Über Europas Batterie-Zukunft: „Unsere Lage ist ernst“

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Simon Voß, ehemaliger Wissenschaftler am PEM-Institut der RWTH Aachen, hat mit der Gründung seines Unternehmens BetterE einen klaren Anspruch: Die europäische Batterieindustrie stärken, vernetzen und beschleunigen. Im Interview mit TraWeBa analysiert er die aktuelle Lage der Branche, benennt strukturelle Herausforderungen – und fordert ein radikales Umdenken im Umgang mit Netzwerken und Wissenstransfer.

Voß macht deutlich: Die Automobilbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der durch den Aufstieg der Batterie als technologische Schlüsselkomponente geprägt ist. „Der Know-how-Träger wird zukünftig die Batterie sein und vom Ökosystem darum bestimmt“, erklärt er. Während Deutschland traditionell mit Fertigungskompetenz bei Verbrennungsmotoren und Karosserien punktete, sieht Voß nun dringenden Handlungsbedarf, um im globalen Batteriewettbewerb – insbesondere gegenüber China und Korea – nicht ins Hintertreffen zu geraten. „Es stellt sich nicht die Frage, ob wir das wollen oder können, sondern vielmehr die Frage, was konkret müssen wir tun?“

Sein Appell: Die europäische Batteriebranche müsse sich schneller, offener und vertrauensvoller vernetzen. Besonders Netzwerke könnten hier ein Schlüsselfaktor sein – allerdings nur, wenn sie gezielt Mehrwert stiften. „Netzwerke sind nur wertschöpfend, wenn sie die richtigen Informationen und Akteure zur richtigen Zeit auf die richtige Art und Weise zusammenbringen“, so Voß. Aktuell gehe jedoch noch zu viel verloren: „Im Moment fällt uns zu viel durch das Netz oder es reißt – siehe Northvolt.“

Dabei sei das Potenzial vorhanden, betont der ehemalige eLab-Geschäftsführer der RWTH: „Wir besitzen ein sehr großes wissenschaftliches Potenzial und verfügen über weltweite Entwicklungs- und Produktionspartnerschaften, speziell bei den OEMs.“ Die Herausforderung liege in der Umsetzung – und in der Überwindung von Rivalitäten. Europa müsse als Einheit auftreten, ohne die Vielfalt seiner Akteure zu verlieren: „Die Diversität ist unsere Stärke.“

Voß sieht auch Netzwerke in der Pflicht, sich weiterzuentwickeln. Der klassische Modus Operandi – jährliche Konferenzen, langsame Entscheidungsprozesse – sei nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen brauche es „eine neue Kommunikationsform – on demand“, digitale, KI-gestützte Plattformen, die Echtzeitinformationen liefern. Persönliche Treffen wie Konferenzen bleiben dabei wichtig – aber eher zum Vertrauensaufbau, denn zum Wissensaustausch: „Großprojekte wie der Bau einer Batterielinie erfordern immense persönliche Integrität, Verlässlichkeit und Loyalität für eine gemeinsame Mission.“

Seine Forderung an bestehende Netzwerke: Sie müssten operativen Mehrwert bieten, Einfluss auf politische und finanzielle Entscheidungen nehmen und ein gemeinsames Ziel verfolgen – den Aufbau eines leistungsfähigen europäischen Batterie-Ökosystems. „Wir haben schließlich für die wirtschaftliche und politische Sicherheit in unserem Land und Europa eine eigenständige Industrie aufzubauen – jetzt!“, betont Voß eindringlich. Mit der BetterE Expedition geht er selbst als Vorbild voran: In einem elektrisch betriebenen Video-Podcast-Studio reist er acht Monate durch Europa, besucht innovative Unternehmen, führt Gespräche mit Branchenführern, veröffentlicht Podcasts und vernetzt Akteure mit seinem Expertenteam. „Von ‚Das ist genial!‘ bis ‚Was soll denn der Schwachsinn?‘ habe ich schon alles gehört“, sagt Voß über das Projekt – und meint damit auch: Innovation braucht Mut.

Sein abschließender Appell: „Traut Euch!“ Nur wer sich in unternehmerisches Risiko begebe, Fehler zulasse und daraus lerne, könne Innovation vorantreiben. Für Voß steht fest: „Unsere Lage ist ernst. Wir haben das Potential – aber nur, wenn wir uns vernetzen und operativ effektiv zusammenarbeiten.“

Quelle: Traweba – Eng und agil vernetzt hat die Batterieproduktion in Deutschland mehr Chancen als Risiken – Das Interview mit Simon Voß

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Pedro G.:

Die Chinesen brauchten 20 Jahre um auf den jetzigen Stand zu kommen ⁉️

ratta:

über wieviele jahrzehnte will man das noch täglich feststellen statt was zu ändern?

