Energieversorger-Tarif-Analyse: „Es braucht mehr Elektroauto-Ladetarife für Zuhause“

Energieversorger-Tarif-Analyse: „Es braucht mehr Elektroauto-Ladetarife für Zuhause“
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Das Magazin Öko-Test hat die Stromtarife in der Bundesrepublik Deutschland genauer angesehen und bewertet. Polarstern seinerseits ist einen Schritt weitergegangen und hat diese detailliert bewertet. Dabei ist man zu dem Ergebnis gekommen: „Es braucht mehr Elektroauto-Ladetarife für Zuhause“.  Über die Hälfte der untersuchten Energieversorger hat überhaupt keinerlei Elektromobilitäts-Angebote im Portfolio.

Sollte doch ein Angebot vorhanden sein, ist die Chance groß, dass es sich um eine Ladekarte für das Laden unterwegs handelt. Angebote, die Hardware zum Laden beinhalten, wie beispielsweise eine Wallbox, bietet etwa jeder vierte untersuchte Energieversorger an.

„Noch schlechter sieht es aus, wenn allein die mit Ökostromqualität „sehr gut“ bewerteten Energieversorger betrachtet werden. Dabei kommt es am Ende genau auf die Stromqualität an, um mit einem Elektroauto wirklich klimafreundlich unterwegs zu sein.“

Ökostrom und dessen Qualität wirken sich auf Ökobilanz aus

Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern, weiß aus der Praxis zu berichten: „Wer ein Elektroauto fährt, dessen Stromverbrauch steigt in der Regel deutlich. Um zu vermeiden, dass die zunehmende Verbreitung von Elektroautos auf Kosten des Klimaschutzes geht und so primär preiswerte Stromprodukte mit fossilen Energien gewählt werden, müssen dringend mehr wirtschaftlich attraktive Ökostrom-Ladetarife angeboten werden.“ So seine Forderung.

Henle, beziehungsweise sein Unternehmen geht hierbei mit gutem Beispiel voran. Mit Wirklich Ökostrom von Polarstern kommt beispielsweise bei IONITY nur Strom, der das Grüner Strom-Label trägt und mehrfach ausgezeichnet ist zum Einsatz. Der grüne Gedanke wird somit auch beim Laden umgesetzt.

Dies ist auch immens wichtig, denn nur mit Ökostrom fährt ein Elektroauto wirklich klimafreundlich. Wie lange es gefahren werden muss, um die CO2-Emissionen der Produktion auszugleichen, dazu gibt es verschiedene Studienergebnisse. Henle weiß zu ergänzen „auch ist das Ergebnis stark abhängig von der Qualität des Ökostroms. Also ob und wie stark in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert wird, welche Qualität die Kraftwerkspartner haben und wie nachhaltig die Lieferkette inklusive des Energieversorgers ist.“

Elektroauto-Ladetarife setzen auf reduzierten Arbeitspreis

Polarstern konnte ebenfalls festhalten, dass E-Auto-Ladetarife, verglichen zu klassischem Haushaltsstrom, einen reduzierten Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Bei HT/NT-Tarifen laden Elektroautofahrer spätabends und nachts zu Zeiten schwacher Stromnachfrage vergünstigten Strom.

Künftig werden intelligente Ladestationen weitere Tarifmodelle ermöglichen, ist sich Florian Henle von Polarstern sicher. Indem sie ebenfalls eine effiziente Steuerung der Stromnetze unterstützten, würden auch hier die Strompreise günstiger.

Interessant ist dabei auch die Aussage: „Wer zuhause lädt, kann nicht nur die Qualität des Ökostroms bestimmen, den er lädt, sondern auch die Kosten.“ Denn im Allgemein wird für eine Kilowattstunde Strom zuhause selten über 30 Cent gezahlt. An öffentlichen Ladestationen sind es hingegen schnell mehr als das Doppelte oder gar das Dreifache. Wird pro Ladevorgang statt geladener Kilowattstunde abgerechnet, kann es schnell richtig teuer werden. Am günstigsten ist das Laden zuhause mit selbst erzeugtem Solarstrom. Das kostet derzeit nur zwischen 8 bis 10 Cent je Kilowattstunde.

Quelle: Polarstern – Pressemitteilung vom 05. September 2019

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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