Diesel-Lkw-Flotte mit vergleichbaren Anwendungen hätte etwa 40,7 Liter/100 km verbraucht. Insgesamt konnten die Elektro-Lkw im Jahr 2024 fast 10.000 Tonnen CO₂ einsparen. Tank-to-Wheel betrachtet stößt die Elektro-Flotte von Designwerk im Betrieb rund 6,25-mal weniger CO₂ aus als eine äquivalente Diesel-Flotte. Dies entspricht einer Einsparung von 84 Prozent der CO₂-Emissionen.

Verbrauch-Elektro-Lkw-Designwerk
Designwerk

Um diese Einsparungen greifbar zu machen: Würde man das Gewicht der eingesparten CO₂-Emissionen in 40-Fuß-Schiffscontainer füllen (6 Tonnen CO₂ pro beladenem Container), ergäbe sich ein klares Bild:

  • Elektro-Lkw: 317 Container
  • Diesel-Lkw: 1978 Container

Elektro-Lkw leisten somit einen erheblichen Beitrag zur Dekarbonisierung des Transportsektors. Schwere Elektro-Lkw sind nicht nur sauberer, sondern auch langfristig wirtschaftlich nachhaltig. Gerade in Spezialanwendungen können sie ihre Vorteile voll ausspielen – sei es durch niedrigere Energiekosten, verringerte Emissionen oder höhere Energieeffizienz.

Quelle: Designwerk – Pressemitteilung vom 16.04.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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