Stefan:

Was ist eigentlich mit dem „green deal“ Fonds den Ursula v.d. Leyen ? Sono, Varta, Northvolt, Custom Cells, eGo, StreetScooter……

Der Europäische Grüne Deal ist ein politisches Programm der Europäischen Kommission, das 2019 gestartet wurde, um bis 2050 Klimaneutralität in Europa zu erreichen. Ziel ist es, die europäische Wirtschaft durch grüne Technologien zu stärken, eine nachhaltige Industrie und einen nachhaltigen Verkehr zu schaffen und die Umweltverschmutzung zu reduzieren.
Hauptziele und Maßnahmen:
Klimaneutralität bis 2050:
Die EU strebt an, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Null zu reduzieren.
Reduzierung der Treibhausgasemissionen:
Ein erster Schritt ist die Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % im Vergleich zu 1990.
„Fit für 55“-Paket:
Die EU hat eine Reihe von Vorschlägen zur Überarbeitung und Aktualisierung von EU-Rechtsvorschriften sowie neue Initiativen vorgelegt, um die Klimaziele zu erreichen.
Nachhaltige Wirtschaft:
Der Grüne Deal soll die EU zu einem Vorreiter in den Bereichen erneuerbare Energien, saubere Technologien und Kreislaufwirtschaft machen.
Verkehr und Industrie:
Die EU plant Maßnahmen zur Reduzierung der Emissionen im Verkehrssektor und zur Förderung einer grünen Industrie.
Nachhaltige Finanzierung:
Der Grüne Deal beinhaltet auch Maßnahmen zur Förderung nachhaltiger Investitionen und Finanzierungen.
Ziele in den Bereichen:
Klima:
Senkung der Treibhausgasemissionen und Anpassung an den Klimawandel.
Energie:
Ausbau erneuerbarer Energien, Effizienzsteigerung und Entkohlung der Energieversorgung.
Industrie:
Förderung einer nachhaltigen Industrie, Schaffung von grünen Arbeitsplätzen und Entwicklung von Innovationen.
Verkehr:
Reduzierung der Emissionen im Verkehrssektor, Förderung nachhaltiger Verkehrsmittel und Entwicklung einer intelligenten Verkehrsinfrastruktur.
Landwirtschaft:
Nachhaltige Landwirtschaft, Schutz der Biodiversität und Förderung der Kreislaufwirtschaft.
Umwelt:
Reduzierung der Umweltverschmutzung, Schutz der Biodiversität und Erhaltung von Ökosystemen.
Der Grüne Deal ist ein umfassendes Maßnahmenpaket, das darauf abzielt, die EU zu einem führenden Akteur im Kampf gegen den Klimawandel und für eine nachhaltige Zukunft zu machen.

Stefan:

Dafür ist nicht nur die Union für verantwortlich. Die FDP mit Christian Lindner hat auffällig laut für Verbrenner lobbiert. Es ist noch nie gut gegewesen, wenn priv. Fetische und Portfolio Interessen den Blick für das große Ganze trüben.

Rolando:

Und trotzdem sind wir langsam bei der Energie- und Verkehrswende weil die Fossillobby das so will und CxU sehr korruptionsanfällig ist…. und wenn wir beim Abstauben sind: die H2 Förderungen wären besser bei Batterieförderung angelegt.

Daniel W.:

So wie es ausieht wird Europa neben PV und Windkraft auch bei Batterien den Kürzeren ziehen gegenüber China, dafür haben konservative Politiker gesorgt.

Wir werden in Europa nur mit günstigen Produkten aus China bei der Energie- und Verkehrswende schnell voranzukommen – nicht mit Strafzöllen.

Die Konservativen sollten aufhören mit der Nebelkerze „Technologieoffenheit“ um sich zu werfen und den Verbrenner retten zu wollen.

Neben der Textilbranche und der Unterhaltungselektronik wird in Zukunft auch die Autoindustrie in Richtung Osten ziehen.

In Deutschland bauen die Autokonzerne und deren Zulieferer massiv Stellen ab, ein Ende ist schon absehbar.

Die EU-Batteriebranche kann zwar Subventionen abstauben, aber keine guten Batterien bauen.

In Sachen Bürokratie ist die Politik spitze, aber bei Zukunftsthemen scheitert sie.

Malthus:

Ja klar- „traut euch“.

>https://www.electrive.net/2025/04/30/batteriezellen-entwickler-customcells-ist-insolvent/

Der gute Mann hat aber relativ zeitig aufgehört, Wissen schaffen zu wollen.
https://www.youtube.com/watch?v=NcyFoXom_Qs

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