Fiat Multiplay: Vom Design-Schreck zum Verwandlungskünstler

Fiat Multiplay: Vom Design-Schreck zum Verwandlungskünstler
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die italienische Stellantis-Marke Fiat lässt in Paris einen berühmten Namen indirekt wieder aufleben. Mit dem Multiplay zeigt die italienische Marke eine 4,45 Meter lange Studie, die Van, SUV und Pick-up in einem Fahrzeug vereinen soll. Die Nähe zum Multipla ist dabei kein Zufall. Der ab 1998 angebotene Sechssitzer war zwar ausgesprochen clever konstruiert, ging mit seiner eigenwilligen Front aber zugleich als heißer Kandidat für das vermutlich hässlichste Auto der Automobilgeschichte in die Popkultur ein.

Beim Multiplay dürfte Fiat hoffen, dass diesmal vor allem die inneren Werte Gesprächsstoff liefern. Kern der Studie ist eine „Metamorfosi“ genannte Konstruktion rund um die C-Säule. Ein bewegliches Heckmodul lässt sich längs verschieben. Dadurch wird aus einem geschlossenen Familienfahrzeug mit sechs Sitzen plus einem zusätzlichen flexiblen Platz ein viersitziger Pick-up mit offener Ladefläche.

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Damit bleibt Fiat zumindest einer alten Multipla-Tugend treu: Möglichst viel Nutzwert auf vergleichsweise wenig Verkehrsfläche unterzubringen. Schon der Multipla von 1998 quetschte sechs mehr oder weniger vollwertige Sitzplätze in weniger als vier Meter Fahrzeuglänge. Dass die Designer damals offenbar weniger Platz für ästhetische Zurückhaltung vorgesehen hatten, gehört inzwischen ebenfalls zur Modellgeschichte.

Auch beim neuen Multiplay wird fleißig umgebaut. Der Heckspoiler kann gedreht und anschließend als Fahrradträger für bis zu zwei Räder genutzt werden. Die offene Ladefläche soll Fahrräder, Sportausrüstung oder sperrige Gegenstände aufnehmen können. Fiat möchte damit ein Fahrzeug schaffen, das im Alltag zwischen Familienauto und Freizeittransporter wechseln kann.

Ein siebter Platz für Kind, Hund oder Picknick

Besonders ungewöhnlich fällt der sogenannte „Petsenger Seat“ aus. Das modulare Element kann als Befestigungspunkt für einen Kindersitz, Platz für ein Haustier, Tisch oder Ablage dienen. Ein Teil des Polsters lässt sich sogar abnehmen und als Hundeleine verwenden, in der Tür ist zudem ein faltbarer Napf untergebracht. Auch die dritte Sitzreihe soll mehr sein als die in vielen Siebensitzern bekannte gymnastische Herausforderung. Fiat verspricht dort Platz für zwei Kinder und bei Bedarf sogar für einen Erwachsenen.

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Im Stand lässt sich zudem der Beifahrersitz zum „Sunseat“ umbauen. Dafür wird er nach hinten gedreht, während das Armaturenbrett als Rückenlehne dient. Unter dem Panoramadach entsteht so eine Art Liegesessel. Der alte Multipla brachte Passanten mit seinem Äußeren bisweilen zum längeren Hinschauen – im Multiplay sollen sich offenbar lieber die Insassen entspannt zurücklehnen.

Wassermelone statt Doppelkinn

Auch optisch wird es wieder unkonventionell, allerdings deutlich anders als beim berühmten Ahnen. Das Farbkonzept der Studie des Elektroautos orientiert sich laut Fiat an einer Wassermelone. Grün außen trifft auf Rot- und Rosatöne sowie türkise Akzente im Innenraum. Viele weiche Oberflächen bestehen aus Monomaterial-Textilien, die in einem nahtlosen 3D-Strickverfahren gefertigt werden. Bereiche für Kinder und Haustiere sollen wasserabweisend ausgeführt sein.

Die digitale Technik hält sich hingegen optisch zurück. Ein Display ist in das Armaturenbrett integriert und verschwindet bei ausgeschaltetem Fahrzeug aus dem Blickfeld. Zu Antrieb, Batterie, Reichweite oder Ladeleistung macht Fiat bislang keine Angaben. Das hat einen einfachen Grund: Der Multiplay soll ausdrücklich kein konkretes Serienmodell ankündigen. Fiat bezeichnet die Studie vielmehr als Ideenlabor, aus dem einzelne Lösungen später in Serienfahrzeuge einfließen könnten.

Damit kehrt also nicht der Multipla zurück, sondern vor allem dessen Grundidee. Platz, Flexibilität und ungewöhnliche Lösungen standen schon 1998 im Mittelpunkt. Sollte aus dem Multiplay irgendwann ein Serienauto entstehen, hätte Fiat damit sogar die Chance, eine weitere Multipla-Tradition fortzusetzen: ein Fahrzeug zu bauen, über das garantiert gesprochen wird. Nur diesmal vielleicht etwas seltener über sein „Gesicht“. Apropos Multipla, unter diesem Namen könnte eventuell ein Elektro-Leichtfahrzeug auf den Markt kommen…

Quelle: Fiat – Pressemitteilung vom 11. Oktober 2026

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Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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