Der französische Reifenhersteller Michelin baut sein Geschäft mit digitalen Flottendienstleistungen aus. Mit Michelin EV Charge führt das Unternehmen eine neue Ladelösung ein, die den Betrieb elektrischer Fahrzeugflotten vereinfachen und vor allem deren Ladekosten senken soll. Der Markt ist allerdings bereits gut besetzt.
Gemeinsam mit dem niederländischen Technologieunternehmen Deftpower hat Michelin eine Plattform entwickelt, die Flottenbetreibern und ihren Fahrern den Zugang zu mehr als 1,2 Millionen öffentlichen Ladepunkten in Europa ermöglichen soll. Dafür stehen eine Ladekarte und eine spezielle Smartphone-App zur Verfügung. Fahrer können damit geeignete Ladestationen suchen, ihre Fahrten planen und Ladevorgänge bezahlen.
Das eigentliche Potenzial der neuen Lösung sieht Michelin allerdings weniger im Zugang zur Ladeinfrastruktur als vielmehr in der Auswertung der dabei entstehenden Daten. Michelin EV Charge wird deshalb vollständig in die bestehende Flottenmanagementplattform MyConnectedFleet integriert.
Ladeverhalten analysieren und Kosten senken
Die Software führt Daten zu Ladevorgängen mit den Telematikdaten der Fahrzeuge zusammen. Flottenmanager können dadurch beispielsweise nachvollziehen, welche Fahrzeuge wann und wo geladen werden, wie viel Energie sie verbrauchen und welche Kosten entstehen.
Auf dieser Grundlage sollen sich besonders teure Ladegewohnheiten identifizieren und gezielt günstigere Alternativen empfehlen lassen. Michelin verspricht transparente Preise ohne zusätzliche Netzwerkgebühren sowie teilweise individuell ausgehandelte Ladetarife.
Technische Grundlage ist die Plattform MSP 2.0 von Deftpower. Der niederländische Anbieter übernimmt damit einen wesentlichen Teil der digitalen Infrastruktur, während Michelin die Lösung in sein bestehendes Angebot für Flottenkunden einbettet.
Konkurrenz durch etablierte Flottendienstleister
Mit diesem Ansatz betritt Michelin allerdings keinen neuen Markt. So bietet beispielsweise DKV Mobility bereits Lösungen für das öffentliche Laden sowie die Abrechnung und Auswertung von Ladevorgängen an. Über das DKV Cockpit können Fuhrparkmanager Transaktionen und Kosten analysieren. Ergänzend lassen sich Lademöglichkeiten am Unternehmensstandort und zu Hause integrieren.
Auch Shell Fleet Solutions verfolgt einen vergleichbaren Ansatz. Die Shell Card ermöglicht den Zugang zu öffentlichen Ladestationen, während der Shell Fleet Hub unter anderem Verbrauchs- und Kostendaten bereitstellt. Unterschiedliche Preiskategorien und die gezielte Auswahl bevorzugter Ladenetze sollen eine bessere Kostenkontrolle ermöglichen. Zudem tummeln sich viele kleinere Anbieter auf dem wachsenden Markt.
Wirtschaftlichkeit rückt stärker in den Mittelpunkt
Michelin erweitert mit EV Charge sein bisheriges Angebot zur Elektrifizierung gewerblicher Fuhrparks. Die neue Lösung ergänzt unter anderem die Analyse von Fahrzeugnutzung, Batterieladezustand und Reichweite. Für Flottenbetreiber dürfte dabei insbesondere die Verknüpfung von Fahrzeug- und Ladedaten interessant sein. Denn hohe Roamingpreise können die Wirtschaftlichkeit elektrischer Dienstwagen erheblich beeinträchtigen. Werden ungünstige Ladevorgänge systematisch erkannt und vermieden, lassen sich entsprechend Betriebskosten einsparen.
Wie groß diese Einsparungen tatsächlich ausfallen, bleibt allerdings offen. Michelin nennt bislang weder konkrete Einsparpotenziale – was angesichts vieler individueller Faktoren auch schwierig ist – noch die vollständigen Konditionen seines neuen Angebots. Entscheidend wird daher sein, ob die Plattform im Flottenalltag tatsächlich günstigere Ladeentscheidungen ermöglicht oder vor allem die bereits verfügbaren Informationen übersichtlicher zusammenführt.
Quelle: Michelin und Deftpower – Pressemitteilungen vom 8. Oktober 2026








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