Europas größte Batterie-Recycling-Anlage Hydrovolt nimmt Betrieb auf

Cover Image for Europas größte Batterie-Recycling-Anlage Hydrovolt nimmt Betrieb auf
Copyright ©

Northvolt

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Das Batterie-Recycling-Joint-Venture Hydrovolt hat seinen kommerziellen Betrieb aufgenommen, wie Northvolt mitteilt, einer der beiden Joint-Venture-Partner. Hydrovolt, im norwegischen Fredrikstad, ist Europas größte Anlage für das Recycling von Elektroauto-Batterien und dazu in der Lage, gut 12.000 Tonnen an Altakkus pro Jahr zu verarbeiten (entspricht rund 25.000 EV-Batterien).

Mit seinem Prozessdesign soll Hydrovolt etwa 95 Prozent aller Rohstoffe einer Batterie zurückgewinnen und isolieren können, die da wären: Kunststoffe, Kupfer, Aluminium und schwarze Masse (eine pulverförmiger Reststoff, der Nickel, Mangan, Kobalt und Lithium enthält). In der Anlage finden sich mehrere neuartige Konzepte zur Maximierung der Rückgewinnung der Materialien, darunter ein Staubsammelsystem, das sicherstellen soll, dass wertvolle Rohstoffe, die typischerweise in mechanischen Recyclingschritten verloren gehen würden, ebenfalls erfasst werden.

Hydrovolt prüft zudem eine deutliche Erweiterung der Recyclingkapazität innerhalb Europas mit dem langfristigen Ziel, bis 2025 etwa 70.000 Tonnen und bis 2030 gut 300.000 Tonnen Batteriepacks recyceln zu können, was etwa 150.000 EV-Auto-Batterien im Jahr 2025 und mehr als 500.000 im Jahr 2030 entspricht.

„Beim aktuell beginnenden Hochlauf der Elektromobilität fehlen Recyclingkapazitäten, um eine nachhaltige Lösung für die Batterien zu gewährleisten, sobald sie das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Heute ist Hydrovolt so skaliert, dass es das gesamte Volumen der Altbatterien in Norwegen verarbeiten kann. Aber wir versuchen bereits jetzt zu expandieren, um sicherzustellen, dass wir auf die höheren Batterievolumina vorbereitet sind, von denen wir wissen, dass sie kommen werden.“ – Peter Qvarfordt, CEO Hydrovolt

Batterien spielen eine Schlüsselrolle beim weltweiten Übergang zu erneuerbaren Energien“, sagt Arvid Moss, Executive Vice President von Hydro, dem zweiten Joint-Venture-Partner. „Mit Hydrovolt legen wir den Grundstein für eine nachhaltige und zirkuläre Lieferkette für Batterien in Europa. Batterien, die das Ende der Lebensdauer erreichen, erhalten durch die Rückgewinnung von schwarzer Masse und Aluminium ein neues Leben“, so Moss. Aluminium könne mit nur 5 Prozent der anfänglichen Energie recycelt werden, welche für die Herstellung von Primäraluminium erforderlich ist, was es zu einem perfekten Material für die Kreislaufwirtschaft mache.

Das Recycling von Batterien kann massiv zur Nachhaltigkeit der Batterieindustrie beitragen und ist zudem zwingend notwendig für die Erfüllung der kommenden europäischen Vorschriften für Batterien, einschließlich der bevorstehenden obligatorischen Recyclingziele. Vor allem die Rückgewinnung von schwarzer Masse – einem Pulver, das Metalle wie Nickel, Mangan, Kobalt und Lithium enthält – die heutige Abhängigkeit vom Bergbau als Quelle für Primärrohstoffe und alle damit verbundenen relativen Risiken und Schwachstellen verringern.

Das Recycling von Altbatterien ist ein Eckpfeiler, um sicherzustellen, dass der Übergang zur Elektromobilität aus ökologischer Sicht ein echter Erfolg wird“, kommentiert Emma Nehrenheim, Chief Environmental Officer von Northvolt. „Die in der Batterieproduktion verwendeten Metalle sind endlich, aber indem die aus der Erde gewonnenen Rohstoffe durch recycelte Materialien ersetzt werden, können wir nicht nur den CO2-Fußabdruck von Batterien reduzieren, sondern auch die nachhaltige langfristige Nutzung der Lithium-Ionen-Batterietechnologie ermöglichen.“

Die Verarbeitung schwarzer Masse in batteriefähiges Material erfordert eine hydrometallurgische Behandlung, wie sie derzeit im Recyclingwerk Revolt Ett von Northvolt in Skellefteå, Schweden, eingerichtet wird. Bis 2025 wird erwartet, dass Hydrovolt jährlich mehr als 2000 Tonnen schwarze Masse produzieren wird.

Quelle: Northvolt – Pressemitteilung vom 15.05.2022

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Schreib einen Kommentar und misch dich ein! 🚗⚡👇


Ähnliche Artikel

Cover Image for China-Experte: „Fehler sind Teil des Fortschritts“

China-Experte: „Fehler sind Teil des Fortschritts“

Sebastian Henßler  —  

In der aktuellen Podcast-Folge hatte ich die Gelegenheit, mit Dr. Thomas Kiefer zu sprechen – Journalist, Asien-Experte und profunder Kenner der chinesischen Industriepolitik. Seit Ende der 1980er Jahre beobachtet er vor Ort in Shanghai die Entwicklungen, war unter anderem in Joint Ventures wie Shanghai Volkswagen unterwegs und hat über Jahrzehnte hinweg verschiedene Länder Asiens bereist […]

Cover Image for Alpitronic CEO: „Laden muss immer funktionieren“

Alpitronic CEO: „Laden muss immer funktionieren“

Sebastian Henßler  —  

Im exklusiven Interview verrät Philipp Senoner, warum 400 kW für den Massenmarkt reichen, 850 kW und darüber hinaus aber als Sonderlösung kommen werden.

Cover Image for Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Diese 7 günstigen E-Autos unterstützen Plug & Charge

Daniel Krenzer  —  

Stecker rein und einfach losladen: Diese unkomplizierte Art des E-Auto-Ladens gibt es für immer mehr Modelle. Doch welche sind die günstigsten?

Cover Image for Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Volkswagen richtet Produktion auf KI-gestützte Zukunft aus

Michael Neißendorfer  —  

Effizienter, intelligenter und resilienter will Deutschlands größter Autohersteller werden: Dafür setzt der VW-Konzern in der Produktion verstärkt KI ein.

Cover Image for Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Neuer Volvo XC70: Der Plug-in-Hybrid für die Langstrecke

Michael Neißendorfer  —  

Im stadtnahen CLTC-Zyklus fährt der neueste Plug-in-Hybrid von Volvo 200 Kilometer weit. Ob er nach Europa kommt, ist noch offen.

Cover Image for Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Nio: 200.000 Akku-Wechsel in Europa, aber kaum neue Stationen

Daniel Krenzer  —  

Mit der Anzahl der getauschten Akkus geht es für Nio in Europa voran, doch von den 170 geplanten Standorten gibt es bislang nur 60.