Innovationsfähigkeit: Deutschland hinkt den Wettbewerbern hinterher

Innovationsfähigkeit: Deutschland hinkt den Wettbewerbern hinterher
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Deutschlands Innovationskraft stagniert. Im diesjährigen Innovationsindikator verharrt die Bundesrepublik auf Platz 12, während Länder wie die USA, Großbritannien und Frankreich stark aufholen. Ein wesentlicher Grund für Deutschlands Stagnation geht auf die geringe Innovationsleistung der Unternehmen im Land zurück. Deren Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) am Standort entwickeln sich weniger dynamisch als in anderen Nationen. Gerade bei FuE zur Digitalisierung bleibt Deutschland hinter Staaten wie den USA und China zurück. Besonders schwach schneidet die Bundesrepublik weiterhin bei der Wertschöpfung in Hochtechnologiebranchen und bei transnationalen Patenten ab.

Der Innovationsindikator (Link zum kompletten Dokument), den der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Unternehmensberatung Roland Berger am Dienstag auf dem InnoNation Festival in Berlin vorstellten, analysiert seit 2005 die Innovationsfähigkeit wichtiger Volkswirtschaften. Das Innovationsranking, das BDI und Roland Berger mit dem Fraunhofer ISI und dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung erstellt haben, führen erneut kleinere, hochspezialisierte Nationen an: die Schweiz (Rang 1), Singapur (Rang 2) und Dänemark (Rang 3). In den Top Ten folgen auf den Plätzen Schweden, Finnland, Irland, Belgien, die Niederlande, Österreich und Großbritannien.

Schlüsseltechnologien: Stärken, aber auch kritische Schwächen

Bei Schlüsseltechnologien liegt Deutschland auf Rang 4 und gehört in vier von sieben Technologiefeldern zu den Top 5. Spitzenreiter ist Deutschland in der Kreislaufwirtschaft (Rang 1) und stark positioniert bei neuen Materialien (Rang 2) sowie neuen Produktionstechnologien (Rang 5).

Doch in zentralen Zukunftsfeldern ist Deutschland abgehängt: Rang 7 bei digitaler Hardware, Rang 10 in der digitalen Vernetzung und nur Rang 15 in der Biotechnologie. Während andere Länder ihre Position in diesen Feldern ausbauen, droht Deutschland den Innovationswettlauf zu verlieren.

Die Digitalisierung von Waren und Dienstleistungen etwa bleibt deutlich hinter dem internationalen Spitzenniveau zurück. Der geringe Anteil computerimplementierter Erfindungen zeigt: Ohne eine konsequente Digitalisierung verlieren klassische Erfolgsindustrien wie Maschinen- und Automobilbau an Wettbewerbsfähigkeit.

BDI-Präsident Peter Leibinger: „Wir müssen uns Großes zutrauen, nur so entfachen wir neue Innovationsdynamik. Wir sollten uns vornehmen, den ersten funktionsfähigen Prototypen für einen Fusionsreaktor bis 2040 zu realisieren oder führend in der KI für die Industrie zu werden. Dafür müssen wir die notwendigen Foundation Models, also vortrainierte KI-Basismodelle, selbst entwickeln. Dazu braucht es eine Priorisierung der Innovationspolitik, ambitionierte Roadmaps und einen integrierten europäischen Kapitalmarkt.“

Starke in der Forschung, schwach in der Umsetzung

Der Indikator „Effizienz“ misst, wie gut Länder ihre Ressourcen in Innovationen umsetzen. Deutschland liegt hier auf Rang 6. Während die Wissensgenerierung mit 100 Prozent exzellent ist, erreicht die Kommerzialisierungseffizienz nur 61 Prozent. Das zeigt: Deutschland ist Weltspitze in der Forschung aber Mittelmaß bei der wirtschaftlichen Verwertung. Die USA schaffen beides und übersetzen Forschungserfolge rasch in Marktanteile.

Deutschland müsste seine FuE-Ausgaben also nicht nur erhöhen, sondern bereits vorhandene Mittel besser einsetzen. Die Priorität müsse deshalb sein: Wissen schneller in Wertschöpfung überführen – durch besseren Technologietransfer, mehr Wagniskapital für Scale-ups und deutlich weniger Bürokratie.

„Innovation ist der Motor für Wettbewerbsfähigkeit. Deutschland ist jedoch aktuell nicht gut genug bei der Umsetzung von Wissen in marktfähige Innovationen“, sagt Stefan Schaible, Global Managing Partner bei Roland Berger. „Das Know-how ist vorhanden. Jetzt gilt es, Prozesse zu beschleunigen, Wagniskapital zu mobilisieren und mutig in digitale Schlüsseltechnologien zu investieren, um unsere technologische Souveränität zu sichern. Internationale Kooperationen bleiben dabei unerlässlich. Nur mit einer stringenten Innovations- und Investitionspolitik bleibt unser Standort zukunftsfähig.“

Fehlende gesellschaftliche Offenheit als Schwachstelle

Im Offenheitsindex liegt Deutschland auf Rang 13. Wirtschaft und Wissenschaft sind international gut vernetzt, doch die gesellschaftliche Offenheit bleibt vergleichsweise gering. Dabei gilt: Offenere Systeme sind innovativer. Technologische Souveränität im Sinne von Autarkie ist weder möglich noch erstrebenswert. Deutschland muss wechselseitige Abhängigkeiten mit verlässlichen Partnern ausbauen und zugleich Know-how-Abfluss sowie unrechtmäßige Einflussnahme konsequent verhindern. Dabei darf das Land den Zugang zu Spitzentechnologien nicht verlieren.

Nachhaltigkeit: Rückfall auf Rang 7

Deutschland ist im Nachhaltigkeitsindex auf Rang 7 abgestürzt (2024: Platz 3). Trotz politischer Versprechen zeigen sich deutliche Schwächen bei grünen Technologien, bei energiebezogenen FuE-Ausgaben und beim Export nachhaltiger Güter. China hingegen holt mit großen Sprüngen von Rang 20 im Jahr 2024 auf Rang 5 (2025) auf, vor allem aufgrund der Verbesserung beim Indikator „Unternehmen mit Umweltinnovationen“ und massiver Investitionen in grüne Technologien.

Quelle: BDI – Pressemitteilung vom 25.11.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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