Goodyear entwickelt neue Reifentechnologien für Elektroautos und bessere Luft

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Besucher des 88. Internationalen Autosalons können in Genf erstmals einen Blick auf den Goodyear EfficientGrip Performance mit Electric Drive Technology werfen – hinter diesem etwas sperrigen Begriff versteckt sich ein Reifen, der speziell für den Einsatz in Elektroautos konstruiert wurde. Der Prototyp für den wachsenden Markt der Elektroautos soll ab 2019 auf europäischen Straßen zu sehen sein.

Herkömmliche Reifen können aufgrund des kraftvollen und direkten Drehmoments von Elektromotoren und des zusätzlichen Fahrzeuggewichts durch schwere Akkus um bis zum 30 Prozent schneller verschleißen. Dies haben Tests von Goodyear gezeigt. Deshalb nun die Weiterentwicklung.

„Zunehmende Regulierungen zur Emmissionsreduzierung, der Wunsch nach weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und schnelle Fortschritte bei der Akkuentwicklung – all diese Punkte bilden ein ideales Umfeld für Elektrofahrzeuge. In Zusammenarbeit mit Automobilherstellern führen wir im kommenden Jahr die Electric Drive Technology ein, die wir eigens für die speziellen Anforderungen dieses wachsenden Fahrzeugsegments entwickelt haben.“ – Jürgen Titz, Vorsitzender der Geschäftsführung D-A-CH bei Goodyear

Für Automobilhersteller spielt nicht mehr nur die Haltbarkeit der Pneus eine Rolle. Zunehmend wird auch Wert auf verbesserten Rollwiderstand gelegt. Da in den meisten Ländern die Aufladeinfrastruktur nach wie vor unterentwickelt ist, ist für die Autofahrer eine hohe Reichweite sehr wichtig. Hinzu kommt der Wunsch nach Ruhe und Komfort durch die Reifen, denn bei geringer Geschwindigkeit erzeugen Elektroautos nur halb so viel Lärm wie Autos mit Verbrennungsmotor.

Als Antwort auf diese Herausforderungen präsentiert Goodyear den Prototyp EfficientGrip Performance mit Electric Drive Technology mit folgenden Leistungsmerkmalen:

  • Bessere Laufleistung durch innovatives Laufflächendesign: Die schmalen Lamellen in der Lauffläche sorgen dafür, dass mehr Gummi in Kontakt mit der Straße kommt als mit herkömmlichen Querrillen. Dadurch werden die höheren Drehmomente besser ausgeglichen und die guten Eigenschaften auf nasser Fahrbahn beibehalten. Das Profildesign verhindert zudem, dass Schallwellen in die Rillen eindringen. Dadurch werden Reifengeräusche im Innen- und Außenbereich verringert.
  • Hohe Tragfähigkeit: Elektroautos sind durch das Gewicht der Akkus schwerer als herkömmliche Pkw. Deshalb hat Goodyear die Reifenhüllkurve verbessert, um die Aufstandsfläche trotz des erhöhten Gewichts optimal zu halten; der Reifen behält seine hohe Performance.
  • Größere Reichweite: Die Materialeigenschaften der Laufflächenmischung wurden so optimiert, dass der Reifen einen extrem niedrigen Rollwiderstand erhält. Damit wird die Reichweite des Fahrzeugs erhöht. Gleichzeitig kann er die hohen Drehmomente von Elektroautos ausgleichen. Zudem wurde die Seitenwand des Reifens so gestaltet, dass der aerodynamische Luftwiderstand verringert wird. Sein Profil erzeugt weniger rotierende Masse, dadurch wird weniger Energie verbraucht.

