E-Autos eindeutig Klimaschutz-Kaiser unter 800 Automodellen

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Iris Martinz
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Es ist eines der wesentlichen Argumente, das von Skeptikern der Elektromobilität immer wieder ins Treffen geführt wird: die Klimabilanz von E-Autos. Unterschiedliche Zahlen kursieren, wieviele Kilometer ein E-Auto emissionsfrei gefahren sein muss, um den „Klimarucksack“ der Batterie auszugleichen. Zuletzt waren es 70.000 Kilometer, die der Chef der Stellantis-Gruppe genannt hatte.

Wissenschaftler der Bundeswehr-Universität München haben nun die bisher umfassendste Studie vorgelegt und beinahe 800 Modelle – Verbrenner, Hybride, E-Autos, Brennstoffzellen– und gasbetriebene Autos – über den gesamten Produktlebenszyklus miteinander verglichen. Dieser umfasst die Produktion, den Betrieb und das Recycling aller Komponenten eines Autos. Das wenig überraschende Ergebnis: E-Autos sind beim heutigen deutschen Strommix um zwei Drittel weniger klimaschädlich als Benziner.

Unsere Studie gibt den aktuellen Stand der Technik wieder„, versichert Johannes Buberger, Doktorand am Lehrstuhl für elektrische Energieversorgung. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Renewable and Sustainable Reviews“ veröffentlicht. Bei der Bewertung des CO2-Fußabdrucks wurden sowohl die Rohstoffe, als auch der Energieverbrauch der Fertigung inklusive Batterien und der Betrieb der Fahrzeuge bewertet. Von den bis dahin anfallenden CO2-Emissionen wurden Recyclingeffekte abgezogen, weil diese die Klimabilanz verbessern.

Welche Variante gewinnt?

Schlusslicht beim CO2-Fußabdruck sind die Benziner, die als Basiswert für den Vergleich dienen. Dieselfahrzeuge emittieren bereits ein Fünftel weniger CO2 als Benziner. Bei Erdgasfahrzeugen beträgt der Unterschied knapp die Hälfte, wenn sie mit Biogas betrieben werden, sogar 80 Prozent. Fahrzeuge mit Brennstoffzelle, die mit „grauem“ – also fossil erzeugtem – Wasserstoff betrieben werden, sind um 60 Prozent weniger klimaschädlich als Benziner. Die Variante mit „grünem“ – also mit erneuerbaren Energien erzeugtem – Wasserstoff wurde in der Studie nicht bewertet, da es in Deutschland derzeit kein realistisches Szenario dafür gibt.

Die Klimabilanz der Elektroautos wurde auf Basis des aktuellen deutschen Strommix berechnet, der immerhin noch 42,2 Prozent fossile Energieträger (Braun- und Steinkohle, Erdgas, Öl) beinhaltet. Dennoch kommt ein Hybrid-Fahrzeug mit Elektro- und Dieselmotor bereits auf gut ein Drittel Emissionseinsparung gegenüber den Benzinern. Hybride aus Elektro- und Benzinmotor schaffen bereits fast 50 Prozent Einsparung. Käme der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen, liegen die Einsparungswerte bei 70 Prozent (Elektro/Diesel) und 75 Prozent (Elektro/Benziner).

Am wenigsten Emissionen über den Produktlebenszyklus verursachen reine Elektroautos – trotz energie- und rohstoffintensiver Batterie. „Mit Strom aus dem heutigen deutschen Strommix würden sie um zwei Drittel weniger Klimaschadstoffe erzeugen, mit Ökostrom geladen knapp 90 Prozent weniger„, erläutert der Forscher.

Welche Phase des Produktlebenszyklus verursacht die meisten Emissionen?

Den höchsten Anteil am CO2-Fußabdruck habe die Nutzungsphase der Autos, wie Buberger erläutert. Nur bei Elektroautos, die mit Ökostrom geladen werden – und damit in der Nutzungsphase keine Emissionen verursachen – und bei Autos, die mit Biogas angetrieben werden, habe die Produktion den größeren Einfluss. Tatsächlich beträgt der Studie zufolge der Batterien-Klimarucksack eines Tesla Model 3 Standard Plus etwa 18.000 Kilometer gegenüber einem VW Passat 2.0 TSI. Das ist dennoch weit entfernt von den medial kolportierten 70.000 Kilometern des Herrn Tavares.

Beim klimapositiven Recycling hätten Verbrenner Vorteile – noch, wie der Forscher betont. Denn das Batterierecycling mache große Fortschritte, sodass diese für E-Autos und Hybride wichtige Komponente bald so gut wie vollständig wiederverwertet werden könne. Langsam zeigt sich auch, dass die Batterien offenbar deutlich länger halten, als in den Anfangstagen der Elektromobilität angenommen: erste Anbieter gäben bereits Batteriegarantien für eine Million Kilometer. Eine lange Lebensdauer ist gut für die Klimabilanz.

Das Klima-Rennen machen also die reinen Elektroautos, vor allem, wenn sie mit Ökostrom geladen werden. Biogasbetriebene Fahrzeuge kämen dem zwar sehr nahe, für eine Produktion von Biogas in großen Mengen müsse aber die Massentierhaltung massiv ausgebaut werden.

Link zur Studie

Quelle: stuttgarter-zeitung.de – Wissenschaftler nehmen fast 800 Modelle unter die Lupe – das Ergebnis

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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