Tata Motors und die britische Tochtergesellschaft Jaguar Land Rover (JLR) wollen künftig enger zusammenarbeiten. Das haben Führungskräfte beider Unternehmen angekündigt, nachdem eine zentrale Vereinbarung zur gemeinsamen Nutzung einer Fahrzeugplattform aufgelöst wurde. Die Übernahme von JLR durch Tata im Jahr 2008 hatte seinerzeit viele Analyst:innen überrascht, da es zwischen Tatas überwiegend auf Indien ausgerichtetem Angebot an Kleinwagen und Nutzfahrzeugen und der hochwertigen, SUV-geprägten Modellpalette von JLR kaum Berührungspunkte gab.
Über die gesamte Eigentümerschaft hinweg blieben die Fortschritte bei der Verzahnung beider Unternehmen begrenzt, nennenswerte Verbindungen entstanden vor allem über andere Bereiche des Tata-Konzerns wie Tata Consultancy Services. Bewegung in dieses Verhältnis brachten jüngste personelle und strukturelle Veränderungen. Im November 2025 wurde der ehemalige Tata-Motors-Finanzchef PB Balaji zum JLR-Chef ernannt, zudem wurden das Pkw- und das Nutzfahrzeuggeschäft von Tata Motors in zwei eigenständige Unternehmen aufgeteilt.
Bei einem Investorentag von JLR erklärte Balaji, JLR und Tata Motors Passenger Vehicles (TMPV) würden künftig immer häufiger dort zusammenarbeiten, „wo wir glauben, gemeinsam arbeiten zu können und wo Partnerschaften sinnvoll sind“. Im Zentrum dieser Bemühungen steht ein konkretes Sparziel: JLR will die Kosten bis Mitte 2028 um 1,98 Milliarden Euro senken. Automobilanalyst Charles Tennant, ehemals Tata-Motors-Direktor, sieht darin vor allem in der gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugplattformen und IT-Programmen einen Hebel für geringere Kosten und höhere Produktivität.
Chery-Plattform ersetzt Pläne mit JLR
Ausgerechnet ein zentrales Technologieprojekt zwischen beiden Unternehmen wurde jedoch gestoppt. Ursprünglich sollte die neue Tata-Premiummarke Avinya auf der von JLR entwickelten Elektroplattform Electrified Modular Architecture (EMA) aufbauen, die ab 2027 auch neuen mittelgroßen Land-Rover-Modellen zugrunde liegen soll. Im Juni erklärte Tata Motors überraschend, Avinya werde stattdessen auf einer Plattform des chinesischen Herstellers Chery basieren, die bereits die gemeinsam mit JLR eingeführte Marke Freelander in China nutzt.
TMPV-Chef Shailesh Chandra begründete den Schwenk damit, man habe sich der „technischen Reife der Plattform sicher“ sein wollen. Die Chery-Plattform biete Tata zudem „das Wertversprechen, das wir mit Avinya realisieren möchten“, so Chandra, ein Hinweis darauf, dass sie günstiger ausfällt als die EMA-Technologie.
Bislang beschränkt sich die Plattformgemeinschaft zwischen JLR und Tatas Pkw-Sparte auf die SUVs Harrier und Safari, die auf der älteren, von Ford entwickelten D8-Architektur basieren. JLR-Strategiechef Balaje Rajan sieht dennoch weiterhin starke Synergien zwischen beiden Unternehmen, insbesondere bei der Elektrifizierung. Als Beispiel nannte er die Zusammenarbeit mit dem konzerneigenen Batteriehersteller Agratas, der Fabriken in Indien und Großbritannien errichtet. Das Agratas-Werk im Südwesten Englands soll künftig Batterien für bis zu 500.000 Autos pro Jahr liefern und die Elektromodelle von JLR beliefern.
Auch im Lieferantennetzwerk, vor allem bei Software und digitalen Technologien, sieht Rajan Potenzial, da diese Bereiche anders als etwa Motoren nicht direkt an unterschiedliche Produktanforderungen gebunden seien.
Wiederbelebung von Discovery im Blick
Balaji kündigte zudem an, JLR prüfe Möglichkeiten, die Einstiegsmarke Discovery „ernsthaft wiederzubeleben“, ohne bislang Details zu nennen. Denkbar wäre die Nutzung derselben Chery-Plattform wie bei Avinya und Freelander. Als Alternative gilt die neue Partnerschaft zwischen JLR und Stellantis, die für den US-Markt eine kostengünstigere Plattform liefern könnte, da Autos auf chinesischer Plattform unter der Trump-Regierung dort möglicherweise keine Zulassung erhalten.
Tata hat seine Zusammenarbeit mit Stellantis bereits über das Joint Venture Fiat India Automobiles ausgeweitet, zu dem auch die Entwicklung eines neuen Jeep-Modells zählt, und plant gemeinsam mit dem Partner marktspezifische Defender-Modelle für die USA. Parallel dazu prüft Tata eine Zusammenführung der Finanzberichterstattung von Pkw-Sparte und JLR, die rund 80 Prozent des Umsatzes des Pkw-Geschäfts erwirtschaftet, aber bislang separat bilanziert wird. „Es ist nur fair, das Ganze als ein vollständiges Gesamtbild zu betrachten und nicht lediglich als die Summe einzelner Teile“, so Balaji.
Quelle: Automobilwoche – Jaguar Land Rover und Tata rücken enger zusammen









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