Konzeptreifen Oxygene reinigt die Luft und kann Energie erzeugen

Ein weiterer neuer Konzeptreifen, Oxygene genannt, soll dazu beiträgen, dass urbane Mobilität in Zukunft sauberer, komfortabler, sicherer und nachhaltiger wird. Das Besondere: In der Seitenwand des Reifens wächst echtes Moos. Aufgrund seiner offenen Struktur und mithilfe seines intelligenten Laufflächendesigns kann der Oxygene Wasser von der Fahrbahnoberfläche absorbieren und zirkulieren lassen. So wird der Prozess der Photosynthese in Gang gesetzt, der Sauerstoff freisetzt.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mehr als 80 Prozent der Menschen, die in Städten mit gemessener Luftverschmutzung leben, einer Luftqualität ausgesetzt, welche die von der WHO gesetzten Grenzwerte überschreitet.

Der Konzeptreifen Oxygene lehnt sich an das Prinzip der Kreislaufwirtschaft an. Ziel ist es, Materialabfall, Emissionen und Energieverluste zu reduzieren. Auf diese Weise fügt sich der Reifen nahtlos in die Stadtlandschaften der Zukunft ein. Zu seinen Eigenschaften gehören:

  • Er reinigt die Luft, die wir atmen: Mit seiner besonderen Lauffläche nimmt der Oxygene Wasser von der Straße sowie CO2 aus der Luft auf. Er versorgt so das Moos in seiner Seitenwand mit Nährstoffen. Mittels Photosynthese gibt der Reifen wiederum Sauerstoff in die Luft ab. In einer Stadt ähnlich des Großraums Paris mit rund 2,5 Millionen Autos, die auf dem Oxygene rollen, würden auf diese Weise jährlich fast 3000 Tonnen Sauerstoff produziert und mehr als 4000 Tonnen Kohlendioxid absorbiert werden.
  • Er recycelt Altreifen: Oxygene beruht auf einer nicht-pneumatischen Reifenkonstruktion, die per 3D-Druck produziert wird. Verarbeitet wird dabei Gummimehl von recycelten Altreifen. Seine Leichtbaustruktur wirkt stoßdämpfend, ist pannensicher und besonders langlebig. Ziel ist es, das Reifenleben zu verlängern und im Sinne einer sorgenfreien Mobilität den Aufwand für Service und Reparatur zu minimieren. Die offene Struktur des Reifens erhöht dabei zusätzlich die Fahrsicherheit, da sie dabei hilft, Wasser von der Lauffläche zu absorbieren, was die Nasshaftung des Pneus verbessert.
  • Er produziert seine eigene Elektrizität: Der Oxygene speichert die Energie, die der Photosynthese-Prozess freisetzt, um seine eingebettete Elektronik mit Strom zu versorgen. Hierzu gehören eingebaute Sensoren, eine Einheit für künstliche Intelligenz sowie ein sich verändernder Lichtstrahl in der Seitenwand. Dieser ändert seine Farben und kann so andere Verkehrsteilnehmer und Fußgänger auf die nächsten Fahrmanöver hinweisen, etwa ein Fahrbahnwechsel oder ein Abbremsen.
  • In Lichtgeschwindigkeit kommunizieren: Der Konzeptreifen nutzt ein auf sichtbarem Licht beruhendes Kommunikationssystem, auch LiFi genannt, das eine hochleistungsfähige Mobilkonnektivität in Lichtgeschwindigkeit möglich macht. LiFi vernetzt den Reifen mit dem Internet der Dinge für eine Kommunikation von Fahrzeug zu Fahrzeug (V2V) sowie von Fahrzeug zu Infrastruktur (V2I), der Kern von intelligenten Lösungen für das Mobilitätsmanagement.
Bild: Goodyear

„Wie auch die Konzeptreifen, die wir in den vergangenen Jahren in Genf präsentiert haben, soll der Oxygene unser Denken in gewohnten Bahnen in Frage stellen und der Diskussion rund um intelligente, sichere und nachhaltige Mobilität neue Impulse verleihen. Da unser aktueller Konzeptreifen zur Verbesserung der Luftqualität beiträgt, könnte er dabei helfen, die Lebensqualität und Gesundheit von Stadtbewohnern zu verbessern.“ – Jürgen Titz, Vorsitzender der Geschäftsführung D-A-CH bei Goodyear

Quellen: Goodyear – Pressemeldungen vom 6.03.2018

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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