EU und UK: Wohl drei weitere Jahre keine Zölle auf E-Autos

EU und UK: Wohl drei weitere Jahre keine Zölle auf E-Autos
Copyright:

Shutterstock / 1741798973

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die EU-Kommission hat dem Europäischen Rat eine spezifische einmalige Verlängerung der geltenden Ursprungsregeln für Elektroautos und Batterien im Rahmen des Handels- und Kooperationsabkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich bis zum 31. Dezember 2026 vorgeschlagen. Eigentlich wäre die Verabredung des zollfreien Handels von E-Autos zwischen der EU und dem UK am Jahresende ausgelaufen. Dieser Vorschlag berühre nicht die umfassenderen Ursprungsregeln des Handels- und Kooperationsabkommens, die wie geplant ab 2027 gelten werden, heißt es weiterhin. Darüber hinaus stellt die Kommission zusätzliche Mittel in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro bereit, um die Batterieindustrie in der EU anzukurbeln.

Die Ursprungsregeln für Elektroautos und Batterien im Rahmen des Handels- und Kooperationsabkommens wurden 2020 konzipiert, um Anreize für Investitionen in die Batterieherstellung in der EU zu schaffen. Die 2020 nicht vorhersehbaren Umstände – darunter die Aggression Russlands gegen die Ukraine, die Auswirkungen von Covid-19 auf Lieferketten und der zunehmende Wettbewerb durch neue internationale Subventionsregelungen – hätten zu einer Situation geführt, in der das europäische Batterie-Ökosystem langsamer ausgebaut wurde als zunächst angenommen, führt die Kommission aus.

Vor diesem Hintergrund und angesichts der Bedenken in der europäischen Automobil-, Batterie- und Chemieindustrie habe die Kommission ihren Vorschlag für einen Beschluss des Rates verabschiedet. Gleichzeitig bekräftigt die Kommission ihr politisches Engagement und ihre strategische Unterstützung für die weitere Förderung der Batterieproduktion in der EU.

Zu diesem Zweck wird die Kommission für drei Jahre Finanzmittel in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro für die nachhaltigsten europäischen Batteriehersteller bereitstellen. Dies soll erhebliche Ausstrahlungseffekte auf die gesamte europäische Batterie-Wertschöpfungskette haben, insbesondere auf das vorgelagerte Segment, und die Produktion von Elektroautos in Europa unterstützen.

Der Vorschlag wird nun im Rat erörtert. Mit dem Beschluss des Rates kann der Standpunkt der EU im Partnerschaftsrat, dem höchsten Beschlussfassungsgremium des Handels- und Kooperationsabkommens, festgelegt werden. Die Lösung wurde so auch von Großbritannien bereits gefordert, eine entsprechende Verabschiedung gilt nun als sehr wahrscheinlich.

Habeck hatte sich für diese Lösung stark gemacht

Zuletzt hatte auch Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf eine Verlängerung der Vereinbarung gedrängt. Wenn die Zollbefreiung wegfallen würde, wären ab 2024 britische E-Autos in der EU, aber auch europäische E-Autos in Großbritannien um zehn Prozent teurer. Für die deutschen Autobauer ist Großbritannien weiterhin ein lukrativer Markt, sollten die Fahrzeuge jedoch ab Januar teurer werden, drohen sie Marktanteile einzubüßen. Doch auch die britischen Autobauer setzen zunehmend auf Elektromobilität und möchten ihre Fahrzeuge ebenfalls zu wettbewerbsfähigen Preisen innerhalb der EU anbieten können.

Elektroautos sind von dieser Problematik besonders betroffen, weil vor allem die Batterien, aber teilweise auch andere spezielle Komponenten, bislang kaum in Europa, sondern allen voran in China gefertigt werden. Auch kooperieren viele europäische Hersteller gezielt innerhalb von Joint Ventures mit chinesischen Unternehmen. So knacken Elektroautos besonders schnell die Marke von mehr als 45 Prozent Wertschöpfung außerhalb Europas, ab der Zölle fällig sein sollen. Laut Bloomberg befürchten die Autohersteller in der EU und UK, ohne entsprechende Verlängerung insgesamt 4,3 Milliarden Euro einzubüßen.

Quelle: Europäische Kommission – Pressemitteilung vom 6. Dezember 2023 // Electrive – „Für E-Auto-Zölle zwischen EU und UK zeichnen sich drei Jahre Aufschub ab“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Expertenrat warnt: Deutschland verfehlt Klimaziele wohl deutlich

Expertenrat warnt: Deutschland verfehlt Klimaziele wohl deutlich

Daniel Krenzer  —  

Der Expertenrat für Klimafragen warnt: Deutschland dürfte seine Klimaziele verfehlen. Dies setzt die fossilfreundliche Politik der Bundesregierung unter Druck.

E-Auto-Prämie startet stark: 20.000 Anträge in 24 Stunden

E-Auto-Prämie startet stark: 20.000 Anträge in 24 Stunden

Sebastian Henßler  —  

Die neue E-Auto-Kaufprämie startet mit großem Andrang: Knapp 20.000 Anträge gingen binnen 24 Stunden beim Bundesumweltministerium ein.

T&E: Deutsche Vorschläge zu CO2-Grenzwerten könnten Milliarden kosten

T&E: Deutsche Vorschläge zu CO2-Grenzwerten könnten Milliarden kosten

Tobias Stahl  —  

T&E warnt vor einer weiteren Aufweichung der CO2-Flottengrenzwerte. Die Vorschläge der Bundesregierung würden Milliarden kosten und Arbeitsplätze gefährden.

E-Auto-Kaufprämie ist zurück – so klappt der Antrag

E-Auto-Kaufprämie ist zurück – so klappt der Antrag

Sebastian Henßler  —  

Das BAFA-Portal für Elektroautos ist online. Privatpersonen können jetzt bis zu 6000 Euro Zuschuss beantragen – gestaffelt nach Einkommen und Familiengröße.

Wärmepumpe plus E-Auto spart knapp 2000 Euro pro Jahr

Wärmepumpe plus E-Auto spart knapp 2000 Euro pro Jahr

Michael Neißendorfer  —  

Haushalte in der EU sparen mit Wärmepumpe und E-Auto jährlich mehr als 2200 Euro bei ihren Energiekosten ein – und das im Szenario vor dem Iran-Krieg.

So kann Strom deutlich günstiger werden

So kann Strom deutlich günstiger werden

Daniel Krenzer  —  

Steigende Stromkosten, negative Strompreise und teure Gaskraftwerke: Die Debatte über eine Reform der Merit Order gewinnt an Fahrt.

München: Dieselpreis treibt Verkehrswende im ÖPNV voran

München: Dieselpreis treibt Verkehrswende im ÖPNV voran

Tobias Stahl  —  

Der Dieselpreis-Schock infolge des Irankriegs beschleunigt die Verkehrswende im ÖPNV: Zwei Münchener Busunternehmen wollen Millionenbeträge investieren.