Mexiko bringt mit dem Olinia Carga ein Elektro-Nutzfahrzeug auf den Markt, das gezielt kleine Betriebe, Händler:innen und Lieferfahrer:innen adressieren soll. Der auch als Olinia 2 bezeichnete Kleinlaster kommt laut Angaben der mexikanischen Regierung Ende nächsten Jahres in den Handel und soll rund 150.000 Pesos kosten, umgerechnet etwa 7600 Euro. Damit positioniert sich das Fahrzeug deutlich unterhalb der Preisspanne klassischer leichter Nutzfahrzeuge. Vorgestellt wurde der Prototyp Ende vergangener Woche im Innenhof des Nationalpalastes in Mexiko-Stadt.
Technisch ist der Olinia Carga auf den innerstädtischen Wareneinsatz zugeschnitten. Er transportiert eine Nutzlast von bis zu 650 Kilogramm und kommt mit einer Reichweite von 120 Kilometern aus. Aufgrund seiner Abmessungen eignet er sich vor allem für kurze Strecken mit niedriger Geschwindigkeit im Stadtverkehr, weniger für Langstrecken oder schwere Lasten. Damit soll er eine Lücke schließen, die bislang zwischen Motorrädern mit begrenzter Ladekapazität und herkömmlichen Nutzfahrzeugen mit höheren Anschaffungs- und Betriebskosten besteht. Für kleine Betriebe und Lieferdienste, die bislang zwischen diesen beiden Optionen wählen mussten, entsteht damit eine neue, günstigere Alternative.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum Pardo erklärte bei der Präsentation, Ziel sei ein Elektrofahrzeug, das speziell auf die Bedürfnisse mexikanischer Familien zugeschnitten sei, mit großer Reichweite, niedrigen Produktionskosten und erschwinglichen Wartungskosten. Der Kleinlaster ist damit Teil eines größeren Vorhabens der Regierung, eine heimische Fertigung für Elektrofahrzeuge aufzubauen. Bereits Anfang Juni hatte Sheinbaum mit dem Olinia 1 das erste Elektroauto aus nationaler Produktion vorgestellt, das sie als „Keimzelle einer neuen nationalen Industrie und eines neuen Innovationsökosystems“ bezeichnete. Der kleine Elektrowagen soll ab dem kommenden Sommer auf mexikanischen Straßen unterwegs sein, der Olinia Carga folgt gut ein Jahr später nach.
Regierung will Produktion schrittweise ausbauen
Bei der Fertigung des Olinia Carga setzt die Regierung zunächst auf überschaubare Stückzahlen. Projektleiter Roberto Capuano Tripp nannte eine Anfangsproduktion von 10.000 Einheiten pro Jahr. Über strategische Allianzen mit nationalen und internationalen Partnern seien perspektivisch bis zu 50.000 Fahrzeuge jährlich möglich. Ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren soll die Regierung im September starten, um passende Industriepartner zu finden.
Wissenschaftsministerin Rosaura Ruiz beschrieb die Anforderungen an mögliche Partner: „Wir werden Partner mit Industrieerfahrung suchen, die eine langfristige Vision zur Wertschöpfung in Mexiko einbringen können. Das Ziel ist klar: ein solides Unternehmen mit mehrheitlich mexikanischem Kapital aufzubauen, das diese Fahrzeuge in unserem Land produzieren kann.“ Damit soll die Wertschöpfung im eigenen Land gehalten werden, statt auf importierte Fahrzeuge oder Komponenten zurückzugreifen. Die Regierung verfolgt mit dem Projekt somit auch industriepolitische Ziele, die über den reinen Fahrzeugverkauf hinausgehen.
Eine zentrale Herausforderung bleibt jedoch die Batteriefertigung. Präsidentin Sheinbaum räumte ein, dass die vorhandenen Produktionskapazitäten derzeit nicht ausreichten. Sie betonte zugleich, dass die Batterien im Inland montiert werden könnten und die entsprechenden Lieferketten schrittweise aufgebaut würden. Wie bedeutsam dieser Baustein ist, verdeutlichte Capuano mit einer Zahl: Die Batteriekosten machten rund 40 Prozent des gesamten Fahrzeugwerts aus. Der Ausbau einer eigenen Zellfertigung dürfte damit über die tatsächliche Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit des Olinia Carga mitentscheiden.
Quelle: Heise.de – Olinia 2: Mexiko stellt E-Lastfahrzeug aus heimischer Produktion vor









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