Flugverkehr: E-Fuels bleiben zu knapp und zu teuer

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Tobias Stahl
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Der Flugverkehr muss dringend klimafreundlicher werden – das schreibt auch die Europäische Union vor: Seit Anfang des Jahres müssen Fluggesellschaften in der EU mindestens zwei Prozent ihres Treibstoffbedarfs mit nachhaltig erzeugtem Kerosin decken, sogenanntem Sustainable Aviation Fuel (SAF). Ab 2030 soll diese Quote auf sechs Prozent angehoben werden.

Das hessische Kompetenzzentrum für Klima- und Lärmschutz im Luftverkehr (CENA) kommt im Rahmen seines jüngsten SAF-Reports zu dem Schluss, dass die aktuelle Mindestquote von zwei Prozent SAF im laufenden Jahr voraussichtlich erfüllbar ist. Auch die Steigerung auf eine Beimischungsquote von sechs Prozent SAF ab 2030 sei voraussichtlich erfüllbar, heißt es in dem Report.

E-Fuels kosten immer noch rund zehnmal mehr als herkömmliches Kerosin

Dennoch wird die europäische Luftfahrtindustrie in den kommenden Jahren wohl mit Problemen konfrontiert werden: Ab 2030 müssen laut EU-Vorgaben mindestens 1,2 Prozent des verwendeten SAF sogenanntes e-SAF ein, besser bekannt als E-Fuel. Dabei handelt es sich um vollständig synthetisch erzeugten Flugtreibstoff, der nahezu CO₂-frei ist. Herkömmliches SAF basiert hingegen auf Biomasse und verringert die CO₂-Emissionen im Vergleich zu fossil erzeugtem Kerosin nur um 80 Prozent. e-SAF, das mittels Strom aus erneuerbaren Quellen, Wasserstoff und Kohlendioxid (CO₂) hergestellt wird, ist bislang nur in verschwindend geringen Mengen verfügbar und kostet rund zehnmal so viel wie herkömmliches Kerosin.

CENA kommt im Rahmen seines Reports zu dem Schluss, dass die E-Fuel-Vorgabe für Fluggesellschaften und Treibstoffanbieter mit den derzeitigen weltweiten Kapazitäten nicht realisierbar ist. Vor diesem Ergebnis hatten zuvor auch Fluggesellschaften und zahlreiche Verkehrsexperten gewarnt.

Laut CENA-Berechnungen können bis 2030 weltweit rund 35 Millionen Tonnen SAF produziert werden, davon sollen 400.000 Tonnen aus Deutschland kommen. Die e-SAF-Produktionsmengen dürften indes deutlich geringer ausfallen: Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, will etwa das Unternehmen Ineratec aus Karlsruhe jährlich rund 2500 Tonnen E-Fuel für den Flugverkehr produzieren. Allein am Frankfurter Flughafen, wo auch CENA seinen Sitz hat, werden allerdings rund 15.000 Tonnen Kerosin in Flugzeuge getankt – und zwar täglich.

In Europa soll der SAF-Bedarf im Jahr 2030 bei rund 3,1 Millionen Tonnen liegen, rechnet CENA in dem Report vor. Bis 2040 soll der jährliche Bedarf auf 20 Millionen Tonnen steigen, 2050 könnte der Bedarf bereits rund 48,4 Millionen Tonnen betragen, sofern die Wachstumsprognosen sich bewahrheiten, laut denen der Luftverkehr um durchschnittlich 1,5 Prozent pro Jahr wächst.

NABU: Synthetischer Sprit ist weniger umweltfreundlich als behauptet

CENA resümiert zwar, dass ein europäischer Luftverkehr, der ohne fossiles Kerosin auskommt, machbar sei. Allerdings nur, wenn die SAF-Produktion im industriellen Maßstab weiter zunimmt und das Wachstum auch bei E-Fuels gelingt. Zunächst soll aber Flugtreibstoff auf Basis biogener Masse die entscheidende Rolle spielen. Auch Bioabfälle sind jedoch nicht in unbegrenzter Menge verfügbar, zumal ein bedeutender Teil der anfallenden Biomasse bereits für andere Anwendungen genutzt wird. Die Klimaschutzwirkungen von SAF fallen deutlich geringer aus, wenn die Treibstoffe aus sogenannter Anbaubiomasse hergestellt werden. Anbaubiomasse beschreibt Feldfrüchte, die speziell für die Spritproduktion angebaut werden und somit nicht ohnehin als Biomasse zur Verfügung stünden.

Silvia Brecht vom Naturschutz­bund Deutschland (Nabu) erklärte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland schon Ende 2023: „Die berechneten CO₂-Emissionen sind unvollständig. Insbesondere das freigesetzte CO₂ aus der damit einher­gehenden Entwaldung wird nicht ausreichend berücksichtigt.“ Das gelte für alle Kraftstoffe aus Anbau­biomasse. „Tatsächlich können biogene Kraftstoffe sogar mehr Emissionen verursachen, als sie einsparen“, so Brecht weiter.

Quellen: CENA Hessen – CENA SAF-Outlook 2025-2030 / Frankfurter Allgemeine Zeitung – Warum der Durchbruch bei E-Fuels noch ausbleibt / RedaktionsNetzwerk Deutschland – Sprit aus Pflanzen: Ist das wirklich eine gute Idee?

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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