In der aktuellen Podcast-Folge spreche ich mit Mark Hoelling, Gründer von eScotee und Fachberater für Mikromobilität und Mobilitätsmarketing. Mark beschäftigt sich seit Jahren mit allem, „was kleiner ist als ein Auto und keinen Auspuff hat“. Sein Fokus liegt auf der sogenannten kleinen E-Mobilität – von E-Bikes über Lastenräder und E-Scooter bis hin zu elektrischen Mopeds, Microcars und gewerblichen Speziallösungen.
Was viele unterschätzen: In Stückzahlen ist Mikromobilität längst der größte Teil der E-Mobilität. Rund 17,5 Millionen E-Bikes sind in Deutschland unterwegs, dazu etwa 1,3 Millionen Lastenräder – der Großteil elektrisch – sowie rund 1,5 Millionen E-Scooter. Im Vergleich dazu wirken die gut zwei Millionen Elektro-Pkw fast klein. Marks provokante These: Mikromobilität ist kein Randthema, sondern ein zentraler Hebel der Mobilitätswende.
Spannend wurde es, als wir über Marketing gesprochen haben. Denn wer heute einen elektrischen Motorroller oder ein Microcar verkauft, muss nicht nur sein Produkt vermarkten, sondern gleich eine ganze Kategorie etablieren. Viele Menschen haben diese Optionen schlicht nicht „auf dem Schirm“. Mark spricht hier von „Mental Availability“ – also der Frage, ob eine Mobilitätsoption im entscheidenden Moment überhaupt im Kopf auftaucht.
Mit eScotee verfolgt er deshalb einen Ansatz, den er „Pooled Category Marketing“ nennt. Statt dass einzelne Anbieter um Marktanteile kämpfen, geht es darum, den „Kuchen insgesamt größer zu machen“. Hersteller, die eigentlich im Wettbewerb stehen, werden für gemeinsame Kampagnen oder Events zusammengebracht. Ein Beispiel sind die „New Mobility Days“ in Hamburg, bei denen Showrooms von Elektroauto-Marken temporär zur Bühne für kleine elektrische Fahrzeuge werden. So entsteht Sichtbarkeit – und neue Zielgruppen werden erreicht.
Auch das Thema Infrastruktur haben wir intensiv diskutiert. Marks Sicht: Reichweitenangst ist oft Infrastrukturangst. Und diese sei – zumindest in Westeuropa – größtenteils unbegründet. Aus eigener Erfahrung mit tausenden Kilometern im gemieteten Elektroauto sagt er: „Du brauchst fast keine Ladeplanung mehr“. Statt Milliarden in neue Kaufprämien zu stecken, plädiert er für gezielte Kommunikationskampagnen, die reale Ladeinfrastruktur und gesunkene Preise sichtbarer machen.
Ein weiteres Projekt ist die „Wahl zum Autoersatz des Jahres“, eine mittlerweile große Befragung mit über 10.000 Teilnehmenden, die zeigt, warum Menschen ihr Auto ganz oder teilweise ersetzen möchten. Dazu kommt der geplante Kleinanzeigen-Marktplatz für neue und gebrauchte Mikromobilitätsfahrzeuge – ein weiterer Baustein, um die Kategorie zu professionalisieren.
Besonders interessant fand ich seine Beobachtung zum Stimmungswandel: Offenheit gegenüber kleinen elektrischen Fahrzeugen wächst – sowohl bei Flottenmanagern als auch im Alltag auf der Straße. Statt ideologischer Debatten rücken Kosten, Flexibilität und Fahrspaß in den Vordergrund. „Wir nennen Mikromobilität die Spaßfraktion der Mobilitätswende“, sagt Mark. Und genau das könnte ein entscheidender Faktor sein.
Am Ende haben wir noch den Bogen zu Elektro-Pkw geschlagen: Preisparität rückt näher, Batteriekosten sinken, neue Technologien wie LFP oder Natrium-Ionen-Batterien beschleunigen die Entwicklung. Marks Prognose: Sobald Elektroautos in der Anschaffung günstiger sind als Verbrenner, kommt der große Shift. Nun aber genug der Vorrede – lasst uns direkt in das Gespräch eintauchen.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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