Rivian und seine Abhängigkeit von Amazon – eine Betrachtung

Rivian und seine Abhängigkeit von Amazon – eine Betrachtung
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Rivian

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Das Elektroauto-Startup Rivian gilt bereits heute als eines der besten finanzierten Start-Ups in der E-Mobilitätszene. Dennoch bedeutet dies nicht, dass man vor finanziellen Herausforderungen bewahrt bleibt. Im Rahmen des Antrags auf Börsengang des Unternehmens – welcher auf einen Wert von 80 Milliarden US-Dollar geschätzt wird – musste Rivian Auskunft zur finanziellen Situation geben. Zudem wurde bekannt, dass man vom Hauptinvestor Amazon in vielerlei Hinsicht abhängig ist.

Die finanziellen Kennzahlen offenbaren, das Rivian im ersten Halbjahr 2021 einen Nettoverlust von knapp einer Milliarde US-Dollar verzeichnet. Rivian verzeichnete in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 einen Nettoverlust von 994 Millionen Dollar, verglichen mit einem Defizit von 377 Millionen Dollar im Vorjahr, wie aus den Unterlagen hervorgeht.

Bisweilen finanziert sich das Unternehmen vor allem aus bereits durchgeführten Finanzierungsrunden, welche um die 10,50 Milliarden US-Dollar in die eigene Kasse gespült haben. Wir erinnern uns hierzu an die bisherigen Investitionsrunden: Im Februar 2019 kündigte Rivian eine Finanzierungsrunde von 700 Millionen Dollar an, die von Amazon angeführt wurde. Im April des gleichen Jahres kündigte Rivian an, dass die Ford Motor Company 500 Millionen Dollar investiert hat und dass die Unternehmen an einem Fahrzeugprojekt unter Verwendung von Rivians Skateboard-Plattform zusammenarbeiten werden. Im September gab Cox Automotive seine 350 Millionen Dollar-Investition in Rivian bekannt, ergänzt durch Pläne zur Zusammenarbeit in den Bereichen Logistik und Service. Im Dezember schloss Rivian eine Investitionsrunde von 1,3 Milliarden Dollar ab.

Dann im Juli 2020 der Abschluss einer weiteren Investitionsrunde von 2,5 Milliarden Dollar. Mitte Januar 2021 konnte das Start-Up seine erste Finanzierungsrunde in 2021 über die Bühne bringen. Gerade einmal sechs Monate später hat Rivian die nächste Runde in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Wie in der Vergangenheit wurde die Runde von Amazons Climate Pledge Fund, D1 Capital Partners, der Ford Motor Company sowie von Fonds und Konten, die von T. Rowe Price Associates, Inc angeführt.

Insbesondere die starke Bindung zu Investor Amazon sorgt für Aufsehen. Beim Antrag des Börsengangs wurden weitere spannende Details bekannt. Der E-Commerce-Riese hat nach Erhalt des ersten Fahrzeugs von Rivian vier Jahre lang Exklusivrechte an den Lieferfahrzeugen und erhält danach zwei Jahre lang das Vorkaufsrecht für die Lieferwagen. Amazon hat 100.000 Last-Mile-Fahrzeuge bis 2030 bestellt, wobei die ersten 10.000 noch in diesem Jahr geliefert werden sollen. Jedoch geht aus den Unterlagen auch hervor, dass Amazons Logistikeinheit nicht verpflichtet ist, elektrische Lieferfahrzeuge von Rivian zu kaufen – und dass man somit noch immer mit anderen potenziellen Automobilpartnern zusammenarbeiten kann.

Rivian blickt allerdings nicht nur auf Einnahmen aus den bisherigen Investitionsrunden, sondern auch auf die erstattungsfähigen Anzahlung von 1.000 Dollar für ein unverbindliches Recht zum Kauf von R1T- und R1S-Modellen. Für diese beide Modelle, ein Elektro-SUV sowie ein E-Pick-Up, sind bisher 48.390 Anzahlungen eingegangen. Wie das Unternehmen mitteilt, betreibt es aktuell sechs Servicezentren in vier Bundesstaaten, darunter Kalifornien, Illinois und New York, sowie ein 24/7-Servicezentrum in Michigan und 11 mobile Servicefahrzeuge. Rivian verfügt über ein Netz von 169 Ladestationen im ganzen Land, von denen 24 sogenannte Schnellladestationen sind. Rivian beschäftigt weltweit etwa 8.000 Mitarbeiter.

Die Finanzierung bis zum Börsengang und damit neuem Kapitalzufluss scheint gesichert, verfügt das Unternehmen zum 30. Juni über rund 3,7 Milliarden US-Dollar an Barmitteln und Barmitteläquivalenten.

Quelle: Automotive News – Rivian details $1 billion loss, Amazon deal in IPO filing

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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