Touchscreen statt Knöpfe, Laden statt Tanken, App statt Kreditkarte: Das E-Auto bringt Veränderungen mit sich, die weit über den Antrieb hinausgehen. Im Schweizer Podcast „Elektrogeflüster“ haben die Hosts Andreas Engel und Wilma Fasola in ihrer jüngsten Folge der Frage nachgespürt, ob ältere Generationen beim Umstieg auf Elektromobilität vor besonderen Hürden stehen – und dafür zwei Personen im Rentenalter zu Wort kommen lassen.
Die These liegt nahe: Wer jahrzehntelang mit Schaltgetriebe, physischen Tasten und einem Tankstellen-Netz aufgewachsen ist, das wie selbstverständlich funktioniert, tut sich mit einem grundlegenden Systemwechsel schwerer. Cockpits ohne Knöpfe, digitale Außenspiegel, Infotainment-Systeme, die sämtliche Funktionen hinter Glasflächen verbergen – selbst jüngere Fahrer:innen berichten von Eingewöhnungsphasen. Der eigene Praktikant habe beim Test eines Suzuki e-Vitara angemerkt, wie herausfordernd die rein touchbasierte Bedienung gerade für jene sein dürfte, die mit dem Vorgängermodell groß geworden seien.
Neueste Zahlen aus einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Energie zeichnen allerdings ein differenzierteres Bild: Fast zwei Drittel der befragten E-Auto-Besitzenden in der Schweiz sind über 45 Jahre alt, rund 70 Prozent besitzen Wohneigentum, knapp die Hälfte eine Photovoltaikanlage. Wer bereits einen Stromer fährt, entspricht demnach eher dem Bild der etablierten, technikaffinen Mittelgeneration – nicht dem der jungen Digital Natives.
Wenn Gewohnheit stärker wiegt als Technik
Margitta Engel, 73, lebt in Deutschland und hat sich beim Autokauf vor eineinhalb Jahren bewusst wieder für einen Benziner entschieden. Ihre Begründung: Lange Strecken in die Schweiz, eine unübersichtliche Ladeinfrastruktur und der Zeitaufwand beim Nachladen unterwegs. Hinzu kommen Berichte aus dem Bekanntenkreis über liegengebliebene Fahrzeuge und Brände – Geschichten, die hängenbleiben, auch wenn vergleichbare Vorfälle bei Verbrennern kaum mediale Aufmerksamkeit erhalten. „Man ist ein Gewohnheitsmensch“, sagt sie im Podcast. „Ein E-Auto ist immer noch ein bisschen was Besonderes für uns.“ Grundsätzlich abgeneigt ist sie jedoch nicht: Mit besserer Ladeinfrastruktur, günstigeren Preisen und einer eigenen Probefahrt könne sie sich einen Umstieg vorstellen.
Ein weiteres praktisches Hindernis taucht im Gespräch auf, das in der öffentlichen Debatte selten thematisiert wird: Kreditkarten. Wer keine besitzt – in bestimmten Altersgruppen keine Seltenheit –, steht an vielen Ladestationen vor einem Problem. Die meisten Lademethoden, ob App oder Direktzahlung, setzen eine Kreditkarte voraus. Der Tesla-Supercharger bleibt hier eine Ausnahme.
Umweltbewusstsein als entscheidender Faktor
Christoph Stulz, pensionierter Informatiker aus dem Aargau, hat sich hingegen bereits entschieden: Sein nächstes Auto wird elektrisch sein. Für ihn steht die Umweltfreundlichkeit im Vordergrund. Reichweitenangst kennt er nicht, und auch gegenüber moderner Bedienung zeigt er sich aufgeschlossen. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass ein E-Auto für Gleichaltrige durchaus viel Neues auf einmal bedeute.
Aus dem Gespräch mit seiner Frau Monika wird noch ein weiterer Aspekt deutlich: In ihrem Bekanntenkreis seien es vor allem jene, die generell umweltbewusster leben, die sich den Wechsel zum Stromer ernsthaft überlegen. Die Sorge gelte weniger dem Fahrzeug selbst, als der Frage, ob langfristig genügend erneuerbarer Strom zur Verfügung stehe – nicht zuletzt angesichts des wachsenden Energiebedarfs durch Rechenzentren.
Der TCS ordnet die Frage nüchtern ein: Ob jemand mit einem Elektroauto zurechtkomme, hänge weniger vom Alter ab als vom grundsätzlichen Interesse an Digitalisierung. Auch neuere Verbrennermodelle seien komplex. Probleme mit der Bedienung gebe es generationsübergreifend. Laut GFS-Bern-Mobilitätsmonitor können sich derzeit nur rund 27 Prozent der Schweizer Befragten vorstellen, auf einen Stromer umzusteigen – Ladeinfrastruktur, Reichweite und Preis bleiben die meistgenannten Vorbehalte, quer durch alle Altersgruppen.
Quelle: Handelszeitung – Sind ältere Menschen von Elektroautos überfordert?








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