Erleuchtung aus Maranello: Ferrari präsentiert den Luce

Erleuchtung aus Maranello: Ferrari präsentiert den Luce
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Ferrari

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Ferrari hat Anfang der Woche den Innenraum seines ersten vollelektrischen Sportwagens vorgestellt – und zugleich auch dessen Namen offiziell enthüllt: Luce. Das Modell markiert den wohl größten Wendepunkt in der Geschichte der legendären Sportwagenschmiede aus Maranello. „Luce“, italienisch für „Licht“, soll dabei weit mehr sein als eine Modellbezeichnung – es soll ein Statement sein.

Der Luce verkörpert Ferrari zufolge eine neue Markenphilosophie: Innovation ohne Kompromisse, pure Formen, spürbare Energie. Das Interieur verbinde handwerkliche Perfektion mit visionärer Gestaltung. Statt digitalen Überfluss zu zelebrieren, folge die Gestaltung einer klaren, fast meditativen Linie. Alles ist darauf ausgerichtet, den Fahrer in den Mittelpunkt zu stellen – ruhig, fokussiert und emotional zugleich.

Diese Neuausrichtung entstand in enger Zusammenarbeit mit LoveFrom, dem kreativen Studio von Apple-Designikone Sir Jony Ive und Marc Newson. Die Kooperation besteht bereits seit fünf Jahren und hat das Projekt von der ersten Skizze bis zur finalen Umsetzung geprägt. Ive und sein Team erhielten freie Hand, eine neue Design-Sprache für Ferrari zu entwickeln – jenseits klassischer Automotive‑Konventionen, jedoch tief verwurzelt in der DNA der Marke.

Besonderes Augenmerk galt demnach der Materialauswahl: Aluminium-Komponenten bestehen aus vollständig recyceltem Material, CNC-gefräst aus massiven Blöcken und anschließend durch ein präzises Anodisierungsverfahren veredelt. Das Ergebnis soll nicht nur optisch edel, sondern auch technisch überlegen sein: widerstandsfähig, farbstabil und haptisch beeindruckend, so der Hersteller. Ergänzt wird dies durch Corning Gorilla Glass, das erstmals in dieser Form in einem Automobilinnenraum verwendet wird. Es dient als Struktur- und Sichtmaterial auf Bedienelementen, Displays und im zentralen Bedienelement.

Human Interface: Berührung statt Touch

Entgegen dem Trend volldigitaler Cockpits setzt Ferrari beim Luce auf eine klare, analoge Interaktion. Viele Steuerungen sind mechanisch ausgeführt, präzise gefertigt und so gestaltet, dass sie intuitiv bedienbar sind – inspiriert von Formel‑1‑Cockpits und Ferraris Klassikern der 1950er- und 60er‑Jahre.

Das Lenkrad etwa interpretiert das ikonische Drei-Speichen-Design neu. Es besteht aus 19 einzeln gefrästen Aluminiumteilen und ist rund 400 Gramm leichter als bisherige Ferrari-Lenkräder. Auf Wunsch des Entwicklungsteams testeten Ferrari‑Ingenieure und Rennfahrer mehr als 20 Varianten, um die perfekte Balance aus akustischem und mechanischem Feedback zu erzielen.

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Eines der Highlights ist das „Start‑Ritual“: Der Schlüssel aus Gorilla Glass mit integriertem E‑Ink‑Display wird in eine Dockingstation gesteckt und verschmilzt optisch mit der Mittelkonsole – ein Moment, der Technik und Emotion vereine. Danach erwachen Anzeigen und Steuerungen in einer choreografierten Lichtsymphonie.

Die digitalen Anzeigen des Luce wirken dabei bewusst analog: inspiriert von klassischen Veglia‑ und Jaeger‑Instrumenten, umgesetzt mit moderner OLED‑Technologie. Selbst die Typografie ist eine eigens entwickelte Schrift, die Historie und Gegenwart verbindet.

Im Mittelpunkt des zentralen Displays steht der sogenannte Multigraph – eine Kombination aus Uhr, Kompass, Chronograph und Launch‑Control, angetrieben von drei Mikro‑Motoren. Eine Hommage an Ferraris uhrmacherische Präzision und Liebe zum Detail.

Mit dem Ferrari Luce beginnt für das „Cavallino Rampante“ ein neues Kapitel, in dem Tradition und Fortschritt zu einer elektrisierenden Symbiose verschmelzen. Und wenn der „Luce“ tatsächlich für Licht steht, dann dürfte dieser Ferrari zu einem der hellsten Sterne in der Ära der elektrischen Sportwagen werden.

Quelle: Ferrari – Pressemitteilung vom 09.02.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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