Wer mit dem Elektroauto auf der A8 zwischen Stuttgart und München unterwegs ist, dürfte den Sortimo Innovationspark in Zusmarshausen zumindest vom Namen her kennen. Mit 76 Ladepunkten zählt der Standort direkt an der Autobahnausfahrt zu den größten Ladeparks Europas. Doch entscheidend ist nicht allein die schiere Zahl der Stecker. Ein Bericht der Augsburger Allgemeinen zeigt, wie der Ladepark im Alltag angenommen wird – und wo trotz des aufwendigen Konzepts noch Verbesserungsbedarf besteht.
Eine der befragten Nutzerinnen ist Anna-Sophia Hornig aus Bobingen, die beruflich viel mit dem Auto unterwegs ist. Seit 2023 fährt sie elektrisch und profitiert nach eigener Aussage vor allem von den niedrigeren Energiekosten. Angesichts hoher Kraftstoffpreise bezeichnet sie das Elektroauto gegenüber der Zeitung als „derzeit die optimale Lösung“. Laut einem von der Augsburger Allgemeinen zitierten Verivox-Vergleich waren die Energiekosten eines Elektroautos im März bei Nutzung von Haushaltsstrom bis zu 67 Prozent niedriger als bei einem Benziner. Der Vergleich lässt sich allerdings nicht eins zu eins auf öffentliches Schnellladen übertragen, wo die Kilowattstunde meist deutlich mehr kostet.
76 Ladepunkte und deutlich mehr als nur Strom
Zusmarshausen ist dennoch ein gutes Beispiel dafür, dass attraktive Ladeinfrastruktur mehr bieten kann als hohe Ladeleistung. Der 2021 eröffnete erste Bauabschnitt umfasst heute 76 Ladepunkte, darunter zwölf Tesla-Supercharger. Hinzu kommt eine Batteriewechselstation von Nio. Viele der Ladeplätze sind überdacht und barrierefrei. Neben der futuristisch anmutenden Ladelandschaft gibt es Gastronomie, Sanitäranlagen, Aufenthaltsbereiche, einen Kinderspielplatz sowie den Sortimo-Werksverkauf.
Auch bei einem eigenen Besuch des Standorts fiel vor allem dieses Gesamtkonzept auf. Unter dem futuristischen Dach hängen die Kabel der sogenannten Ladepilze von oben, was das Anstecken auch bei unterschiedlichen Ladeanschlüssen erleichtert. Die leistungsstärkeren Ladepunkte bieten bis zu 300 kW. Daneben gibt es zahlreiche günstigere 35-kW-DC-Ladepunkte, die sich gegen Aufpreis für höhere Leistungen freischalten lassen. Im Sommer lagen die Ad-hoc-Preise bei 45 beziehungsweise 59 Cent je Kilowattstunde. Auch Elektrobusse aus der Region nutzen die Anlage.
Ganz reibungslos funktioniert das Laden allerdings offenbar nicht immer. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen berichtet ein Busfahrer, dass die mit bis zu 300 kW beworbenen Ladepilze mitunter lediglich rund 70 kW bereitstellten. Ein anderer Kunde scheiterte zunächst mit seiner Firmenladekarte. Sortimo-Geschäftsführer Klaus Emler räumt ein, dass gerade bei Business-Ladekarten Nachholbedarf bestehe. Seit der Eröffnung 2021 habe sich der Markt stark verändert. Weitere verbreitete Kartenanbieter sollen deshalb integriert werden. Bislang ist die Zahlung vor Ort vorrangig per Kreditkarte oder ein Terminal im Gebäude vorgesehen.
Ladepark mit hoher Aufenthaltsqualität
Emler blickt dennoch optimistisch auf die kommenden Jahre. Der Innovationspark soll sich stärker zu einem öffentlichen Treffpunkt rund um Elektromobilität entwickeln. Modellvorstellungen, Kundentage und Veranstaltungen sollen zusätzliche Besucher anziehen und weitere Einnahmequellen schaffen. Die ursprüngliche Idee habe zunächst für „Kopfschütteln“ gesorgt, sagt Emler – inzwischen habe sich vieles davon etabliert.
Der Standort zeigt damit zugleich, wohin sich Schnellladeparks entwickeln können: Während moderne Elektroautos selbst größere Akkus in 20 bis 30 Minuten wieder weitgehend füllen können, sollten die Mitfahrenden die Zeit sinnvoll nutzen können. In Zusmarshausen gehören Gastronomie, saubere Sanitäranlagen, Grünflächen und Spielmöglichkeiten deshalb genauso zum Konzept wie Ladeleistung und Anzahl der Stecker. Gerade auf der Langstrecke kann das den Unterschied ausmachen zwischen einer notwendigen Ladepause und einem bewusst gewählten Ladestopp.
Quelle: Augsburger Allgemeine – Was an einer Stromtankstelle los ist, wenn die Spritpreise auf Rekordhoch schnellen









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