Škoda-Chef Zellmer: E-Auto für 20.000 Euro nicht machbar

Škoda-Chef Zellmer: E-Auto für 20.000 Euro nicht machbar
Copyright:
Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Škoda-Chef Klaus Zellmer hat sich beim Branchengipfel des Instituts für Automobilwirtschaft (IfA) in Berlin deutlich zur Wettbewerbsfähigkeit der Elektromobilität in Europa geäußert. Seiner Ansicht nach fehlen in Deutschland die Voraussetzungen, um Batteriezellen in großem Maßstab wirtschaftlich zu produzieren. Die Energiepreise seien zu hoch, die Rahmenbedingungen zu komplex, und die Politik unterschätze die Folgen ihres (Nicht-) Handelns.

Zellmer machte am Beispiel der Stromkosten deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen den Regionen sind. In den USA koste eine Kilowattstunde Strom für die Industrie vier bis fünf Cent, in China liege der Preis ähnlich niedrig. In Deutschland sei er dagegen deutlich zweistellig. „Nehmen wir als Beispiel einen Unterschied von zehn Cent, dann bedeutet das Mehrkosten von 500 Millionen Euro am Ende des Jahres“, erklärte der Škoda-CEO. Diese Kostenlücke könne auch durch höhere Effizienz oder Produktivität kaum kompensiert werden. „Das ist wirklich ein Problem, das muss die Politik erkennen“, fügte er hinzu.

Die Konsequenz liege auf der Hand: Investitionen flössen dorthin, wo sich Rendite erzielen lasse. „Wenn das woanders besser möglich ist, weil die gesetzlichen Bestimmungen oder die Energiepreise dies erleichtern, dann werden wir nach hinten durchgereicht“, so Zellmer. Seine Aussage fällt in eine Phase, in der mehrere Großprojekte zur Zellfertigung in Europa ins Stocken geraten sind. Unternehmen wie Northvolt, ACC oder Farasis haben ihre Pläne für neue Fabriken zuletzt verschoben oder ganz aufgegeben.

Grenze für günstige E-Autopreise gesetzt

Neben den Produktionskosten sieht Zellmer auch beim Preisniveau künftiger Elektroautos Grenzen. Einen Elektro-Škoda für rund 20.000 Euro hält er aktuell für wirtschaftlich nicht umsetzbar. Während Volkswagen mit dem geplanten ID.1 ein entsprechendes Einstiegsmodell anstrebt, werde Škoda diesen Weg nicht mitgehen. Der Grund liegt laut Zellmer in den Kosten der Batterietechnik. „Weil die Autos und damit auch die Batterien kleiner sind, muss eine bessere Zellchemie eingesetzt werden, um akzeptable Reichweiten zu erzielen. Das wiederum kostet Geld.“

Statt auf ein rein elektrisches Einstiegsmodell setzt Škoda auf einen schrittweisen Übergang. Die kleineren Baureihen Fabia, Kamiq und Scala sollen bis mindestens Ende des Jahrzehnts als Mild-Hybrid weiterentwickelt werden. Reine Elektroversionen sind für diese Modelle vorerst nicht geplant. „Wir werden unsere Einstiegsmodelle elektrifizieren, aber nicht rein elektrisch ins Rennen schicken“, so Zellmer.

Seine Kritik richtete sich auch gegen das politisch festgelegte Aus für fossile Verbrennungsmotoren in der Europäischen Union ab 2035. Aus seiner Sicht führe das starre Datum in die falsche Richtung. Andere Märkte wie die USA, China oder Indien hätten sich zwar ebenfalls Ziele zur CO₂-Reduktion gesetzt, ließen den Herstellern jedoch mehr Spielraum bei der Umsetzung. Europa sei das einzige Gebiet mit einem verbindlichen Enddatum für den Verbrenner – allerdings mit einer Hintertür für E-Fuels, was in der aktuellen Debatte meist unter den Tisch fällt.

Um die Transformation realistisch zu gestalten, fordert Zellmer ein europäisches Förderprogramm, das die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen berücksichtigt. Wenn CO2-Grenzwerte für alle Mitgliedsstaaten verbindlich seien, müsse es im Gegenzug auch gemeinsame Maßnahmen zur Unterstützung der Elektromobilität geben. Nur so könne der Markt langfristig wachsen.

Insgesamt bleibt Zellmer skeptisch, was die Geschwindigkeit des Wandels betrifft. Vor diesem Hintergrund hält Zellmer das Jahr 2035 als Zieldatum für das Verbrenner-Aus für nicht mehr realistisch.

Quelle: Automobilwoche – Warum Skoda bei Kleinwagen vorerst bei Verbrennern bleibt

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Skoda Elektroautos

Škoda Peaq meistert Extremtests auf drei Kontinenten

Škoda Peaq meistert Extremtests auf drei Kontinenten

Sebastian Henßler  —  

Škoda enthüllt am 23. Juni sein neues Flaggschiff: Der Peaq absolvierte 1,5 Millionen Testkilometer – von minus 40 Grad am Polarkreis bis zur Wüstenhitze.

Premiere: Škoda startet Serienproduktion des Eqip in Spanien

Premiere: Škoda startet Serienproduktion des Eqip in Spanien

Sebastian Henßler  —  

Im Volkswagen-Werk Pamplona hat die Serienproduktion des Škoda Epiq begonnen. Das E-Auto kostet ab rund 26.000 Euro und basiert auf der neuen MEB+-Plattform.

Škoda Peaq: Design des neuen Elektro-SUV enthüllt

Škoda Peaq: Design des neuen Elektro-SUV enthüllt

Sebastian Henßler  —  

Škoda hat erste Skizzen seines elektrischen Siebensitzers Peaq veröffentlicht. Die Weltpremiere des SUV-Flaggschiffs findet am 23. Juni in Frankreich statt.

Škoda-CEO zu Range Extendern: „Nicht zwingend nötig“

Škoda-CEO zu Range Extendern: „Nicht zwingend nötig“

Sebastian Henßler  —  

Škoda-CEO Klaus Zellmer spricht über die Epiq-Produktion in Spanien, eine Rendite über Porsche-Niveau und die Frage, wann 800 Volt kommen.

Škoda Epiq: „Nicht der Günstigste“ – und das ist Absicht

Škoda Epiq: „Nicht der Günstigste“ – und das ist Absicht

Sebastian Henßler  —  

Škoda Epiq ab 25.900 Euro: Zellmer nennt es „Value for Money“ – kein Preiskampf, sondern das bessere Gesamtpaket gegen eine wachsende chinesische Konkurrenz.

Škoda Epiq First Edition: Fakten zum stärksten Epiq-Modell

Škoda Epiq First Edition: Fakten zum stärksten Epiq-Modell

Sebastian Henßler  —  

Die Škoda Epiq First Edition kombiniert das stärkste Antriebspaket mit exklusiven Akzenten, schwarzem Dach und 20-Zoll-Rädern – limitiert verfügbar.

Škoda zeigt erste Innenraumskizzen des Epiq

Škoda zeigt erste Innenraumskizzen des Epiq

Maria Glaser  —  

Škoda hat in dieser Woche weitere Details zu dem elektrischen Modell Epiq bekanntgegeben, darunter Innenraumskizzen sowie den Termin zur Weltpremiere.