Rückruf für 2.200 Polestar 2 in Aussicht – Polestar bezieht Stellung

Rückruf für 2.200 Polestar 2 in Aussicht – Polestar bezieht Stellung
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Polestar

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Der Artikel hat am 03.10.2020 ein Update erhalten – zu finden am Ende des Artikels

Dagens Industri, eine schwedische Wirtschaftszeitung mit Sitz in Stockholm, gibt zu verstehen, dass ein Rückruf aller bisher 2.200 ausgelieferten Polestar 2 bevorstehe. Grund hierfür sei die Tatsache, dass die Fahrzeuge unter mysteriösen Umständen stehen bleiben. Aus dem Bericht der Zeitung geht hervor, dass die Fahrer entweder eine Fehlermeldung oder gar nichts erhalten, und ihre Autos einfach nicht mehr funktionieren. Sie können nicht wieder gestartet werden und die Fahrzeuge müssen zur Reparatur abgeschleppt werden.

Der Publikation zufolge weisen die Autos Softwarefehler auf, die dazu führen können, dass sie auch während der Fahrt abgeschaltet werden. Drei der betroffenen schwedischen Fahrer hätten die Panne unter diesen Umständen erlebt, glücklicherweise wurden bisher keine Unfälle oder Verletzungen gemeldet. Vonseiten Polestar gibt es bisher keine offizielle Stellungnahme. Brent Ellis von der PR-Abteilung von Polestar bestätigte Dager Industri jedoch, dass Brems-, Lenk- und andere Systeme auch dann noch funktionieren, wenn die Autos nicht mehr funktionieren, was wahrscheinlich erklärt, warum es keine Unfälle gegeben hat. Das Software-Problem wurde als „sehr sicherheitskritisch“ eingestuft, was erklärt, warum alle Polestar 2 zurückgerufen werden müssen.

Details zum Rückruf und wie dieser für die 2.200 Einheiten, davon 600 alleine in Schweden, ablaufen sollen, werden mit der Bekanntgabe des Rückrufs durch Polestar erwartet. Gegenüber InsideEVs bestätigten Polestar 2-Fahrer die Probleme: „… ich kann bestätigen, dass auch unser Polestar 2 – der gerade 400 km gefahren ist – am vergangenen Montag die gleichen Fehler erlebte und in die nächste Werkstatt geschleppt wurde. Er ist immer noch dort.“

Ebenfalls gab Polestar-Fahrer Jean-François Dessambre zu verstehen: „Ich habe meine Polestar 2 in Belgien ausgeliefert bekommen. Er wurde nach nur 998 km und 7 Tagen Einsatz stillgelegt. Seit dem 15. September ist er in Reparatur. Nach Angaben des Pole Star Space-Manager von Polestar handelt es sich um eine Sicherheitsvorrichtung, die die Hochspannung und den Heckmotor verbindet. Der hintere Antriebsstrang ist demontiert, und sie würden auf dieses Teil in KW 41 warten.“ Dessambres Stellungnahme passt nicht zu der, der anderen Fälle, welche Dager Industri bekannt sind. Hier ist fraglich, ob die richtige Einschätzung getroffen wurde. Oder ob es sich doch um das gleiche Problem handelt. Wir verfolgen die Situation weiter.

Update #1: Nach Veröffentlichung des Artikels wurden wir von deutschen Polestar 2-Fahrer kontaktiert, welche ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Hierzu können wir wie folgt zitieren:

„Danke für den Artikel über die Probleme beim Polestar 2- ich bin, wie ziemlich viele andere, selbst betroffen, mein Fahrzeug wurde 9 Tage nach Übergabe mit knapp unter 1.000 km in die Werkstatt transportiert, kein Starten mehr möglich. Das Kernproblem ist, dass Polestar Deutschland, anders als Skandinavien, seit Wochen die Probleme kennt, aber vertuscht und schönredet. Auch jetzt spricht man noch in einer Mitteilung ans Deutsche Polestarforum von „in sehr seltenen Fällen“. Dies ist einfach unwahr. Einen offiziellen Rückruf gibt es in D noch nicht, soll nächste Woche kommen.

Man hoffte, sich auf das nächste Software-Update zu retten, und hat weiterhin ganz bewusst defekte Fahrzeuge ausgeliefert, so auch meines. Für mich ein sicherheitsrelevanter Betrug am Kunden. In Berlin wurden bisher ca. 25 Fahrzeuge ausgeliefert, mindesten 6 wurden eingeschleppt. In Potsdam gibt es zwei Polestars, darunter ein sehr „prominentes“ Opfer, beide eingeschleppt.“

Update #2: Mittlerweile haben wir auch vonseiten Polestar Deutschland eine Rückmeldung zum aktuellen Stand der Lage erhalten. So handle es sich bei dem Rückruf um eine freiwillige Maßnahme Polestars und muss als Sicherheitsvorkehrung verstanden werden, so das Unternehmen. „Polestar hat bei einigen Fahrzeugen eine Softwareabweichung im Batterie-Energiekontrollmodul festgestellt, die in sehr seltenen Fällen zu einem Antriebsverlust führen kann. Uns sind bisher 3 Fälle weltweit bekannt, dennoch haben wir uns zu dieser Maßnahme entschlossen“, so Polestar weiter gegenüber Elektroauto-News.net.

Man habe hierzu entsprechend die Regularien eingehalten und die staatlichen Behörden, in Deutschland das Kraftfahrzeugbundesamt, informiert. Des Weiteren sei es so, dass der Fehler durch ein Software Update behoben wird. „Hierzu bitten wir betroffene Kunden einen Polestar Service Point aufzusuchen. Die entsprechenden Kunden werden derzeit informiert und ein Termin organisiert“, so der E-Autohersteller abschließend gegenüber unserem Portal.

Quelle: Dagens Industri – Motorstopp för Polestar – alla bilar återkallas: ”Kritiskt”

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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