Der dritte Lauf der Formel-E-Saison 2025/26 in Miami entwickelte sich zu einem Rennen, das weniger von reiner Geschwindigkeit als von Anpassungsfähigkeit geprägt war. Wechselhafte Bedingungen mit anhaltendem Regen stellten Fahrer und Teams im „Sunshine State“ vor eine besondere Aufgabe. Auf dem rutschigen Stadtkurs rückten Strategie, Gefühl für Grip und sauberes Energiemanagement in den Vordergrund. Genau in diesem Umfeld setzte sich Mitch Evans durch und sicherte sich einen Sieg, der in mehrfacher Hinsicht große Bedeutung hatte.
Der Neuseeländer ging mit einem schwierigen Saisonstart im Rücken in das Wochenende. Nach zwei Rennen ohne Punkte startete Evans von Rang neun und gehörte zunächst nicht zum engeren Favoritenkreis. Das änderte sich jedoch mit dem Rennverlauf. Nach einem Start hinter dem Safety Car übernahm zunächst Nico Müller die Spitze, der sich im Qualifying die Pole Position gesichert hatte. Schon früh zeigte sich jedoch, dass unterschiedliche Entscheidungen beim Attack Mode und beim Umgang mit den nassen Bedingungen das Feld immer wieder neu ordnen würden.
Früher Attack Mode sorgt für Bewegung an der Spitze
Besonders auffällig war der Vorstoß von Rookie Felipe Drugovich, der seinen ersten Attack Mode früh einsetzte und dank Allradantrieb sowie 350 kW Leistung zeitweise die Führung übernahm. Der stärker werdende Regen machte diese Phase jedoch unberechenbar. Nach einer Kollision zwischen Drugovich und António Félix da Costa fielen beide aus dem Kampf um den Sieg zurück, wodurch Müller erneut nach vorne rückte. Hinter den Spitzenfahrern begann Evans, sich Position für Position nach vorn zu arbeiten.
Während andere Teams kurzfristig Anpassungen an den Reifendrücken vorgenommen hatten, blieb Jaguar TCS Racing bei der zuvor festgelegten Abstimmung. Diese Entscheidung erwies sich im weiteren Verlauf als goldrichtig. In Runde 27 setzte Evans ein präzises Überholmanöver gegen Müller, nutzte einen kurzen Moment mit besserem Grip und übernahm die Führung. Der Angriff kam ohne Risiko aus, war aber konsequent vorbereitet.
Nach dem Führungswechsel kontrollierte Evans das Rennen. Die zweite Attack-Mode-Phase managte er ohne Positionsverlust, hielt den Abstand konstant und brachte sein Auto sicher ins Ziel. Mit 3,1 Sekunden Vorsprung feierte er seinen 15. Sieg in der FIA Formel E und überschritt zugleich die Marke von 1000 Karrierepunkten. Damit setzte er einen neuen Bestwert in der Serienhistorie.
Doppelpodium für Porsche und starke Aufholjagd von Wehrlein
Hinter Evans belegte Müller Rang zwei, während sich Pascal Wehrlein von Startplatz elf bis auf den dritten Podestplatz nach vorne kämpfte. Für das Porsche Formel-E-Team bedeutete das ein weiteres Doppelpodium und wichtige Zähler in der Team- und Herstellerwertung. Platz vier ging an Joel Eriksson von Envision Racing, der damit sein bestes Ergebnis in der Serie erzielte. Nyck de Vries und Edoardo Mortara komplettierten für Mahindra die Top Sechs.
In der Gesamtwertung blieb trotz eines 16. Platzes Nick Cassidy an der Spitze, da der Sieger von Mexiko-Stadt zuvor ein komfortables Punktepolster aufgebaut hatte. Wehrlein rückte mit nur zwei Zählern Rückstand näher heran, während Porsche seine Führung in beiden Wertungen ausbaute. Titelverteidiger Oliver Rowland kam in Miami nicht über Rang zwölf hinaus.
Nach dem Rennen ordnete Evans den Erfolg nüchtern ein. Er sprach von einem besonderen Moment, nun alleiniger Rekordsieger der Serie zu sein, verwies aber auch darauf, dass ihm der große Titel weiterhin fehle. Abseits des Rennens nutzte die Formel E das Wochenende für ein Rookie-Training mit elf Nachwuchsfahrern und unterstrich damit gemeinsam mit der FIA das Ziel, neue Karrierewege im elektrischen Motorsport zu öffnen. Der Miami E-Prix selbst bot damit nicht nur sportliche Spannung, sondern auch einen Ausblick auf die strukturelle Entwicklung der Serie.
Quelle: ABB FIA Formula E World Championship – Per Mail / E-Formel.de – Mitch Evans krönt sich in Miami zum Formel-E-Rekordsieger: „Der Regen hat mich gerettet“








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